Nach fast sieben Jahren Pause ist „Star Wars endlich auf die Kinoleinwand zurückgekehrt. Während ursprünglich eine vierte Staffel der Disney+-Serie „The Mandalorian“ geplant war, gab man nach dem Hollywood-Streik letztlich einem eigenständigen, zweistündigen Leinwand-Abenteuer des Titelhelden und seines Schützlings Grogu den Vorzug. Inszeniert wurde „The Mandalorian And Grogu“ von Serien-Schöpfer und „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau.
Und dem ist mit dem Film einer echter Casting-Coup gelungen: Regie-Legende Martin Scorsese ist mit an Bord. Im großen FILMSTARTS-Interview verrät Favreau, wie es dazu gekommen ist, spricht daneben aber auch über die vielfältige Effektarbeit, die Rückkehr von Jabbas Sohn Rotta, George Lucas‘ eiserne Jedi-Ausbildungs-Regeln und erklärt, warum echtes „Star Wars“ komplett ohne ironisches Augenzwinkern auskommen muss.
Kinofilm statt "The Mandalorian" Staffel 4
FILMSTARTS: Wie und wann entstand die Idee, dass „The Mandalorian“ den Sprung auf die große Leinwand schafft und sogar das große Comeback für „Star Wars“ im Kino wird?
Jon Favreau: Ich wusste es ehrlich gesagt zuerst gar nicht. Ich dachte, wir machen ganz normal mit Staffel 4 weiter – die hatte ich sogar schon geschrieben. Dann kam der Streik und die Arbeit wurde komplett eingestellt. Als wir aus dem Streik kamen, trat das Studio an mich heran und fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Film zu machen. Zuerst dachte ich mir: „Oh, das ist doch im Grunde genau wie eine weitere Staffel.“
Bevor ich zugesagt habe, habe ich mir die Drehbücher noch einmal genau angesehen und gemerkt: Das kann so nicht funktionieren. Eine Serie setzt voraus, dass man bis zu diesem Zeitpunkt jede Folge gesehen hat, und man hat acht Episoden Zeit, um eine Geschichte zu erzählen. Ein Film hat einen völlig anderen Rhythmus. Ein „Star Wars“-Film ist etwas ganz Besonderes. Er muss ein bestimmtes Gefühl in einem auslösen. Ich möchte natürlich, dass die Fans ihn lieben, aber er soll auch ein guter Einstieg für Leute sein, die „Star Wars“ vielleicht noch gar nicht kennen – immerhin liegt der letzte Kinofilm schon sieben Jahre zurück.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Ich habe also die gesamte Geschichte umstrukturiert, mich intensiv mit [Co-Autor und Lucasfilm-Chef] Dave Filoni ausgetauscht, Artworks anfertigen lassen und schließlich den ganzen Film gepitcht. Mir war wichtig, dass das Studio absolut hinter meiner Vision steht. Ich wollte nicht einfach zusagen, hineinspringen und am Ende ein Projekt haben, bei dem jeder plötzlich eine andere Idee einbringt. Das habe ich damals aus meinem Film „Kiss The Cook“ gelernt: Man muss sicherstellen – selbst bei einer riesigen Produktion –, dass das Budget und die kreative Ausrichtung von allen von vornherein abgesegnet sind. Keine Tricks, sondern klare Parameter, damit ich beim Drehen die volle kreative Freiheit habe. Ich hasse böse Überraschungen. Als wir schließlich die gesamten Artworks an den Wänden hatten und ich alle Beteiligten durch die Story geführt hatte, waren alle an Bord.
Aber es musste eine neue Geschichte sein, ein neues Abenteuer, das in zwei Stunden in sich abgeschlossen ist. Es musste die Leinwand ausfüllen und durfte sich nicht wie eine weitere TV-Episode anfühlen. Der Film musste das breitere Bildformat und das epische Tempo nutzen, das man von einem echten Kinofilm erwartet.
FILMSTARTS: Der Film spricht auf jeden Fall Fans der Serie an, fühlt sich aber gleichzeitig wie ein eigenständiges „Star Wars“-Kinoerlebnis an.
Jon Favreau: Glaubst du denn, dass man auch jemanden ins Kino mitbringen kann, der noch nie etwas von „Star Wars“ gehört hat?
FILMSTARTS: Ich denke schon, auch wenn man natürlich noch mehr Spaß hat, wenn man die Figuren kennt.
Jon Favreau: Das Schöne ist ja, dass inzwischen wirklich jeder „Baby Yoda“ kennt. Und beim Mandalorianer weiß auch jeder sofort: Das ist dieser zähe Krieger, und die beiden sind ein Team. Dieses Erzählmuster zieht einfach immer. Ob nun „Léon - Der Profi“, „Logan“ oder „A Knight Of The Seven Kingdoms“ – sogar bei „Paper Moon“ funktioniert das. Diese Dynamik hat einfach etwas extrem Cooles, das die Menschen sofort instinktiv verstehen.
FILMSTARTS: Zwischen den beiden Hauptfiguren gibt es mittlerweile auch eine ganz neue Dynamik. In der Serie ging es ja eher um eine Art Adoptionsgeschichte – jetzt wirken sie fast wie Gleichberechtigte.
Jon Favreau: Auf jeden Fall. Wenn das Kind diesen Weg weitergeht, wird es irgendwann mächtiger sein als die meisten anderen. Er hat mittlerweile echtes Training erhalten, und diese Macht ist erzählerisch absolut gerechtfertigt. Bei so einem Charakter ist das immer ein schmaler Grat: Man muss aufpassen, dass sie nicht komplett overpowered wirken. Sie müssen sich ihre Fähigkeiten verdienen. Besonders im „Star Wars“-Universum.
Wenn man mit George Lucas spricht, ist er in diesem Punkt absolut unnachgiebig. Er vergleicht das immer mit sportlichem Talent: Es ist völlig egal, wie viel Talent du von Natur aus mitbringst – ohne hartes Training wirst du niemals gegen einen Profi-Baseballer aus der Major League antreten können. Es geht um die investierte Zeit. George hat immer gesagt, dass Yoda nicht nur wegen seiner Midi-Chlorianer so mächtig war, sondern weil er schlichtweg so alt ist und jahrhundertelang gelernt und trainiert hat. Dieses Konzept von Training und dem Meistern einer Fähigkeit ist ein essenzieller Bestandteil der klassischen Mythen und ganz besonders von Georges Vision.
FILMSTARTS: Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf, irgendwann das allererste Wort aus Grogus Mund zu hören.
Jon Favreau: (lacht) Irgendjemand hat mal gesagt, er könne es kaum erwarten, sein erstes Wort direkt nach seinem zweiten Wort zu hören.
FILMSTARTS: Wie habt ihr es eigentlich geschafft, Martin Scorsese für dieses Projekt zu gewinnen?
Jon Favreau: Das ist wirklich eine fantastische Geschichte. Wenn man ein neues Projekt startet, schreibt man ja immer eine Wunschliste für die Besetzung. Ganz oben auf meiner Liste für diese spezielle Rolle stand Martin Scorsese. Als ich die Rolle geschrieben habe, hatte ich ihn eigentlich gar nicht im Kopf. Aber beim anschließenden Meeting mit unserer Casting-Direktorin Sarah Finn – mit der ich übrigens schon seit dem ersten „Iron Man“ zusammenarbeite – schlug sie plötzlich Marty vor. Ich meinte nur: „Vergiss es, das macht der niemals.“
Doch [die damalige Lucasfilm-Chefin] Kathleen Kennedy war sofort Feuer und Flamme und sagte: „Weißt du was? Ich rufe Marty einfach an. Aber wir brauchen eine schnelle Antwort, weil wir die Figur passend zu seiner Performance animieren müssen.“ Am nächsten Tag fragte ich sie, ob sie ihn erreicht hat, und sie sagte nur ganz trocken: „Ja, er ist dabei.“ Das war der Wahnsinn.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Er kam also zu uns ins Studio, wir haben seine Zeilen aufgenommen und ihn gefilmt. Am Ende stand die Hälfte seiner Sätze gar nicht im Drehbuch – er hat unglaublich viel improvisiert, was jetzt auch so im Film gelandet ist. Es ist einfach ein riesiger Spaß, ihm zuzusehen. Seine Figur interagiert mit den Tieren, er gestikuliert mit vier Händen gleichzeitig, während sich seine kleinen Füße gegenseitig kratzen. Das gehört mit zu meinen absoluten Lieblingsszenen im ganzen Film. Es war ein absoluter Traum.
FILMSTARTS: Man merkt auch, wie stolz ihr darauf seid, denn sein Name taucht extrem früh im Vorspann auf. Das hat mich sehr gefreut.
Jon Favreau: Absolut! „Star Wars“-Filme hatten traditionell ja noch nie klassische Opening Credits mit Schauspielernamen am Anfang. Wenn dort dann plötzlich der Name Martin Scorsese aufblinkt, sorgt das im Kinosaal erst mal für einen kollektiven „Warte mal... WAS?!“-Moment. Das macht einfach unheimlich Spaß.
FILMSTARTS: Wie viele Grogu-Puppen kamen am Set zum Einsatz? Die wurden doch sicherlich für ganz unterschiedliche Zwecke gebaut.
Jon Favreau: Ja, genau. Wir hatten zum Beispiel eine ganz spezielle Version, die ins Wasser gehen konnte. Grogu im Swimmingpool – das perfekte Merchandise-Produkt für dieses Weihnachten! (lacht) Es war wirklich spektakulär zu sehen, wie die Puppe unter Wasser agiert. Wenn eine Idee cool ist, setzen die Jungs von den Effekten das einfach um. Als wir das durch die Kamera gesehen haben, dachten wir nur: „Mein Gott, warum sind wir da nicht schon früher drauf gekommen?“
Dann hatten wir noch eine Puppe mit voll ferngesteuerten Armen und extrem viel Artikulationsmöglichkeiten im Körper – das war übrigens die Version, die auch bei den Oscars zu sehen war. Dort durften ja aus Platzgründen keine Puppenspieler mit ihren Steuerstäben drumherum stehen. Für die Szenen im Film nutzen wir meistens klassische Stabpuppen. Die Gliedmaßen haben gar nicht so viel eingebaute Mechanik, das wird von den Puppenspielern wie bei den Muppets von Hand gelöst – und darin sind sie einfach meisterhaft. Die Mimik, das Gesicht und der Kopf werden wiederum über drei bis vier separate Fernbedienungen gesteuert: für die Augen, die Ohren, den Mund, das Neigen und Drehen des Kopfes. Das muss alles perfekt zusammenspielen.
Ein moderner Blockbuster mit Stop-Motion
FILMSTARTS: Wenn wir schon bei der Effektarbeit sind: Die riesigen Wächter-Roboter im Palast auf Nal Hutta sahen fantastisch aus. Täuscht der Eindruck, oder wurde da mit echter Stop-Motion-Technik gearbeitet?
Jon Favreau: Nein, das täuscht überhaupt nicht – diese Szenen sind komplett in Stop-Motion entstanden. Ich liebe diesen Look einfach leidenschaftlich. Wir hatten in der Vergangenheit schon mal [Stop-Motion-Legende] Phil Tippett für eine kurze Einstellung hier und ein paar Details da ins Boot geholt. Er hat uns auch bei den Set-Designs für die dritte Staffel von „The Mandalorian“ geholfen, aber aus Zeitgründen konnten wir das nie in größerem Stil umsetzen. Bei „Skeleton Crew“ gab es dann diese eine Szene mit der Mutterkrabbe auf dem Schrottplatz – das war auch Stop-Motion und ein Riesenspaß.
Das Problem bei Stop-Motion ist nur: Es dauert unfassbar lange und man muss sich extrem früh festlegen. Man hat nicht die Flexibilität von digitalen Effekten, wo man später noch schnell etwas ändern kann. Ich habe mich also mit [Animatronic-Experte] John Nolan zusammengesetzt und gesagt: „Komm, wir ziehen das jetzt durch.“ Wir haben die gesamte Sequenz im Storyboard festgehalten, er hat uns seine handgezeichneten Bleistiftskizzen von diesen verrückten Kreaturen präsentiert und wir haben gesagt: „Wir wagen das.“ Der gesamte Prozess hat uns von Anfang bis Ende der Produktion begleitet.
Er hat ein komplettes Miniatur-Set gebaut, das uns später auch als Vorlage für den Bau der realen, großen Sets diente. Es lief genau so ab, wie man es in den alten Making-of-Büchern der originalen Trilogie liest: Es dauert einfach Monate über Monate. Es gab bei den Dreharbeiten auch einen ziemlichen Engpass, weil beide Roboter in derselben Einstellung zu sehen sein mussten. Erst als wir zu den Nahaufnahmen übergingen, konnten wir das Miniatur-Set in zwei Hälften teilen. Ab dem Moment ging es doppelt so schnell voran, weil zwei Teams gleichzeitig animieren konnten. Als ich das Studio besucht habe, habe ich mich wieder wie ein kleines Kind gefühlt. Im Grunde genommen darf ich heute in meinem Job all die Träume ausleben, die ich als Kind hatte.
FILMSTARTS: Das klingt wundervoll.
Jon Favreau: Das ist es auch. Hast du eigentlich schon mal mit Dave Filoni gesprochen?
FILMSTARTS: Bisher leider noch nicht, aber ich hoffe sehr, dass es irgendwann mal dazu kommt.
Jon Favreau: Er tickt da genau wie ich. Wir machen das alles sogar in unserer Freizeit: Wir bauen Modelle und bemalen sie leidenschaftlich. Dieses kleine Hologramm von Baby Rotta, das im Film zu sehen ist, habe ich zum Beispiel selbst mit dem Pinsel bemalt. Das ist das Schöne an unserer Arbeit: Unser Hobby ist gleichzeitig unsere Karriere. Das ist wirklich das Größte, was man sich für sein Leben wünschen kann.
So kam es zum Comeback von Rotta the Hutt
FILMSTARTS: Da du gerade Rotta schon erwähnt hast: Wer hatte eigentlich die Idee, ausgerechnet diesen Charakter aus „Star Wars: The Clone Wars“ zurückzubringen und damit diesen großen Bogen zu Dave Filonis Pilotfilm zur Serie zu spannen?
Jon Favreau: Komischerweise denken alle immer sofort, dass Dave mich dazu gedrängt hat! (lacht) Dabei war es meine Idee. Ich fand die Dynamik einfach extrem spannend. Wie ist es wohl, als Jabbas Sohn aufzuwachsen? George Lucas hat in seinen Mythen ja immer diese hochkomplexen, fast biblischen Familienkonflikte verankert – man denke nur an Anakin, Luke und Darth Vader. Die Vorstellung, dass Rotta inzwischen erwachsen ist, sein eigenes Leben führt, ein Champion aus eigenem Recht sein möchte und absolut nicht im Schatten seines tyrannischen Vaters stehen will, fand ich erzählerisch unheimlich reizvoll.
Als wir dann Jeremy Allen White für die Rolle gewinnen konnten, hat die Figur noch einmal eine ganz neue Tiefe bekommen, an die wir anfangs gar nicht gedacht hatten. Er bringt eine unglaubliche Menschlichkeit in die Rolle. Genau dieses emotionale, menschliche Fundament braucht man für diese fantastischen Geschichten. Das war schon das Geheimnis des Original-Casts in meiner Kindheit. Gott segne Mark Hamill – er hat Luke Skywalker von der ersten bis zur letzten Sekunde absolut ernst und aufrichtig gespielt, ohne jemals ironisch in die Kamera zu blinzeln. Und genau deshalb habe ich ihm als Kind diese Welt zu 100 Prozent abgekauft.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Ich liebe natürlich auch die coolen Sprüche von Han Solo und Prinzessin Leia, aber die beiden durften im Film eben die Witze reißen. Figuren wie Luke, C-3PO oder Darth Vader mussten die Welt todernst nehmen. Da gab es keinerlei Meta-Ironie. Und genau diese Ästhetik, die George damals etabliert hat, müssen wir für unsere Generation beibehalten: Besetze großartige Schauspieler und lass sie die Welt real spielen. Es ist kein echtes „Star Wars“, wenn die Figuren ihre eigene Welt im Film ironisch kommentieren. Wenn Han Solo mit Greedo spricht, dann verhält er sich so, als würde er einem klassischen Charakterdarsteller in einem Western gegenüberstehen. Das macht die Welt glaubwürdig.
„The Mandalorian And Grogu“ läuft seit dem 20. Mai 2026 in den deutschen Kinos. Und falls ihr wissen wollt, was die im Interview angesprochenen Opening Credits erst recht besonders macht, lest am besten noch folgenden Artikel:
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