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Bad Teacher
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Bad Teacher
Von Moritz Stock
Jake Kasdan, Sohn von Drehbuchautor Lawrence Kasdan („Jäger des verlorenen Schatzes", „Das Imperium schlägt zurück", „Die Rückkehr der Jedi-Ritter"), hat gar nicht erst versucht, sich mit seinem Vater zu messen. Dafür hätte er schon Popkulturgeschichte verfassen müssen. Nein, im Komödiensektor lebt und arbeitet es sich wesentlich entspannter für den jungen Kasdan, der sich mit kurzweiliger Unterhaltung à la „Nix wie raus aus Orange County" ins Gespräch brachte. „Walk Hard - The Dewey Cox Story" schrieb er unter der Anleitung von Komödienguru Judd Apatow, mit dem er bereits die kurzlebigen Serien „Voll daneben, voll im Leben" und „American Campus – Reif für die Uni" produziert hatte. Kasdans neuem Film „Bad Teacher" ist diese gute Schule leider nicht anzumerken. Ein namhafter Cast und ein R-Rating für derbe Sprache machen noch keine starke Komödie, ungleich wichtiger wären erzählerische Sensibilität und gutes Timing gewesen. „Bad Teacher" ist eine glatte Antithese zur charmanten und pointensicheren Comedy d'Apatow: inspirationsarm, pubertär und nur selten wirklich lustig.

Elizabeth Halsey (Cameron Diaz) ist faul, fies, von allem und jedem genervt, chronisch betrunken und bekifft, kurz: die perfekte Lehrerin. Der Job ist für sie kaum mehr als ein Zeitvertreib auf dem Weg zur Heirat mit ihrem vermögenden Freund – und damit auch der Frührente. Dumm nur, dass der Verlobte bald das Weite sucht und Elizabeth plötzlich ganz allein für sich sorgen muss. Das darf kein Dauerzustand werden, also wird nach neuen Gönnern gefischt. Der junge Vertretungslehrer Scott Delacorte (Justin Timberlake) scheint perfekt geeignet, hat aber längst ein Auge auf die engagierte und perfektionistische Amy (Lucy Punch) geworfen. Mit einer Brustvergrößerung will Elizabeth ihre Konkurrenz ein für allemal ausstechen. Und um an das Budget dafür zu kommen, zieht sie alle Register...

Die Prämisse hinter dem programmatisch betitelten „Bad Teacher" - eine niederträchtige Lehrerin treibt allerhand unanständige Dinge – mag auf dem Papier noch lustig klingen, einen ganzen Film tragen oder gar eine substantielle Handlung ersetzen kann sie nicht. Schon alleine deshalb, weil den Drehbuchautoren Gene Stupnitsky und Lee Eisenberg kaum wirklich fiese Charaktereigenschaften für ihre Protagonistin aufbieten. „Bad Teacher" Elizabeth Halsey säuft, kifft, zeigt Filme im Unterricht und will aus reiner Habgier heiraten. Man will sie trösten, ihr versprechen, dass es auch nach ihrem über Gebühr verlängertem Jugendalter noch ein lebenswertes Leben geben kann. Schnell ist der Punkt erreicht ist, an dem alle Variationen des bösen Lehrerdaseins durchgespielt sind.

Um dennoch auf 90 Minuten zu kommen, wird die Spielzeit mit Standard-Nebenfiguren und arg konstruierten Konflikten gestreckt. Da ist der naive Aushilfslehrer Scott, der tapsige aber liebenswerte Sportlehrer Russell (Jason Segel), die überengagierte und verklemmte Lehrerin Amy und zuletzt der pummlige Sidekick Lynn (Phyllis Smith). Über mehr als zwei Charaktereigenschaften kommt hier niemand hinaus. So wird Anteilnahme zum Glücksspiel. Das wäre noch verschmerzbar, würden dabei mehr bissige Pointen rumkommen. Die pubertären Sex-, Sauf- und Kiff-Gags sind nicht neu, werden aber dennoch hingebungsvoll breitgetreten, als seien die Autoren auf Comedy-Gold gestoßen – eine besonders fremdschamträchtige Trockensexszene zwischen Cameron Diaz und Justin Timberlake etwa zieht sich gefühlt ewig, ohne dass dabei mehr als albernes Gehampel und Gestöhne stattfände.

Immerhin: Den Proll-Entwurf ihrer titelgebenden Figur spielt Cameron Diaz genüsslich aus. An ihre komödiantischen Glanztaten („Verrückt nach Mary", „Being John Malkovich") kann sie damit jedoch nicht anknüpfen, dafür werden ihr von Skript und Regie zu viele Steine in den Weg gelegt. Ihre Kollegen haben es nicht leichter. Justin Timberlake bleibt bis auf eine kleine Gesangsszene, die gewitzt gestaltet ist, blass und Lucy Punch sägt mit ihrem übertriebenen, gestelzten Spiel permanent an den Nerven. Eindruck hinterlässt aber Jason Segel. Der „How I Met Your Mother"-Star ist ein Charmebolzen sondergleichen - nicht umsonst führt er den Cast des nächsten „Muppets"-Leinwandabenteuers an – und sorgt mit seinen authentisch-verpeilten Auftritten für die besten Lacher des Films.

Unterm Strich ist „Bad Teacher" ein Zotenfest ohne integere Story, eine Verschwendung komödiantischen Potentials. Eine Satire über die Missstände im amerikanischen Bildungssystem wird hier von Beginn an nicht auf dem Programm gestanden haben. Stattdessen geht Kasdan auf Nummer sicher und orientiert sich mit zahmen Humor-Allgemeinplätzen am Massengeschmack.
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