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    Netflix' "Fear Street: 1994" ist ein Geschenk für Horror-Fans – und besser als jede Stephen-King-Adaption der letzten Jahre
    Von Pascal Reis — 05.07.2021 um 13:30

    Mit „Fear Street - Teil 1: 1994“ bereitet Netflix vor allem Horrorfilmfans eine Freude. Wenn es nach FILMSTARTS-Redakteur Pascal Reis geht, ist der erste Teil der Grusel-Trilogie sogar besser als jede Stephen-King-Verfilmung der vergangenen Jahre.

    Netflix

    +++ Meinung +++

    Mit seinen Jugendbuchreihen „Gänsehaut“ und „Fear Street“ konnte der US-amerikanische Schriftsteller R.L. Stine zu einem der erfolgreichsten Autoren aller Zeiten aufsteigen. Es erklärt sich also von selbst, dass Netflix sich mit dem Rechteerwerb der „Fear Street“-Serie einen richtig dicken Fisch an Land gezogen hat.

    Das Schöne daran ist nun, dass Netflix nicht nur mit einem weiteren großen Namen aufwarten kann. „Fear Street – Teil 1: 1994“, der Auftakt einer dreiteiligen Reihe, die nun im wöchentlichen Turnus erweitert wird, zeigt dabei vor allem auf, dass die Qualitäten des Streamingdienstes eben auch in der künstlerischen Freiheit liegen, die klassischen Kinoproduktionen oftmals verloren gehen.

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    Darum geht es in "Fear Street – Teil 1: 1994"

    Die Kleinstadt Shadyside in Ohio wird im Jahre 1994 von gleichermaßen grausamen wie tragischen Ereignissen heimgesucht. Eine unheimliche Mordserie versetzt die Bewohner in Aufruhr, was eine Gruppe von Jugendlichen dazu animiert, Nachforschungen auf eigene Faust anzustellen. Wie sich nach und nach herausstellt, reichen die schrecklichen Vorkommnisse viele Generationen in die Vergangenheit zurück...

    Bereits die Eröffnung von „Fear Street – Teil 1: 1994“ zeigt sehr deutlich auf, dass Regisseurin Leigh Janiak und ihr Co-Drehbuchautor Phil Graziadei echte Genre-Liebhaber sind. Der erste Angriff eines ganz in Schwarz gehüllten Killers mit weißer Maske erinnert nämlich nicht nur zufällig an Wes Cravens Meta-Meisterwerk „Scream“. „Fear Street – Teil 1: 1994“ zitiert hier sogar sehr konsequent den ikonischen Tod von Casey Becker (Drew Barrymore).

    Dabei ist auch schnell klar, dass man in Sachen Gewalt und Blutvergießen keine Kompromisse eingehen wird. „Fear Street – Teil 1: 1994“ wurde von Netflix selbst sogar mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren eingestuft – und das vollkommen zu Recht. Im weiteren Verlauf der Handlung nämlich nimmt das Gemetzel immer drastischere Formen an, bis schließlich auch Köpfe zermantscht werden!

    In "Fear Street" verschmilzt das Zwischenmenschliche mit dem Schaurigen

    Es ist aber nicht die Brutalität, die „Fear Street – Teil 1: 1994“ auszeichnet, auch wenn Leigh Janiak hier durchaus ihre Affinität zum Horrorkino der etwas härteren Gangart veranschaulicht. Stattdessen gelingt den Macher*innen mit dem Film etwas, von dem Stephen-King-Verfilmungen der vergangenen Jahre nur träumen können (selbst solche gefeierten wie die „ES“-Neuauflage): Das Zwischenmenschliche verschmilzt organisch mit dem Unheimlichen.

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    Im Falle von „ES“ und „ES Kapitel 2“ konnte man wunderbar beobachten, dass Regisseur Andy Muschietti zwar ein ausgesprochen feinfühliges Gespür für die Gruppendynamik des Loser Clubs hatte, in Sachen Horror aber etwas zu penetrant auf das Schachtelteufel-Prinzip gesetzt hat: Aus irgendeiner dunklen Ecke durfte Pennywise unter lautem Getöse immer wieder absehbar hervorspringen. Das hatte wenig mit der Ursprungsvision von Stephen King zu tun.

    Mythologie des Horrors

    „Fear Street – Teil 1: 1994“ hingegen gelingt es, sich Zeit für seine sehr gut besetzten Hauptfiguren zu nehmen, die in gewisser Weise auch eine Art Loser Club darstellen, verliert dabei aber nicht den Horror aus den Augen beziehungsweise greift auf keine so drögen Jump Scares zurück. Leigh Janiak legt großen Wert darauf, den Schrecken durch mythologische Unterströmungen lebendig zu erhalten – und da sind wir wieder beim Geist von Stephen King.

    Die Angst und das Grauen, die die Stadt eingeholt haben, stehen nicht nur für sich, sondern verweisen viele Jahrhunderte in die Vergangenheit zurück – und schweben damit über den Dingen, weil sie sich auf einer höheren Ebene entfalten. Das an dieser Stelle weiter auszuführen, würde wohl zu sehr in Spoiler-Gefilde vordringen. Fest steht allerdings, dass „Fear Street – Teil 1: 1994“ den Kleinstadt-Horror wieder vielfältig gemacht hat.

    Für die Nostalgikerinnen und Nostalgiker im Publikum gibt es dann obendrein auch noch viel zu entdecken. Angesiedelt in der Mitte der 1990er Jahre hat sich der „Fear Street“-Auftakt natürlich nicht nur am modischen Portfolio des Jahrzehnts orientiert. Auch durch den Soundtrack werden wohlige Erinnerungen an jene Ära geweckt: Ob Radiohead, Nine Inch Nails, Cypress Hill, Snoop Dogg, The Prodigy oder Pixies – alles ist vertreten.

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    Bleibt also nur zu hoffen, dass Horror und Figurenzeichnung in den Fortsetzungen ähnlich gut Hand in Hand gehen. Am 9. Juli geht es mit „Fear Street – Teil 2: 1978“ weiter, der uns geradewegs in das Ferienlager Camp Nightwing entführt. „Freitag, der 13.“-Fans werden hier wohl definitiv auf ihre Kosten kommen. Am 16. Juli folgt dann der Abschluss mit „Fear Street – Teil 3: 1666“, in dem der Ursprung des Horrors von Shadyside endgültig aufgeklärt wird.

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