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    "Star Wars 9" als Mittelfinger an "Star Wars 8"? Jetzt spricht der Autor
    Von Tobias Mayer — 04.01.2020 um 08:50

    Nach „Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers“ wird diskutiert, ob der Film die Ereignisse des umstrittenen Vorgängers nichtig macht. Nun ist Chris Terrio, der „Star Wars 9“ mit J.J Abrams geschrieben hat, auf entscheidende Punkte eingegangen.

    The Walt Disney Company

    Der Artikel enthält Spoiler zu „Star Wars 9“.

    Die Produktion der „Star Wars“-Sequeltrilogie war voller Diskussionen und Planänderungen, so viel ist mal sicher. Ich freue mich auf den Tag, an dem ein top recherchiertes Making-of-Buch dazu erscheint, das nicht zum Merchandise gehört und auf „alle hatten sich lieb“-Linie ist. Bis dahin bleiben uns Fans nur die eigene Interpretation – und die bisherigen Interviewäußerungen der Beteiligten, wenn es darum geht, welche Entscheidung warum getroffen wurde.

    Haben sich J.J. Abrams und Co-Autor Chris Terrio für „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ z. B. vorgenommen, die von Rian Johnson in „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ eingeschlagene Richtung zu verlassen?

    Was die Absichten der Autoren angeht, lohnt sich ein Blick in ein langes Interview mit dem Branchenmagazin Hollywood Reporter. Bei den ausschlaggebenden Punkten „Luke und das Lichtschwert“ sowie „Lukes Opfer“ widerspricht Terrio der Interpretation, dass hier mit „Star Wars 8“ gebrochen werde.

    Luke und das Lichtschwert: Kein Fuck You

    Als Rey (Daisy Ridley) das alte Lichtschwert von Luke in die Flammen werfen will, wird es vom Geist des alten Meisters persönlich vorm Flammentod bewahrt. Luke sagt Rey dann augenzwinkernd, dass die Waffe eines Jedi mehr Respekt verdiene. Das ist als Kommentar auf den eigenen Fehler in „Star Wars 8“ zu verstehen, wird von einigen Zuschauern aber auch als Kommentar der Macher auf den Vorgängerfilm an sich interpretiert.

    Chris Terrio dazu: „Diejenigen, die es als Meta-Argument zwischen J.J. und Rian sehen, treffen damit nicht den Kern, denke ich. Am Ende von ‚Die letzten Jedi‘ hat sich Luke verändert. Das Ende des Films wird falsch gelesen. Während ‚Die letzten Jedi‘ hängt Luke fest, so wie viele Figuren in ‚Das Imperium schlägt zurück‘. Das gilt wortwörtlich auch für den Hyperraumantrieb des Falken. ‚Die letzten Jedi‘ ist deswegen ein echt starker mittlerer Akt, weil es so aussieht, dass jeder auf bestimmte Art festhängt – so wie in ‚Das Imperium schlägt zurück‘.[…]

    Wenn Luke in ‚Episode 9‘ sagt, dass die Waffe eines Jedi mehr Respekt verdient, entspricht das seiner Figur. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst. Er sagt Rey, dass sie bitte nicht denselben Fehler machen soll wie er. Das ist ein anderes Thema des Films. Wie lernen wir von unseren Vorfahren? Wie lernen wir von unseren Eltern? Wie lernen wir von der vorherigen Generation? […] Dieser Luke-Moment ist wirklich ein Charakter-Moment, denn wir zeigen wieder die Übergabe eines Lichtschwerts, aber diesmal ist Luke da, Rey davor zu bewahren, eine schlechte Entscheidung zu treffen.

    Ich glaube, es wäre eine große Fehlinterpretation, dass ich und J.J. in dieser Szene mit Rian streiten. Es ging eher darum, dass wir einen Dialog mit ihm haben, indem wir benutzten, was Luke zu Beginn von ‚Die letzten Jedi‘ tat und jetzt sagen, dass sich Geschichte nicht wiederholen wird und alle diese Figuren gelernt haben.“

    Lukes Opfer am Ende von "Star Wars 8" zählt sehr wohl

    Auch als jemand, der „Star Wars 9“ nicht als Mittelfinger in Richtung von „Star Wars 8“ sieht, bin ich ein wenig traurig darüber, dass Lukes Aufopferung in „Die letzten Jedi“ keine Auswirkungen zu haben schien, da der Widerstand zu Beginn von „Star Wars 9“ immer noch klein ist – auch für mich passen die Handlungen beider Filme an dieser Stelle nicht recht zusammen. Chris Terrio jedoch sieht das nicht so eng:

    „Ich will unsere Absichten nicht über Gebühr erklären und ich überlasse es dem Publikum, kausale Verbindungen zwischen Ereignissen zu ziehen. Aber ich sage immerhin so viel: Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass es nicht Lukes Opfer war, das die Galaxis inspirierte. Lando trommelt die Verbündeten zusammen, aber offensichtlich hat sich in der Galaxis seit der Schlacht von Crait etwas verändert. Diesmal kommt Hilfe.

    Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber in ‚Die letzten Jedi‘ haben wir diesen starken Moment mit den Canto-Bight-Kindern. Das Publikum versteht – auch wenn es die Widerstandskämpfer vielleicht noch nicht tun – dass sich in der Galaxis etwas verändert. Zumindest für mich wird die Legende Skywalkers und seines Opfers Teil des Bewusstseins der Galaxis.[…]"

    Andere Punkte

    Fans und Kritiker haben noch eine Reihe anderer Punkte ausgemacht, bei denen sie die „Star Wars 9"-Handlung als Richtungswechsel empfinden. Hierzu hat Chris Terrio ebenfalls Antworten parat, die ihr auch in einem Interview mit The Wrap nachlesen könnt:

    Rey stammt von jemand Bekanntem ab, wo in „Star Wars 8" doch gesagt wurde, dass ihre Eltern unwichtige Personen seien? Terrio und Abrams sei es darum gegangen, Rey mit einer noch schlimmeren Enthüllung zu konfrontieren.

    Kylo baut seinen Helm wieder zusammen, obwohl sein Motto in „Star Wars 8" war, die Vergangenheit sterben zu lassen? Der geflickte Helm soll Kylos Zerrissenheit zeigen und das Motto sei nicht die Aussage des Films gewesen, sondern Ausdruck einer gequälten Seele, die sich ihrer eigenen Vergangenheit nicht stellen will.

    Und was die Vernachlässigung der „Star Wars 8"-Rebellin Rose Tico angeht, erklärte sich Chris Terrio schon an anderer Stelle.

    Nun sind die Absichten der „Star Wars“-Autoren und Interpretationsmöglichkeiten die eine Sache – wie eine Geschichte im Kino wirkt, hat aber sehr viel mit dem Erzähltempo zu tun, das in „Star Wars 9“ fraglos sehr hoch ist. Und dazu hat Chris Terrio indirekt bereits zugegeben, dass in „Episode 9“ zu viel passiert:

    "Star Wars 9"-Autor kritisiert eigenen Film (indirekt)

    „Star Wars 9“ läuft seit dem 18. Dezember 2019 in den deutschen Kinos.

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