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    Avengers + X-Men: Das Marvel-Multiverse ist da! Aber was ist daran eigentlich so toll?
    Von Tobias Mayer — 09.02.2021 um 11:05

    Spoiler zur 5. Folge „WandaVision“ – wo überraschend ein alter Bekannter auf der Matte steht, der eigentlich in ein anderes Universum gehört. Bei Marvel stehen die Zeichen nun auf „Multiverse“. Doch ohne gute Geschichten bleibt es ein Gimmick...

    Disney / Sony Pictures / Fox Deutschland

    +++ Meinung mit Spoilerm zur 5. Folge „WandaVision“ +++

    Superheldencomics kennen keine Grenzen: Helden und Heldinnen werden nach Belieben wiederbelebt, ihre Storys werden untereinander gekreuzt und wieder von vorne erzählt, wenn eine Geschichte komplett ausgelutscht ist (oder manchmal auch erst fünf Jahre danach).

    Nicht mal die eigene Realität ist unüberwindbar: Egal, ob bei Marvel oder DC, längst haben sich verschiedene Versionen von Superhelden und Superheldinnen untereinander getroffen.

    Der Story-Kniff dahinter ist simpel: Alle Comic-Geschichten existieren in einem gemeinsamen Multiversum aus unterschiedlichen Parallelrealitäten, zack fertig. Ich wäre gerne auf der Party gewesen, mit der diese so simple wie lukrative Idee gefeiert wurde, nachdem sie geboren war.

    Nächster Halt: Multiversum

    Für die Film- und Serienmacher*innen von Marvel und DC ist das Konzept „Multiverse“ nun der nächste große Schritt. In den TV-Serien des Arrowverse wurde er bereits gegangen, als sich die zwei verschiedenen Flashs (Grant Gustin aus „The Flash“ und Ezra Miller aus „Justice League“ & Co.) trafen.

    Im kommenden Kino-„The Flash“ nun dürfen sich die Bat-Männer Michael Keaton und Ben Affleck gegenseitig aufs Cape klopfen, in Marvels „Spider-Man 3“ mit Tom Holland schwingen sich auch die vorherigen Spinnen-Männer Tobey Maguire und Andrew Garfield durch New York und „Doctor Strange 2“ trägt nicht umsonst den offiziellen Titel „Doctor Strange In The Multiverse Of Madness“.

    Inhaltlich vorbereitet wird dieser Film in der tollen Disney+-Serie „WandaVision“, die in ihrer neuesten Folge mit einem „X-Men“-Crossover überraschte.

    ›› "WandaVision" & mehr auf Disney+ *

    Willkommen im MCU, Quicksilver

    Die „X-Men“-Kinofilme entstanden unter dem Dach des ehemaligen Studios Fox und damit außerhalb der Zuständigkeit von Kevin Feige, der die Filme und Serien des Marvel Cinematic Universe verantwortet. Inhaltlich sind die „X-Men“-Filme nicht mit den Filmen rund um die Avengers verbunden – und trotzdem steht am Ende der neuen Folge „WandaVision“ plötzlich Evan Peters als blitzschneller, grauhaariger Mutant Quicksilver vor Wandas Tür.

    Der Business-Aspekt dieser Riesen-Überraschung – Disney musste erst mal den Konkurrenten Fox kaufen – ist dabei deutlich komplexer, als die inhaltliche Begründung ausfallen dürfte: Womöglich ist Quicksilver nur eine Geistesgeburt der mächtigen Wanda, die in der Serie ja eine ganze Kleinstadt unter Gedankenkontrolle hält.

    Egal, früher oder später wird es jedenfalls garantiert dazu kommen, dass Figuren zwischen den Realitäten wechseln, was dann mit Magie erklärt wird oder der Kraft eines Infinity-Steins oder irgendeiner alten Erfindung, die dem gelangweilten Tony Stark auf dem Klo eingefallen ist, wumpe.

    Das Multiverse: Alles kann, nichts muss?

    Entscheidend ist: Erzählerisch sind nun keine Grenzen mehr gesetzt, wenn es um Crossover unterschiedlicher Helden und Heldinnen geht. Die alten Marvel-Reihen um die X-Men und die Spider-Men werden Teil des Marvel Cinematic Universe, ohne dass das anfangs der Plan war.

    Das ist schon ein bisschen lustig: Da haben sich Kevin Feige und sein Team jahrelang die Köpfe zerbrochen, wie sie ihre Marvel-Filme um Iron Man, Captain America & Co. miteinander verbinden – ein komplexes Unterfangen, an dem Konkurrent Warner/DC gescheitert ist – und plötzlich gehen die Crossover viel leichter. It’s magic!

    Doch zum Glück wird Kevin Feige wissen, dass die Crossover für sich genommen keinen großen Wert haben, abseits des schnell verpuffenden Überraschungseffektes.

    Natürlich ist es ein Riesending für Fans, wenn plötzlich der beliebteste X-Man nach Wolverine vor der Tür zweier MCU-Figuren steht und passenderweise geschieht das auch noch in einer Sitcom-Szene, sind Sitcoms doch für umjubelte Cameo-Auftritte bekannt (wie oft standen bei „Friends“ und Co. Stars einfach vor der Tür). Aber entscheidend ist nach wie vor, welche Geschichten sich aus den Treffen ergeben.

    Das erste große Kino-Treffen der Marvel-Helden (und der einen Heldin) in „The Avengers“ war ja gerade deswegen so großartig, weil hier Welten kollidierten: Ein disparater Haufen großer Egos musste sich zusammenraufen. Das war der Kern dieser Geschichte, den Regisseur und Autor Joss Whedon mit wunderbaren Frotzleien zwischen den Figuren würzte – und der lustige Fan-Service (was passiert eigentlich, wenn Thors Hammer auf Caps Schild trifft?) war nur Teil der Garnitur.

    Es geht um die Geschichte, so simpel ist das

    Das Konzept des Marvel Cinematic Universe ging auf, weil die Treffen der Figuren keine Gimmicks waren, sondern elementarer Bestandteil der Geschichte – die schließlich zu einer Konfrontation in „Civil War“ führten, bei der man als Zuschauer*in nicht wusste, wem man eigentlich die Daumen drücken soll, so nachvollziehbar waren die gegensätzlichen Motivationen für den Bruch.

    Kevin Feige hat angedeutet, dass es ihm auch künftig zuallererst um die Geschichten selbst geht. Von yahoo wurde er gefragt, ob sich Fans auf ein Crossover zwischen Marvel und „Star Wars“ freuen dürfen. Das ist eine ziemlich naheliegende Frage, schließlich werden beide Marken von Disney kontrolliert – und wenn Helden wie Quicksilver und die alten Spider-Men zwischen den Realitäten wechseln dürfen, warum dann nicht auch irgendwann Luke Skywalker bei Doctor Strange anklopfen lassen?

    „Wenn man mich vor 20 Jahren gefragt hätte, ob irgendetwas davon, was derzeit passiert, im Bereich des Möglichen liegt, hätte ich gesagt: ‚Glaube ich nicht.‘ Aber was ein ‚Star Wars‘-Crossover angeht: Das glaube ich wirklich nicht. Ich sehe keinen Grund dafür.“

    Wir sprechen uns in 20 Jahren wieder. Hoffen wir, dass Feige bis dahin standhaft geblieben ist...

    Webedia / Sebastian Gerdshikow

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