Die Film- und Serienwelt trauert um Patrick Stewart, der über Jahrzehnte hinweg unvergessliche Figuren verkörperte. Ob als Captain Picard in „Star Trek: The Next Generation“ oder als Professor Xavier in den „X-Men“-Filmen: Stewart gehörte zu den ganz großen Namen seiner Generation. Doch auch abseits dieser legendären Rollen hinterließ der Brite bleibenden Eindruck. Wie sehr er dabei auch abseits des Rampenlichts einen Unterschied machen konnte, zeigt eine bewegende Geschichte rund um den Horrorfilm „Green Room“.
Patrick Stewart in "Green Room": Ein ungewöhnlicher Horrorfilm mit dem "Star Trek"-Star
In „Green Room“ übernahm Stewart 2015 eine Rolle, die sich deutlich von seinen bekanntesten Auftritten unterschied. Der Film von Regisseur Jeremy Saulnier („Rebel Ridge“) erzählt von einer Punkband, die nach einem Konzert in einem abgelegenen Club Zeuge eines Mordes wird. Plötzlich sitzen die Musiker*innen fest und müssen sich gegen eine Gruppe brutaler Neonazis zur Wehr setzen. Stewart spielt Darcy Banker, den eiskalten Nazi-Boss. Statt seiner üblichen charismatischen Autorität zeigt der Schauspieler hier eine erschreckend kontrollierte Seite.
Für Saulnier war die Besetzung Stewarts allerdings nicht bloß ein kreativer Glücksgriff. Sie sollte sich als entscheidend für das Überleben seiner Produktion erweisen. Der Filmemacher hatte mit „Green Room“ einen kompromisslosen Genrebeitrag im Sinn. Doch ausgerechnet bei der Besetzung der zentralen Rolle drohte das Projekt zu scheitern.
Kurz nach Stewarts Tod erinnerte sich Saulnier bei einer Vorführung von „Green Room“ an die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler (via Film Updates) und nutzte die Gelegenheit zu einer emotionalen Würdigung eines Mannes, dem er nach eigenen Worten seine Karriere verdankt.
Green Room"Green Room"-Regisseur über Patrick Stewart: "Er hat uns gerettet"
„Wer ist verdammt traurig darüber, dass wir Patrick Stewart gestern verloren haben? Ich. Ich bin hierhergekommen, um schamlos Werbung für ‚Slayground‘ zu machen, aber stattdessen werde ich einfach Patrick Stewart feiern“, erklärte Saulnier zu Beginn. Der Schauspieler habe eigentlich überhaupt keinen Grund gehabt, bei diesem Film mitzumachen. Schließlich hätten ihm zahlreiche andere Möglichkeiten offen gestanden.
Saulnier schilderte anschließend, wie die Produktion von „Green Room“ kurz vor dem Aus stand. „Wir waren an einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab“, erinnerte er sich. Niemand war für die Rolle des Darcy gefunden worden. „Wir sind am Arsch und standen kurz davor, alles abzubrechen. [...] Und Patrick Stewart zeigte plötzlich Interesse an dem Projekt.“ Nur etwa eine Woche später telefonierte Saulnier mit dem Star, zu einem Zeitpunkt, als der Regisseur darüber nachdachte den Film einzustampfen.
„Stattdessen tauchte dieser Typ aus dem Nichts auf, aus einer völlig anderen Liga als wir, stürzte sich kopfüber in unseren beschissenen kleinen Film, rettete uns und sagte Ja“, erzählte Saulnier. „Und plötzlich hatte der Film grünes Licht, und wir konnten weitermachen. Ich danke ihm dafür, dass er diesen Sprung gewagt und ‚Green Room‘ überhaupt erst möglich gemacht hat.“ Stewart sei „der Grund, warum ich heute noch Filme machen kann“, erklärte der Filmemacher außerdem. Er bezeichnete ihn als „verdammt liebenswerten Menschen, echten Gentleman und freundlichen Anführer für unsere gesamte Besetzung“.
Zum Schluss bat Saulnier das Publikum darum, beim entsprechenden Moment im Film besonders laut zu feiern. Stewart hätte allerdings darauf bestanden, eine wichtige Klarstellung hinzuzufügen: „Was auch immer ihr tut, feuert nicht die Nazis an!“ Dafür erntete der Schauspieler bei der Vorführung noch einmal großen Applaus.
"Green Room": Einer der besten Belagerungsfilme seit "Assault – Anschlag bei Nacht"
Dass sich Stewart auf „Green Room“ eingelassen hat, war nicht nur für Saulnier ein Glücksfall. Auch das Ergebnis kann sich sehen lassen! In seiner Kritik für FILMSTARTS vergab Chef-Redakteur Christoph Petersen vier von fünf Sternen und bezeichnete den Film als „einen der besten Belagerungsfilme seit dem Überklassiker ‚Assault – Anschlag bei Nacht‘ von 1976“.
Der kompromisslose Horror-Thriller überzeugt mit seiner klaustrophobischen Atmosphäre, brutalen Eskalationen und einer Besetzung, die bis in die Nebenrollen hervorragend funktioniert. Patrick Stewart ist darin besonders eindrucksvoll (mehr Lob zum Film gibt es auch im Streaming-Tipp von Senior-Redakteur Julius Vietzen).
Auch nach „Green Room“ blieb Jeremy Saulnier dem kompromisslosen Genre-Kino treu. Sein neuer Film „Slayground“ soll im Januar in den USA starten. Weitere Informationen zum deutschen Kinostart stehen bislang aus. Hier könnt ihr euch den ersten Trailer ansehen. Viel Spaß damit.
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