Neben Kult-Meisterwerken wie „Pulp Fiction“, „Kill Bill“ oder „Inglourious Basterds“ ist Quentin Tarantino vor allem dafür berühmt, gefühlt jeden Film zu kennen, der jemals gedreht worden ist. Doch ganz stimmt das nicht! Während sich der ehemalige Videothekar in seinen eigenen Regiearbeiten gerne quer durch die Kinogeschichte zitiert und im Rahmen von Interviews oder Podcast-Auftritten regelmäßig ausgiebig über seine filmischen Vorlieben doziert, gibt es eine Handvoll Titel, denen Tarantino bewusst aus dem Weg geht.
Warum er einen ganz bestimmten Hollywood-Klassiker, der in den USA sogar einen Kino-Rekord hält, bis heute nicht gesehen hat, kann Tarantino zwar selbst nicht so genau erklären – dafür weigert er sich erklärtermaßen, „Eyes Wide Shut“ zu schauen, das Vermächtnis von Meisterregisseur Stanley Kubrick. Der Grund? Ständig hätten ihm Leute gesagt, er müsse den Film unbedingt sehen – also hat er sich aus purem Trotz dazu entschlossen, das erst recht nicht zu tun. Aus anderen Gründen wiederum ignoriert Tarantino den Pixar-Hit „Toy Story 4“: Für ihn fand die Geschichte bereits mit dem dritten Teil ihren perfekten Abschluss, den er sich durch eine weitere Fortsetzung nicht verderben lassen will. Und dann ist da noch ein Kultfilm von 1982, bei dem Tarantino ganz besonders deutlich wurde: „Pink Floyd – The Wall“!
Bei dem von Alan Parker („Angel Heart“) inszenierten Musikdrama handelt es sich um die Leinwand-Umsetzung des gleichnamigen, drei Jahre zuvor erschienenen Konzeptalbums der britischen Rockband Pink Floyd. Der Film kommt fast vollständig ohne klassische Dialoge aus, stattdessen kleidet er die Songs von „The Wall“ in surreale Bilderwelten und aufwändige Animationssequenzen. Im Mittelpunkt steht der desillusionierte Rockstar Pink (Bob Geldof), der sich nach traumatischen Erlebnissen zunehmend von seiner Umwelt abschottet und in den Wahnsinn abzugleiten droht.
"The Wall" ist Quentin Tarantino so egal, dass er lieber Stacheldraht essen würde
In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik gab es herausragende 4,5 von 5 Sternen für das „visuell und atmosphärisch beeindruckend[e] Meisterwerk, das die Musik zu einem Gesamtkunstwerk ergänzt, in dem Bild und Ton zu einer sich wechselseitig durchdringenden Einheit verschmelzen“. Auch 30 Jahre nach seiner Entstehung sei der Film „schlicht atemberaubend“. Tarantino würde sich davon wohl eher nicht umstimmen lassen – schließlich äußerte er sich laut dem britischen Far Out Magazine absolut unmissverständlich:
„Ich würde lieber Stacheldraht essen, als mir jemals ‚The Wall‘ anzusehen. Ich habe keinerlei Interesse daran, mir das Album anzuhören. Ich habe keinerlei Interesse daran, den Film jemals zu sehen. Ich bin einfach kein Fan. Das ist einfach so eine Sache, bei der ich mir denke, dass sie mir völlig egal ist. Ich rede den Film ja nicht einmal schlecht, weil ich ihn gar nicht gesehen habe. Ich habe einfach überhaupt kein Bedürfnis, ihn mir anzusehen, okay? Ich sage also nichts Schlechtes über ihn. Er interessiert mich schlichtweg überhaupt nicht. Und ich habe auch kein schlechtes Gewissen, das so offen zu sagen, denn der Film hat genug Fans. Er braucht mich nicht.“
Dafür, dass er kein schlechtes Gewissen hat, lesen sich Tarantinos Ausführungen ganz schön rechtfertigend – und die Aussage, er würde lieber Stacheldraht essen, klingt nicht gerade danach, als wäre ihm der Film schlichtweg völlig egal. Aber es ist eben Tarantino, der Übertreibungen aller Art bekanntlich nicht abgeneigt ist und sowohl im Positiven als auch im Negativen gerne die ganz schweren verbalen Geschütze auffährt. Die Botschaft, dass er „The Wall“ nicht sehen will, ist in jedem Fall angekommen.
Um einen weiteren Film, den er erklärtermaßen nicht sehen will, obwohl sein „Pulp Fiction“-Star John Travolta die Hauptrolle spielt, geht es im folgenden Artikel:
"Ich konnte mich einfach nicht überwinden": Quentin Tarantino weigert sich seit 36 Jahren, einen der größten John-Travolta-Hits zu schauen