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    Die neue MCU-Serie nach "Loki": Lohnt sich "What If" auf Disney+?
    10.08.2021 um 15:00
    Björn Becher
    Björn Becher
    -Mitglied der Chefredaktion
    Björn Becher liebt es nicht nur, sich neue Theorien zum MCU zu überlegen, sondern ist auch für das berühmteste Kevin-Feige-Meme verantwortlich.

    Gerade hat „Loki“ endlich die Tür zum Multiversum geöffnet, da schreiten wir mit der nächsten MCU-Serie schon voll durch. Wir haben die ersten drei Episoden der Animationsserie „What If...?“ gesehen und verraten euch, ob sie sich lohnt.

    Walt Disney

    +++ Meinung +++

    Am 11. August 2021 geht es auf Disney+ los: Mit „What If...?“ startet die erste Marvel-Animationsserie, die fest zum MCU gehört. Sie gibt uns den ersten Vorgeschmack auf die neue Welt nach „Loki“, auf das Multiversum, welches wir in „Doctor Strange In The Multiverse Of Madness“ und wahrscheinlich auch „Spider-Man 3: No Way Home“ weiter erkunden.

    Geleitet werden wir durch diese neue Welt von dem Watcher Uatu (Stimme im Original: Jeffrey Wright), einem mystischen Wesen, das alles sieht, was im Multiversum passiert, aber nicht eingreift, sondern nur beobachtet – und uns vor allem erzählt, was in anderen Welten so vor sich geht.

    » "What If...?" bei Disney+*

    Nur eine nette Spielerei?

    Bei der ursprünglichen Ankündigung macht es eher den Eindruck, als würden wir in „What If...?“ hypothetische Spielereien bekommen, nach dem Motto: Was wäre passiert, wenn sich bestimmte Ereignisse im MCU leicht anders zugetragen hätten. Doch das war wohl eine bewusste leichte Irreführung, um das Multiverse-Geheimnis vor „Loki“ noch ein wenig zu wahren.

    Die Geschichten in „What If...?“ sind keine Hypothesen, sondern Ereignisse, die in anderen Winkeln des Multiversums passieren und damit zumindest theoretisch auch Auswirkungen auf nicht-animierte MCU-Filme und -Serien haben könnten. Schließlich werden in Zukunft wohl Brücken zwischen den verschiedenen Welten geschlagen.

    Ob Versionen aus der animierten Welt von „What If...?“ den Sprung in Live-Action-Abenteuer machen, bleibt zwar abzuwarten, es ist aber grundsätzlich denkbar.

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    Die ersten drei, uns vorab zur Verfügung gestellten Folgen unterscheiden sich qualitativ in einigen Punkten sehr deutlich. Vor allem die erste (aber auch noch die zweite) Folge sind dann doch eher (im besten Fall nette) Spielerei, während die dritte dann schon auf mehr hindeutet.

    Wir fangen daher mit ein paar allgemeinen Worten zur Serie an, bevor wir die drei (in den Vorab-Screenern zumindest noch titellosen) Episoden kurz in Einzelkritiken vorstellen. Auch da werden wir nicht detailliert auf den Inhalt eingehen und natürlich auch nicht spoilern. Ein paar grundlegende Infos zur Handlung jeder Folge verraten wir aber schon. Wenn ihr also gar nicht wissen wollt, worum es in den Episoden geht, könnt ihr diesen Teil so einfach weglassen und den Text vorher abbrechen.

    Humor und Action auf kurzer Laufzeit

    In „What If...?“ versucht Marvel das Erfolgsrezept seiner Filme im Wesentlichen auf kurze, rund 30 Minuten lange animierte Kurzgeschichten zu übertragen. Es gibt viel Humor und reichlich Action. Gerade bei letzterer können die Verantwortlichen in diesem Format noch ein wenig wilder werden und Sachen umsetzen, die selbst mit viel CGI mit Live-Action-Cast vielleicht so nicht möglich gewesen wären.

    Während die Action bisweilen sogar überraschend heftig (wenn auch trotzdem völlig – bisweilen unpassend – blutleer) ist, wirkt der Humor teilweise etwas infantil. Das liegt auch daran, dass gefühlt dieselbe Zahl Gags in eine Folgenlänge 30 Minuten gequetscht wurde, die es sonst in einem 2-Stunden-Film gibt.

    Damit wären wir beim vielleicht größten Problem: der Laufzeit. Gerade die erste Episode, die wirklich fast die Story eines Kinofilms erzählt, leidet unter der enormen Verdichtung auf 30 Minuten. Ein erzählerischer Bogen fällt so hinten runter. Es wirkt vielmehr wie das Abarbeiten von Stationen. In der zweiten Folge gibt es dann zwar eine am Ende recht neue und eigene Geschichte, die aber ebenfalls kaum erzählt wird, weil man sich in massig Cameos und Easter-Eggs suhlt.

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    Am besten ist die dritte Folge, wo es wirklich gelingt, in 30 Minuten eine eigene, spannende und wendungsreiche Story zu erzählen. Die Episode ist somit recht stark, wenn auch sicher nicht herausragend. Dafür sind auch unter anderem die Animationen selbst zu zweckmäßig. Es ist immer alles gut erkennbar, es gibt auch einige nette visuelle Ideen, aber es wird schon sehr deutlich, dass der Fokus nicht darauf lag, etwa jenseits der Action mit den Möglichkeiten des Mediums zu spielen.

    Unsere Empfehlung daher: Wenn ihr Marvel und das MCU mögt, bleibt auf jeden Fall bis zur dritten Episode dran, bevor ihr entscheidet, dass es nichts für euch ist (oder schaut zumindest in diese noch mal rein).

    Wir haben „What If...?“ in der englischen Originalfassung geschaut. Größtenteils spricht die Stammbesetzung ihrer Rollen wieder. Für einige Parts wurden aber neue Sprecher*innen rangeholt, die aber immer sehr nah am Original sind.

    Und nun - wie angekündigt - noch die Einzelkritiken zu den ersten drei Folgen!

    Folge 1: Peggy Carter bekommt das Super-Serum

    Die Auftaktfolge orientiert sich noch stark an „Captain America: The First Avenger“. Durch einen Zwischenfall beim Super-Soldaten-Experiment wird in letzter Not Peggy Carter (Stimme: Hayley Atwell) und nicht Steve Rogers (Josh Keaton) das Serum verabreicht. Eine Frau als neues Vorbild für alle Soldaten? Das geht nicht! Das Militär will sie daher verstecken, doch weil Red Skull (Ross Marquand) finstere Pläne hegt, zieht sie mit der Unterstützung von Steve und Howard Stark (Dominic Cooper) auf eigene Faust in den Kampf...

    Walt Disney
    Captain Carter ist in Berlin, um die Nazis zu stoppen.

    Die Auftaktepisode kann man am leichtesten als nette Spielerei abtun. Das Gros der Episode besteht aus Variationen bekannter Szenarien, erst nach und nach hebt man sich ein wenig ab. So wird ein Weg gefunden, den hier weiter schmächtigen Steve noch in die Action einzubauen und Red Skulls Plan unterscheidet sich von der Kinoversion. So bekommen Comic-Fans ein paar Dinge zu sehen, die sie sich vielleicht schon länger im MCU wünschen.

    Am stärksten ist hier aber die Action. Wenn Peggy Carter reihenweise Nazis verkloppt, sieht das schon ganz gut aus – ist aber auch zwiespältig. Denn sie „verkloppt“ sie nicht wirklich, sondern tötet sie, was überraschenderweise gerade im Comic-Look sogar eine höhere Intensität hat als das (auch nicht zimperliche) Auftreten der Avengers im Kino. Gleichzeitig verzichtet man aber völlig auf Blut, auch wenn es bei ihren Angriffen eigentlich reichlich spritzen müsste, was einen etwas unrunden Gesamteindruck ergibt.

    Meine Wertung für die 1. Episode: 2,5 von 5 Sternen

    Folge 2: T'Challa ist der neue Star-Lord

    Weil Yondus (Michael Rooker) Schergen den falschen Erdenjungen entführt haben, ist nun zwei Jahrzehnte später T'Challa (Chadwick Boseman) als Star-Lord unterwegs – und ein in der ganzen Galaxis bekannter Robin-Hood-Verschnitt. Er ist ein so sagenhafter Held, dass er sogar Thanos (Josh Brolin) ausreden konnte, das halbe Universum auszulöschen. Doch dann hat seine alte Vertraute Nebula (Karen Gillan) einen Auftrag für ihn: Er soll in die Sammlung des mächtigsten Herrschers des Universums einbrechen, des Collectors (Benicio Del Toro).

    Walt Disney
    Star-Lord ist im ganzen Universum bekannt.

    In der zweiten Folge wird zwar eigentlich eine fast komplett neue Geschichte erzählt, doch fesselnd ist die zu keiner Sekunde. Der durchaus raffinierte Heist mit mehreren Wendungen tritt hinter reihenweise platte Gags und einem in der Fülle anstrengenden Suhlen in Cameos und Easter-Eggs zurück, was teilweise auch noch unpassend selbstreferenziell kommentiert wird – vor allem durch den sich vor Begeisterung nicht einkriegenden Star-Lord-Fanboy Korath (Djimon Hounsou).

    Hier geht es eigentlich nur darum, immer wieder zu sagen: Ist es nicht verrückt, was nun passiert, nur weil sich einst ein kleines Detail anders zugetragen hat? Wer sich da immer wieder dran erfreuen kann, hat vielleicht Spaß, ich fand es unglaublich anstrengend und so blieb als einziges Highlight, den verstorbenen Chadwick Boseman noch einmal in einer Variation seiner legendären Rolle zu hören.

    Meine Wertung für die 2. Episode: 1 von 5 Sternen

    Folge 3: Wer tötet die Avengers?

    Nick Fury (Samuel L. Jackson) will gerade mit Black Widow (Lake Bell) „Iron Man“ Tony Stark (Mick Wingert) endlich von seiner Avengers-Initiative überzeugen, da wird der Milliardär getötet – und Black Widow auch noch für die Mörderin gehalten. Als schnell zwei weitere Morde geschehen, erkennt Fury: Jemand scheint seine Kandidaten für die Avengers auszuschalten. Doch wer? Um das Geheimnis zu lüften, geht er sogar einen Deal mit einem teuflischen Verbündeten ein...

    Walt Disney
    Nick Fury wundert sich: Wer tötet meine Avengers? Hawkeye hat keine Ahnung.

    Diese Folge zeigt, wie man das „What If...?“-Szenario nutzen kann, um ausgehend von einer Variation eine neue Geschichte zu erzählen, die auch eingefleischte MCU-Fans überraschen kann und fesselt. Auch sind die hier eingebauten Cameos nur selten dafür da, zu zeigen, dass es diese oder jene Person eben auch gibt, sondern haben erzählerische Funktion. Sie sorgen so teilweise für Überraschungen, die eben nicht nur einen Gag lang halten.

    Meine Wertung für die 3. Episode: 3.5 von 5 Sternen

    Die Ausstrahlung der Serie „What If...?“ beginnt am 11. August 2021 auf Disney+. Wöchentlich gibt es eine neue Folge. Insgesamt umfasst die erste Staffel neun Episoden.

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