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    Wie "Star Wars Episode 1" erst zum schlechtesten und dann besten Kinoerlebnis meines Lebens wurde
    Von Tobias Mayer — 31.07.2020 um 15:00

    Zur TV-Ausstrahlung von „Star Wars: Die dunkle Bedrohung“ erzählt Redakteur und Fan Tobias Mayer eine persönliche Anekdote, die mit einer Katastrophe beginnt und im schönsten Kinobesuch mündet, den er je erlebt hat.

    20th Century

    +++ Meinung +++

    Star Wars Episode 1“ hat mir das Herz gebrochen – mit Sätzen wie diesem fangen viele Meinungsäußerungen an, die nach Kinostart 1999 des wahrscheinlich umstrittensten aller „Star Wars“-Filme ins Internet geschrieben wurden. Doch das hier ist keiner dieser Texte. Es geht weniger um den Film selbst. Denn „Star Wars“ ist größer als ein Film – vor allem für mein 13-jähriges Ich, das dem deutschen Kinostart entgegenfieberte wie ein in der Wüste ausgesetzter Wookie der Oase.

    Mangels eigenem Anschluss hatte ich mir die Trailer bei meinem Nachbarn aus dem Internet geladen, was 1999 eine stundenlange Angelegenheit war, und sie anschließend so oft geschaut, dass ich sie noch heute mitsprechen kann. Ich war sogar in Filmen wie dem Nicht-Klassiker „Verlockende Falle“ mit Catherine Zeta-Jones und Sean Connery, nur um den „Episode 1“-Trailer im Kino zu sehen.

    Der Trailer wurde leider nicht gezeigt – eine Enttäuschung, die zwar groß war, aber sehr klein im Vergleich zu der Enttäuschung, die mein 13-jähriges Ich zum deutschen Kinostart am 19. August 1999 erlebte.

    Große Enttäuschung

    Im August 1999 war ich mit meinen Eltern und meinem Bruder im alljährlichen Nordseeinsel-Familienurlaub. In diesen Jahren habe ich meine Liebe für Wind, Krabben und Gischt entdeckt – und meine Liebe zum Kino. Das Kino auf der Insel war eine Mehrzweckhalle, wo ein Projektor sowie eine Leinwand aufgestellt wurden, wenn nicht gerade der Shanty-Chor sang oder die Schulkinder der Insel Sportunterricht hatten.

    Ich habe dort „Jumanji“ gesehen (den mit Robin Williams), „Batman & Robin“ (den ich mit 11 supergeil fand) oder „Armageddon“ (den meine Oma genauso gut fand wie ich). Selbstverständlich war fest eingeplant, auch „Star Wars Episode 1“ in der Kino-Inselturnhalle zu schauen.

    Aber als ich in freudiger Erwartung an der Infowand stand, an die jede Woche die Spielzeiten der Kino-Neustarts der kommenden Woche geklebt wurden (sozusagen FILMSTARTS in der Ostfriesen-Version 1999), da fehlte genau der eine Film, der in der Vorstellung meines 13-jährigen Ichs einfach nicht fehlen durfte (und auch mit 34 kann ich mein 13-jähriges Ich noch voll verstehen).

    Kein "Star Wars" an der Nordsee

    Das Nordsee-Kino zeigte viel von dem, was das bemerkenswerte Kinojahr 1999 zu bieten hatte, inklusive „Matrix“ und „Notting Hill“, nach meiner Erinnerung im Grunde alles, abgesehen von DEM. GRÖSSTEN. FILM. DES. VERFICKTEN. JAHRES.

    Vielleicht lag es daran, dass der Verleih (damals Fox) schon bei „Star Wars 1“ versucht hatte, mehr Geld aus den Kinos zu pressen als üblich, und sich das Nordsee-Kino darauf nicht einlassen wollte. Vielleicht sind die Filmrollen bei der Überfahrt vom Festland zur Insel ins Meer geplumpst oder vielleicht hatte der Kinobetreiber „Episode 1“ in der damals vor deutschem Start kursierenden Raubkopie gesehen und wollte die Insulaner sowie Sommergäste vor Jar Jar Binks bewahren, ich weiß es nicht und es war mir auch komplett wumpe, warum „Episode 1“ nicht gezeigt wurde.

    Dass „Episode 1“ nicht gezeigt wurde, war eine Katastrophe für den 13-jährigen Jungen, der im August 1999 entsetzt vor der Insel-Infowand mit den Kino-Neustarts stand, bei denen „Star Wars“ fehlte, der im Rest der Republik am 19. August 1999 in die Kinos kommen würde, während der Inselurlaub erst am 28. August enden würde, also neun verdammte Tage später, oder besser formuliert:

    Eine inakzeptable Ewigkeit später, in der alle meine Freunde den Film sehen würden, auf den ich gewartet hatte wie C-3PO aufs Ölbad. Eine verdammte Ewigkeit später, in der alle meine Freunde den Film sehen würden, während ich Krebse angeln war.

    Spoileralarm: Ich musste tatsächlich die vollen neun Tage länger warten. Der Urlaub wurde entgegen meines dringlichen Wunsches nicht vorzeitig abgebrochen und „Episode 1“ auch nicht noch verspätet ins Programm aufgenommen, so wie in meiner Wunschvorstellung, mit der ich mich von Tag zu Tag rettete.

    Und ihr wisst ja, wie das ist: Man wartet und wartet, baut riesige Erwartungen auf, aber dann im Kino kommt die Enttäuschung, weil die Erwartung Galaxis-große Ausmaße angenommen hat, die kein Film erfüllen kann, vor allem kein Film wie „Star Wars Episode 1“, dem ein bis dato beispielloser Hype vorausging und dem nach Kinostart eine bis dato beispiellose Enttäuschung folgte. Aber wie ich eingangs geschrieben habe: Das hier ist keiner dieser Texte.

    Happy End (wie) im Kino

    Am 28. August 1999, dem Tag unserer Rückfahrt aus dem Sommerurlaub, neun gigantisch lange Tage nach dem deutschen Kinostart von „Star Wars 1: Die dunkle Bedrohung“, fuhren meine Eltern meinen Bruder und mich nicht bis ganz nach Hause, sondern setzten uns abends direkt vorm Kino ab.

    Und wenn ich heute ganz genau hinschaue, finde ich auf meinem Unterarm noch immer ein paar seit damals aufgestellte Härchen der Gänsehaut, die den Film über anhielt und die einsetzte, als diese Worte auf der Leinwand erschienen:

    Es war einmal, vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis….

    „Star Wars 1: Die Dunkle Bedrohung“ läuft am Freitag (31. Juli 2020) ab 20:15 Uhr auf ProSieben. Ihr könnt den Film auch bei Disney+ streamen. Wenn ihr über diesen Affiliate-Link ein Abo abschließt, unterstützt ihr damit auch FILMSTARTS, ohne dass es eine Auswirkung auf den Preis hätte.

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