Ich weiß noch ganz genau, als ich „Rambo“ zum ersten Mal sah: Der intensive Überlebenskampf dieses gebeutelten Veteranen packte mich von der ersten bis zur letzten Minute, doch irgendwie konnte ich nicht ganz verstehen, wo dessen Ruf herkam. Das sollte diese unaufhaltsame Waffe auf zwei Beinen sein, von der alle sprachen? Die ultimative Tötungsmaschine, die eine Schneise der Zerstörung hinterlässt, sobald ihr die Sicherungen durchbrennen? Nicht wirklich. „Rambo“ ist ein atemloser Survival-Thriller mit einem Schuss Charakterdrama – aber sicher nicht das Action-Spektakel, das viele zuallererst mit John Rambo in Verbindung bringen dürften.
Das kam erst mit den Sequels. Denn „Rambo II“ und „Rambo III“ sind megalomanische Blockbuster, mit denen Stallone buchstäblich in den Krieg zog – gegen Rambos Widersacher sowie auch gegen seinen härtesten Konkurrenten: Arnold Schwarzenegger. Noch mehr Tote, noch mehr Explosionen, noch mehr coole Sprüche – nichts war verboten. Damit prägte Sly nicht nur das Männer-Kino der 80er entscheidend mit, sondern auch den Patriotismus der Reagan-Ära. Jahrzehnte später war der vielzitierte Point of no Return längst überschritten – und „John Rambo“ sowie „Rambo: Last Blood“ machten genau da weiter.
Sylvester Stallone ist sich bewusst darüber, wo sich die „Rambo“-Reihe im Laufe der Jahre hin entwickelt hat – und ging diesbezüglich nun hart mit sich ins Gericht.
Sylvester Stallone über die "Rambo"-Sequels: "Es war wie ein Cartoon"
„Sylvester Stallone hat seine Probleme jahrzehntelang verborgen. Jetzt spricht er offen darüber“: Unter diesem Titel hat die New York Times nun ein umfangreiches Piece mit dem Action-Star veröffentlicht, für das sich Redakteurin Lulu Garcia-Navarro mit dem mittlerweile 80-jährigen Golden-Globe-Gewinner zusammengesetzt hat. Dieser gibt sich darin erfrischend ehrlich und reflektiert – und räumt auch Fehler hinsichtlich einer seiner legendärsten Figuren und Filmreihen ein.
John Rambo sei in den Fortsetzungen zu einem klassischen Actionhelden aufgestiegen und habe dabei die Tiefe verloren, die er im ersten Film noch hatte, so Garcia-Navarro. „Absolut richtig. Und das ist meine Schuld“, gibt Stallone offen zu. Das, was Rambo durchgemacht hatte, sei thematisch zwar aufgemacht, aber nie weiter ergründet worden. Am Ende sei es nicht mehr als „Bravado“, also eine übertriebene Zurschaustellung scheinbarer Tapferkeit, gewesen. Ein Trauma als Mittel zum Zweck. Letztlich habe man sich allerdings entschieden, eine andere Richtung einzuschlagen – die der Schauspieler heute offenbar bereut. Und ganz auf seine Kappe nimmt.
Die Erklärung liegt dabei auf der Hand. So bringt es Stallone auf den Punkt: „Die Muskeln spielen zu lassen ist viel einfacher, als seine Seele zu offenbaren. Und es war schrecklich. Es war wie in einem Cartoon.“
FILMSTARTS stimmt Sylvester Stallone zu!
Wir von FILMSTARTS können die Aussagen von Sylvester Stallone komplett nachvollziehen – und sind dabei ganz auf seiner Seite. Das lässt sich auch an unseren Kritiken ablesen.
Während der erste „Rambo“ mit 4,5 Sternen für uns zu den absoluten Prunkstücken in der Karriere Stallones zählt, ging es mit „Rambo II“ (2 Sterne) und „Rambo III“ (1 Stern) schnell bergab. Die beiden späteren Sequels kamen zwar immerhin auf 3 sowie 2,5 Sterne, an die Klasse des Originals kam die Reihe allerdings nie mehr heran – ja, nicht einmal in die Nähe.
Vielleicht geht es ja mit dem am 10. Juni 2027 startenden Prequel „John Rambo“ wieder bergauf, wenn wir erstmals Noah Centineo in der Titelrolle sehen werden. Was uns darin erwarten könnte, lässt sich nicht nur anhand der Vita von Regisseur Jalmari Helander („Sisu 1+2“) erahnen. Auch wurde kürzlich bekannt, welche Original-Szene großen Einfluss auf den neuen Film hatte:
Ausgerechnet diese Szene aus "Rambo" ist das große Vorbild für das neue Abenteuer mit Stallone-Nachfolger Noah Centineo