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    "Mortal Kombat": Wir sprechen mit Lewis Tan über eine der besten Prügelszenen seit Jahren
    Von Björn Becher — 12.05.2021 um 14:30

    Lewis Tan spielt in „Mortal Kombat“ die neue Figur Cole – und wird mit einer unglaublich intensiven Prügelszene eingeführt, die nicht uns, sondern auch seinen Co-Star Mehcad Brooks umgehauen hat, wie beide uns im Interview verraten haben...

    Warner Bros.

    Endlich ist von Fans sehnlichst erwartete „Mortal Kombat“-Verfilmung da. Und sie bringt genau jene brutalen Kämpfe, die eine Umsetzung des für seine extreme Gewalt nicht nur bekannten, sondern auch berüchtigten Videospiels braucht.

    Doch eine kleinere Actionszene geht dabei fast ein wenig unter. Im Mittelpunkt von „Mortal Kombat“ steht der abgehalfterte MMA-Kämpfer Cole (Lewis Tan). Bei seinem ersten Auftritt kassiert er mächtig Prügel in einem Mixed-Martial-Arts-Käfig-Kampf. Die Szene ist vergleichsweise kurz – aber unglaublich intensiv.

    Für den Autor dieser Zeilen gehört sie sogar zu einer der intensivsten und dadurch besten reinen Prügelszenen der vergangenen Jahre. Beim Gespräch mit Lewis Tan sowie seinem „Mortal Kombat“-Co-Star Mehcad Brooks (spielt Jax Briggs) mussten wir daher unbedingt über diesen Moment reden.

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    Doch wir sprechen nicht nur über einen Kampf, in dem echtes Blut floss, sondern auch ganz allgemein über das moderne Hollywood-Action-Kino und was „Mortal Kombat“ davon unterscheidet.

    Ein echter Kampf zum Einstieg

    FILMSTARTS: Wir müssen zu Anfang gleich über eure erste Szene im Film sprechen. Der Käfig-Fight von dir, Lewis, ist zwar kurz und geht bestimmt bei vielen angesichts der vermeintlich spektakulären anderen Kämpfe unter, aber ich fand sie unglaublich intensiv und gut. Wie habt ihr diese Szene so ausgesprochen körperlich gestaltet, wie man es im modernen Hollywood-Action-Kino eigentlich nicht sieht?

    Lewis Tan: Das war wirklich die allererste Szene, die ich überhaupt für den ganzen Film gedreht habe. Und der Typ, gegen den ich kämpfe, heißt Ian Streetz. Er ist ein echter Bare-Knuckle-Boxer, MMA-Kämpfer und macht Lethwei [einen Kampfsport aus Myanmar]. Das ist wirklich der härteste Boxsport. Dort sind Kopfstöße erlaubt und es gibt keine Aufgabe. Es wird bis zum Knockout gekämpft.

    Ian ist ein wirklich unglaublicher Kämpfer und wir haben gemeinsam versucht, einen echten MMA-Kampf zu zeigen. Und einen solchen kannst du nicht faken. Du kannst keine Choreographie entwerfen, mit der Schläge nur angedeutet werden, du kannst nur einen Ablauf planen, mit dem Verletzungen weniger wahrscheinlich sind.

    Aber am Ende musst du dich hier wirklich prügeln. Und wir tragen auch keine schützenden Kostüme, sondern wirklich nur unsere Unterwäsche und so haben wir richtig gekämpft. Wir haben uns geschlagen, wir haben uns getreten. Das war ein echter und ernster Kampf.

    Von den Wunden, dem Blut, das du im Film siehst, ist manches Fake, aber bei diesem Kampf vieles auch echt. Wir haben's uns wirklich gegeben, ich konnte am nächsten Tag nicht mal richtig laufen und dachte nur: „Mist! Wir fangen gerade erst an. Wo bin ich da reingeraten?“ Doch diesen Einsatz siehst du im Film und deswegen findest du die Szene so intensiv.

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    Beim Kampf zwischen Lewis Tan und Ian Streetz ging es richtig zur Sache.

    FILMSTARTS: „Wo bin ich da reingeraten?“ ist vielleicht auch dir durch den Kopf gegangen, Mehcad, als du als Zuschauer dieser Szene gesehen hast.

    Mehcad Brooks: Oh ja. Es war auch mein allererster Tag am Set und ich erinnere mich noch genau. Ich stehe da und schaue mir an, wie sich Lewis und Ian prügeln und ich denke die ganze Zeit nur: Was machen die da? Wir haben keinen Film, wenn sich Lewis da jetzt verletzt. Wir können gleich wieder einpacken.

    Ich muss dir sagen: Ich mache das nun schon sehr lange, aber ich habe nie jemanden in meiner ganzen Karriere gesehen, der so viele Stunts selbst macht wie Lewis Tan und dabei so viel reinsteckt.

    Gleich 4 (!) Fortsetzungen zu "Mortal Kombat": Darsteller verraten Sequel-Pläne

    An dieser Stelle müssen wir kurz unsere Wiedergabe des Interviews unterbrechen und über Lewis Tan sprechen:

    Erst in den vergangenen Jahren mit Auftritten in „Deadpool 2“ und der Netflix-Serie „Wu Assassins“ bekannt geworden, ist er mitten im Actionfilmgeschäft aufgewachsen. Der Vater des 1987 in Manchester geborenen Lewis ist Philip Tan, einer der legendären Stuntmen in Hollywood.

    Nach Karriere als Turner und Martial-Arts-Kämpfer kam Tan Senior 1980 ins Filmgeschäft, beeindruckte schnell Regisseure wie Steven Spielberg („Indiana Jones“) oder Tim Burton („Batman“) mit seinen Ideen. Sie ließen ihn Stunts entwerfen und durchführen. In vielen Filmen ist er auch selbst zu sehen, als irgendein Handlanger, der verprügelt wird oder in die Tiefe stürzt. Zu großen Rollen vor der Kamera reicht es aber nicht.

    Lewis Tan ist so an Filmsets aufgewachsen, verbrachte einen Großteil seiner Kindheit dort, hat seinem Vater zugeschaut und trat als Stuntman in Reihen wie „Pirates Of The Caribbean“ oder „Fast And Furious“ zuerst in dessen Fußstapfen. Doch er drängte in größere Rollen vor die Kamera … und bekommt sie nun. Doch warum macht Hollywood das nicht öfter?

    Gegen Hollywoods Ansatz: Action ohne Doubles

    FILMSTARTS: Lewis, du hast dich entschlossen, den Schritt vom Stunt-Double zum Actionstar zu machen und hast dazu auch mit „Mortal Kombat“ die Chance bekommen. Und deine lebenslange Erfahrung sieht man. Dass Stuntmen eine solche Chance bekommen, gibt es sonst fast nur in kleineren Film, wo wirkliche Action-Könner mittlerweile öfter als in Großproduktionen ran gelassen werden. In Hollywood setzt man dagegen lieber auf Stunt-Doubles. Warum ist die Filmindustrie da deiner Meinung nach so wenig mutig?

    Lewis Tan: Es ist einfach schwierig und vor allem zeitaufwendig, ein Action-Star zu werden, deswegen nimmt man das bekannte Gesicht und arbeit viel mit Stunt-Doubles in Hollywood.

    Schau dir Keanu Reeves an. Er hat Jahre für „John Wick“ trainiert. Er trainiert schon seit „Matrix“ durchgehend. Das ist harte Arbeit. Und viele andere Stars wollen diese Zeit gar nicht aufwenden, aber sollen trotzdem die Hauptrolle spielen. Da ist es einfacher, ein Stunt-Double ranzulassen.

    Und das ist auch nix gegen diese Filme. Die sind deswegen nicht immer schlechter. Ich liebe einige dieser Filme, doch ich habe einen anderen Ansatz:

    Ich will den ganzen Tanz zeigen und ich glaube, du kannst eine eigene Geschichte allein dadurch erzählen, dass du die komplette Action zeigst, nicht schneiden musst, um ein Stunt-Double zu kaschieren. Und bei diesem Projekt war ich damit nicht allein. Viele der Schauspieler*innen waren wirklich bereit, so viel wie möglich selbst zu machen und das war wunderschön.

    Denn ich habe in meinen vielen Jahren am Filmset auch schon erlebt, dass die Stars so schnell wie möglich wieder in ihren Trailer wollen, dort 'ne Latte trinken und das Double macht die Arbeit. Aber an diesem Set war das nie so. Jeder sagte von Anfang an: Ich will alles machen, was ich machen kann. Und es war einfach großartig mit solchen Leuten zu arbeiten.

    Warner Bros.
    Mehcad Brooks war beeindruckt von Lewis Tan, beeindruckt aber auch selbst...

    FILMSTARTS: Warum wolltest du auch alles machen, Mehcad? Warum hast du dir diese imposanten Muskeln draufgeschafft und bist nicht in den Trailer, um deine Latte zu trinken und das Double arbeiten zu lassen?

    Mehcad Brooks: He, Mann. Ich liebe es, Actionfilme zu schauen, ich liebe einfach Action. Und wenn ich die Chance habe, so einen Actionfilm zu machen, dann will ich doch auch die Action selbst erleben. Ich bin Schauspieler und als solcher spiele ich ja nicht nur in den dramatischen Szenen, sondern auch in den Kampfszenen. Und wenn ich die weglasse, dann fehlt ja ein Teil von mir in dem Film.

    Du verpasst einen Teil deines eigenen Films, wenn du nicht so viele Kampfszenen wie möglich selbst machst. Und ich glaube, dass das heute auch mehr und mehr Leuten im Publikum auffällt. Denn es gibt einfach so kleine Details in deiner Körperbewegung und der Attitüde deiner Figur, die du bewusst und auch unbewusst einstreust, die bei einem Stunt-Double vielleicht fehlen.

    Und hier war das noch wichtiger, weil wir diese Figuren einführen, in dieser Welt etablieren. Und da sollten sie auch klar den Stempel jedes Schauspielers und jeder Schauspielerin tragen.

    Lewis Tan: Und lass mich dazu unbedingt noch anmerken: Stell dir vor, wir hätten ausgerechnet das verbockt? Bei diesem Film?

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Mortal Kombat"

    FILMSTARTS: Dass die Action gut wird, war natürlich nicht nur euer Job. Ihr hattet angeführt von Chan Griffin ein starkes Team für die Choreographien. Wie viel konntet ihr euch da einbringen, wie viel war schon vorgegeben?

    Mehcad Brooks: Wir hatten ein wirklich unglaubliches Team und sie waren sehr offen für unsere Vorschläge. Das war ein gutes Geben und Nehmen. Sie wissen zum Beispiel natürlich viel besser als ich, wie man kämpft, aber ich bin ein riesiger Fan von „Mortal Kombat“ und es gab einzelne Dinge der Bewegungen von Jax, die ich übernehmen wollte, die nicht in den geplanten Kämpfen war. Und das hat alles exzellent zusammengefunden.

    Lewis Tan: Absolut, wir konnten für unsere eigenen Figuren immer wieder Ideen einbringen. Doch du musst wissen: Wir haben hier mit extrem talentierten Menschen gearbeitet. Chan Griffin und Anthony Rinna sind nicht nur unglaublich talentierte Stunt- und Kampfchoreografen, sondern die sind das nächste Level im Hollywood-Kino. Da willst du gar nicht zu viel ändern, denn die haben sich die Gedanken gemacht und haben Nahkampf-Szenen gestaltet, die es so vorher noch nicht gab.

    Kommt "Mortal Kombat 2"? Eine wichtige Botschaft als Antwort!

    FILMSTARTS: Zum Abschluss muss ich natürlich fragen. Wie steht es um „Mortal Kombat 2“?

    Mehcad Brooks: Natürlich wollen wir als Schauspieler am liebsten nicht nur „Mortal Kombat 2“, sondern auch „Mortal Kombat 3“ und „Mortal Kombat 4“ machen. Das ist doch klar. Aber ich gehe mal einen Schritt zurück und nehme die Perspektive eines Fans ein, der ich ja auch bin. Und da muss ich sagen:

    Ich liebe den Film und ich will mehr davon sehen. Es ist ein unglaublich reichhaltiges Universum und es gibt so viele Figuren aus allen Ecken der Welt, die wir zeigen können.

    Und das ist ja auch eine wichtige Sache: Wir normalisieren mit dem Film die Diversität von Held*innen in einer Zeit, in der Schwarze Leben definitiv zählen (sein Original: „when black lives definitely matter“). Und dazu gibt es offenbar auch Menschen da draußen, denen man erklären muss, dass sie aufhören sollen, asiatisch gelesene Menschen zu hassen. Ich wusste nicht einmal, dass das gesagt werden muss. Wir erscheinen zufällig in einer Zeit, die passt, und es fühlt sich an, als müsste diese Normalisierung öfter passieren. Und ich hoffe, wir können weiter ein großer Teil davon sein.

    „Mortal Kombat“ ist ab dem 13. Mai 2021 in Deutschland erhältlich. Beim VoD-Anbieter eures Vertrauens könnt ihr den Film kaufen und anschließend so oft ihr wollt streamen. Auf DVD und Blu-ray erscheint „Mortal Kombat“ dann am 22. Juli 2021 und kann bereits in diversen Editionen, auch in 4K, vorbestellt werden.

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    In den nächsten Tagen erscheinen auf FILMSTARTS.de noch zahlreiche weitere Artikel zu „Mortal Kombat“, da wir unter anderem auch mit Sub-Zero-Darsteller Joe Taslim, dem deutschen „Mortal Kombat“-Star und Jackie-Chan-Schüler Max Huang und Regisseur Simon McQuoid über die Videospielverfilmung geredet haben.

    Diese ist zudem auch Thema in der neuesten Ausgabe unseres Podcasts Leinwandliebe, die am 13. Mai 2021 erscheint. Leinwandliebe findet ihr überall dort, wo es Podcasts gibt – von Spotify über Apple Podcasts bis hin zu Deezer und vielen weiteren Apps (z.B. Audio Now).

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