„Die Reifeprüfung“ ist zweifelsohne einer der größten Klassiker der Filmgeschichte und war das Karrieresprungbrett für Oscar-Gewinner Dustin Hoffman. Allerdings kam der Erfolg wohl nicht ohne Preis.
Denn wie der inzwischen 89-jähriger Darsteller in einem persönlichen Text für The New Yorker schildert, war die Arbeit an „Die Reifeprüfung“ mit Schmerzen und vielen Zweifeln verbunden. Der Mann, dessen Karriere mit diesem Film begann, erinnert sich nicht an einen Triumph, sondern an Angst und eine belastende Erfahrung.
"Ich fühlte mich unwürdig"
Hoffman schreibt, er habe sich von Anfang an unwohl und unwürdig am Set von „Die Reifeprüfung“ gefühlt. Das hatte wohl auch mit der Erwartungshaltung zu tun. Regisseur Mike Nichols hatte mit „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ gerade einen gefeierten Film an den Start gebracht.
Hoffmans Resümee über seine Gefühlslage: „Es war eine schreckliche Erfahrung, den Film zu drehen, der mein Leben veränderte.“ Ein Großteil seiner Angst habe darin bestanden, dass Nichols wütend auf ihn sein könnte, entweder weil er etwas falsch mache oder weil der Regisseur erkannt habe, was alle anderen längst wussten: dass er die Hauptrolle falsch besetzt habe.
Schon seine Besetzung sei Hoffman absurd erschienen. Als sein Agent von Nichols’ Interesse erzählte, habe er nicht einmal vorsprechen wollen. Er kannte den Roman von Charles Webb und fand, dass er für Benjamin völlig falsch sei. Sein Agent überredete ihn schließlich zu Testaufnahmen, die ihm die Rolle einbrachten.
Am Set wurde es nicht leichter. Regisseur Nichols sei häufig missmutig gewesen, schreibt Hoffman, ein verstörender Gegensatz zu dem Mann, den er in den Proben erlebt hatte. Der Darsteller berichtet zudem von Unsicherheiten seinerseits. Er habe oft geglaubt, entlassen zu werden. Bei einigen der berühmtesten Szenen des Films habe er sich gedacht, dass er keine Ahnung habe, was er eigentlich tue.
Besonders drastisch schildert Hoffman eine Szene mit Katharine Ross. Sie musste ihm eine Ohrfeige geben, und Nichols ließ die beiden die Szene 27-mal drehen. In dem der Moment stürzt Benjamin klatschnass vom Regen in Elaines Zimmer, um ihr von seiner Affäre mit einer älteren Frau zu erzählen, und Elaine innerhalb von Sekunden begreift, dass es sich um ihre Mutter handelt. Nichols habe Ross immer wieder aufgefordert, ihn zu schlagen, und zwar fester. Ross hatte Angst, ihm wehzutun, Hoffman beruhigte sie und bat nur, dass sie sein Ohr verfehle. Ein paar Mal traf sie trotzdem. Am Ende des Tages sei ihm schwindelig gewesen, und Nichols habe die Ohrfeige nicht einmal im Film verwendet.
Am nächsten Tag stand Hoffman dann für eine Unterwasserszene im Taucheranzug im Pool. „Als ich nach ein paar Takes zum Luftholen auftauchte, tropfte mir Blut aus dem Ohr“, schreibt der Darsteller. Durch die Schläge am Vortag und den Wasserdruck am Beckenboden hatte er sich das Trommelfell durchstochen.
Am Ruhm des Films ändert das nichts: „Die Reifeprüfung“ kam am 22. Dezember 1967 in die Kinos und erzählt von einem desillusionierten College-Absolventen, der zwischen seiner älteren Geliebten, gespielt von Anne Bancroft, und deren Tochter, gespielt von Ross, hin- und hergerissen ist. Der Film war für sieben Oscars nominiert, und Nichols gewann bei der 40. Verleihung den Preis für die beste Regie.
Positive Erfahrungen hat hingegen ein Regisseur mit dem kürzlich verstorbenen Patrick Stewart gemacht. Der legendäre Darsteller rettete demnach eine ganze Produktion. Um welchen Film es sich handelt, erfahrt ihr hier:
"Patrick Stewart hat den Film gerettet": Regisseur enthüllt, wie der "X-Men"-Star einen beinahe gescheiterten Horrorfilm doch noch möglich machte*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.