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    "Der schlimmste Streaming-Dienst": "Tenet"-Macher Christopher Nolan stellt sich gegen Warner & HBO Max
    Von Daniel Fabian — 08.12.2020 um 09:12

    Praktisch alle Highlights, die uns Christopher Nolan in den vergangenen knapp 20 Jahren bescherte, drehte er für Warner. Jetzt stellt sich der Meister-Regisseur allerdings gegen sein Studio – und dessen Streaming-Strategie für 2021.

    2020 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. / Melinda Sue Gordon

    Seit „Insomnia“ (2002) dreht Christopher Nolan Filme für Warner Bros. – und bescherte dem Studio seitdem nicht nur regelmäßig Meisterwerke, sondern auch Kassenschlager, von der „Dark Knight“-Trilogie über „Inception“ und „Interstellar“ bis „Tenet“ (wobei letzterer aufgrund der Corona-Pandemie eher ein Flop war).

    Doch jetzt droht die Beziehung zwischen dem Regie-Ass und Warner zu bröckeln. Der Grund: Die angekündigte Strategie des Hollywoodstudios für 2021, die da lautet, alle großen Kinofilme zeitgleich zum Kinostart auf der hauseigenen Streaming-Plattform HBO Max zur Verfügung zu stellen.

    Gegenüber dem Hollywood Reporter erklärte der Filmemacher nun, dass es dabei aber nicht bloß um das Konzept an sich gehe, sondern auch um die Art und Weise, wie man die Filmschaffenden in der Angelegenheit außen vor ließ.

    "Sie verstehen gar nicht, was sie verlieren"

    „Einige der größten Filmemacher und wichtigsten Filmstars gingen nachts im Glauben ins Bett, für das großartigste Filmstudio der Welt zu arbeiten – und wachten am nächsten Tag auf, um herauszufinden, dass sie für den schlimmsten Streaming-Anbieter arbeiten“, so Nolan. Für die Filmschaffenden habe es keinerlei Briefing oder Vorwarnung gegeben.

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    Warner habe eine „unglaubliche Maschinerie“ aufgebaut, um die Arbeit von Filmemachern in aller Welt zu verbreiten, sowohl im Kino als auch zu Hause, die durch die jüngsten Ereignisse allerdings zerbrechen würde. „Sie verstehen nicht einmal, was sie verlieren“, fügt der Filmemacher noch hinzu, der die Entscheidung auch aus finanzieller Sicht nicht nachvollziehen kann: „Ihre Entscheidung ergibt wirtschaftlich keinen Sinn.“

    Wie Quellen des Hollywood Reporter verkünden, soll auch „The Suicide Squad“-Macher James Gunn, der mit seiner kommenden Comic-Verfilmung direkt betroffen ist, nicht begeistert von Warners neuem Ansatz zu sein.

    Partner Legendary Pictures könnte klagen

    Neben einigen Filmschaffenden fühlt man sich aber auch bei Partner Legendary Pictures vor den Kopf gestoßen. Die Produktionsschmiede finanzierte etwa potenzielle Warner-Hits wie Denis Villeneuves Science-Fiction-Epos „Dune“ und das Monster-Treffen „Godzilla Vs. Kong“ mit – die mit Produktionskosten von knapp 175 bzw. 160 Millionen Dollar zu Buche schlugen.

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    Man sei größtenteils nicht in jene Pläne involviert gewesen und strebe nun erst einmal eine außergerichtliche Einigung an. Sollte es nicht zu einem Deal kommen, sei man aber durchaus gewillt, rechtliche Schritte einzuleiten, so Variety. Insider verrieten dem Branchenblatt zudem, dass auch Denis Villeneuve eine traditionelle Veröffentlichung im Kino bevorzuge.

    Kinofenster geschlossen: Was bisher geschah

    Nachdem Universal in den USA bereits einen Deal schloss, der es dem Studio ermöglicht, Kinofilme künftig bereits 17 Tage nach Kinostart (anstatt mehrerer Monate) fürs Heimkino zu veröffentlichen, ging Warner Bros. vor wenigen Tagen dann sogar noch einen Schritt weiter:

    Alle großen Warner-Kinofilme, die für 2021 angesetzt sind, werden in den USA am selben Tag im Kino und auf der hauseigenen Streamingplattform HBO Max erscheinen – darunter etwa Filme wie „Matrix 4“ und eben auch „Dune“, „Godzilla Vs. Kong“ oder „The Suicide Squad“.

    Die Entscheidung des Studios erfolgte natürlich auch im Hinblick auf die Expansion des hauseigenen Streamingdienstes, der in den USA bereits seit einiger Zeit verfügbar ist und 2021 auch in weiten Teilen Europas etabliert werden soll (nähere Details zum Start in Deutschland gibt es noch nicht).

    Die hauseigenen Highlights dann exklusiv anzubieten, ist nun mal ein gutes Argument für potenzielle Abonnent*innen – das zeigte sich zuletzt ja auch schon am Beispiel Disney+.

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