Die fantastische Welt von Oz
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Die fantastische Welt von Oz

4,5


Von Andreas Staben

Als Anfang 2010 die Entscheidung fiel, dass es keinen vierten „Spider-Man"-Film von Sam Raimi geben würde und stattdessen ein kompletter Neuanfang ohne ihn gemacht werden soll, folgten allerlei Spekulationen darüber, was der Regisseur als Nächstes in Angriff nehmen könnte. Eine ganze Weile wurde Raimi mit der lange geplanten Verfilmung des Online-Rollenspiels „World of Warcraft" in Verbindung gebracht, doch er entschied sich für „Die fantastische Welt von Oz" und damit für eine nicht minder große Herausforderung, denn das Fantasy-Abenteuer ist ein inoffizielles Prequel zu „Der Zauberer von Oz" von 1939, einem der berühmtesten Filme der Kinogeschichte. Raimi liebt den Musical-Klassiker und die Geschichten von L. Frank Baum, auf denen er basiert, sichtbar, er bleibt ihrem Geist treu und schafft zugleich etwas Eigenständiges und Zeitgemäßes. „Die fantastische Welt von Oz" ist die prächtige Vision einer Märchenwelt in spektakulären 3D-Bildern, aber auch eine liebevoll erzählte Geschichte vom tröstlichen Zauber der Illusionen und von der Magie echter Freundschaft.

Kansas, 1905. Der halbseidene Zauberkünstler Oscar Diggs (James Franco) und sein Assistent Frank (Zach Braff) tingeln mit einem Wanderzirkus durch die Lande und können sich gerade so eben über Wasser halten. Als ein Mädchen im Rollstuhl (Joey King) ihn um den Einsatz magischer Kräfte zu seiner Heilung bittet, muss er passen und sich vor dem aufgebrachten Publikum in Sicherheit bringen. Doch dann wird er mit seinem Heißluftballon von einem Wirbelsturm erfasst und findet sich plötzlich in Oz, dem Reich echter Magie, wieder. Von den Bewohnern wird er für den großen Zauberer gehalten, der ihnen prophezeit wurde und der sie vor den zerstörerischen Machenschaften böser Mächte retten soll. Als er nach der Begegnung mit Theodora (Mila Kunis) und ihrer Schwester Evanora (Rachel Weisz) die Chance auf Gold und Reichtum wittert, beschließt er, die Rolle des Retters weiterzuspielen. Er soll der vermeintlichen bösen Hexe Glinda (Michelle Williams) den Zauberstab entwenden, aber er muss feststellen, dass die Fronten in Oz keineswegs klar sind. Glinda und seine neuen Freunde, der fliegende Affe Finley (Zach Braff) und das Porzellanmädchen (Joey King), öffnen dem Egoisten Oscar schließlich die Augen...

In Amerika kennt jedes Kind die „Oz"-Märchenbücher von L. Frank Baum und Victor Flemings Film mit Judy Garland als Dorothy, mit dem feigen Löwen, dem Zinnmann, der Vogelscheuche und dem Evergreen „Over the Rainbow" ist auf der ganzen Welt bekannt und beliebt. Die genannten Figuren tauchen in Sam Raimis Film nicht auf und auch gesungen wird nicht (bis auf eine kleine Einlage der Munchkins), der Regisseur und seine Drehbuchautoren Mitchell Kapner („Keine halben Sachen") und David Lindsay-Abaire („Die Hüter des Lichts", „Tintenherz") entfernen sich weit genug von der Vorlage, so dass der zunächst geradezu unvermeidliche Vergleich immer mehr in den Hintergrund rückt. Selbst eine so offensichtliche Parallele wie der Beginn des Films in einem Schwarzweiß-Kansas, das von der Farbenpracht von Oz abgelöst wird, entpuppt sich als weitaus mehr als eine bloße Hommage. Wenn Raimi nach 18 Minuten den Wirbelsturm entfacht und vom Normalformat zu Cinemascope, von Mono zu Stereo, vom billigen Zirkustrick zum 3D-Zauber wechselt, dann ist das auch für seine eigene Geschichte eine ganz entscheidende Etappe und ein wahrer Augenöffner für sein Publikum.

Im Mittelpunkt von Raimis Film steht die Vorgeschichte jenes mysteriösen Zauberers von Oz, über die man in Baums 14 Büchern über das zauberhafte Land nichts erfährt. Oscar Diggs ist am Anfang ein windiger Hallodri und Möchtegern-Houdini, ein charmanter, aber egoistischer Gaukler, der schließlich auf eine Reise der Selbsterkenntnis und der moralischen Läuterung geschickt wird. Das ist sozusagen ein Märchengrundstoff und wurde schon oft erzählt. Raimi und sein Hauptdarsteller James Franco („Spring Breakers"), die schon bei der „Spider-Man"-Trilogie zusammengearbeitet haben, setzen entsprechend eher auf märchengemäße Klarheit als auf psychologischen Feinschliff. Franco wirkt wie fast immer etwas entrückt (fast so wie in „Ananas Express", aber nicht so sehr wie als Oscar-Gastgeber), wodurch seinem Egoismus etwas die Schärfe genommen wird. Er ist durchaus ein Sympathieträger, aber auch ein Außenseiter. Die schillernderen Rollen haben im Vergleich die drei Hexen: Michelle Williams („Blue Valentine") ist als Glinda einfach bezaubernd und Rachel Weisz („Die Bourne Verschwörung") als Evanora verführerisch böse, während Mila Kunis („Black Swan") sich als Theodora zunächst mit einem unwahrscheinlichen roten Hut und noch röteren Lippen in die visuell überhöhte Welt von Oz einfügt, bevor sie unter einem fiesen grünen Maskenungetüm begraben wird – von ihrem durchaus seltsamen Verhalten ganz zu schweigen.

In der Welt von Oz sprechen also schon die Kostüme eine deutliche Sprache, der Film ist auch sonst ein Fest für die Sinne. Der Look wurde stark von Produktionsdesigner Robert Stromberg geprägt, der für „Avatar" und „Alice im Wunderland" jeweils einen Oscar erhielt. „Die fantastische Welt von Oz" erinnert teilweise auch an diese beiden Filme mit ihren künstlichen Wasserfällen und Pflanzen, auch die Farbpalette ist nicht allzuweit von Tim Burtons Lewis-Carroll-Fantasie entfernt. Was Raimis Film jedoch von den genannten Werken abhebt, sind die besonders gelungenen Bauten. Zwar wurde auch hier viel mit computergenerierten Elementen und mit Green Screen gearbeitet, aber die Kulissen sind in riesigen Studiohallen zu großen Teilen tatsächlich errichtet worden und das gibt dem Film eine eigene Prägung - der berühmte gelbe Ziegelsteinweg, der Thronsaal mit der ausladenden Treppe und der Porzellanladen sind nur einige dieser fabelhaften Bauten.

Die Kulissen wiederum werden von allerlei kuriosen Wesen bewohnt, die schönsten Neuerfindungen sind der fliegende und sprechende Affe Finley (ein wahrer Freund) sowie das Porzellanmädchen. Diese Figuren sind Meisterleistungen der Animation und die Schauspieler können ihr Mienenspiel voll zur Geltung bringen. Die zerbrechliche Porzellanpuppe wird gar zur emotionalsten Figur im Film, selbst das leise Klirren ihrer Bewegungen hat etwas Anrührendes und als Oscar ihr die abgetrennten Beinchen wieder anklebt, kann er endlich da helfen, wo er es vorher nicht vermochte: Das Mädchen im Rollstuhl zu Beginn wurde nicht zufällig ebenfalls von Joey King („White House Down") gespielt. Im Zauberland ist alles möglich und damit sind wir beim eigentlichen Thema des Films. Wenn Oscar am Ende tatsächlich zu Oz wird, gewinnt er die Schlacht mit den Mitteln des Kinos: Der Bewunderer Edisons lässt sich filmen und das Bild wird in riesiger Größe gleichsam an den Himmel projiziert. Die Illusion ist so wirkungsmächtig, dass die Ungläubigen und Skeptiker bekehrt werden und ihren Widerstand aufgeben. Hier erzählt Sam Raimi ganz deutlich auch von sich selbst und seiner Rolle als Filmemacher, ähnlich wie das Martin Scorsese in „Hugo Cabret" getan hat.

Raimi kommt der magischen Wirkung, die Oz in der Handlung erzielt, mehrmals selbst ganz nahe, vor allem wenn Glinda und Oscar in Seifenblasen durch die Lüfte gleiten (das erinnert ein wenig daran, wie Tobey Maguire erstmals seine Spinnenkräfte ausprobiert) und eben wenn der Gaukler am Ende seine Illusionsmaschine anschmeißt. Sehr schön sind auch die Momente, in denen der Regisseur förmlich selbst von den Möglichkeiten seiner Multimillionenproduktion überwältigt scheint (wenn Schmetterlinge und Vögel durchs Bild flattern, befinden wir uns in einer 3D-Wunderwelt, die wohl am ehesten noch mit „Avatar" vergleichbar wäre). Aber auch der Horrorspezialist Raimi mit der Vorliebe für fiese kleine Schocks und Monsterwesen zeigt sich gelegentlich und er schmuggelt Anleihen an die „Evil Dead"-Trilogie in seinen Film (die bösen Hexen bieten schließlich so etwas wie eine eigene „Armee der Finsternis" auf). Sam Raimis Horrorfilme und Comicverfilmungen waren immer neben anderem auch Märchen, „Die fantastische Welt von Oz" ist dies nun vor allem und es handelt vom Traum des Filmemachens.

Fazit: „Die fantastische Welt von Oz" wird seinem Titel gerecht: Sam Raimis beeindruckendes 3D-Fantasy-Märchen verzaubert mit spektakulären Schauwerten sowie einer ebenso einfachen wie schönen Geschichte.

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  • M H.

    Na, da bin ich mal gespannt...hatte den FIlm bisher nicht so richtig auf dem Schirm bei allen großartigen Zeug, was dieses Jahr kommt...

  • Luphi

    Eine sehr gute Kritik. Eine der besten, die ich seit langem hier gelesen habe.

  • Max H.

    Immer vorsichtig bleiben, "Hollywood Reporter" hat den Film zerissen. Sind alles nur Ansichten, nicht das man wieder mit erhöhten Erwartungen reingeht.

  • mikeros

    Ich kann filmstarts.de nicht mehr als Kompetente Seite bewerten. Zu enorm waren da in letzter Zeit seltsam hohe Wertungen. Den Gipfel brachte zuletzt die 4 Sterne für Stirb langsam 5 Kritik.

  • P14INVI3VV

    wtf...

  • on-tilt-dude

    Leute geht auf . Da bekommt ihr nen super Überblick über alle Kritiken und fast immer sind die Durchschnittswertungen zutreffend. Filmstarts kann man schon seit langer zeit nicht mehr ernst nehmen.

  • Max H.

    Ich weiß gar nicht, wieso man dann noch auf der Seite ist, wenn man sich dauernd beschwert, man kann das außerdem entweder für sich behalten oder eigene Kritiken schreiben, aber dann noch Werbung für andere Seiten machen, find ich gewöhnungsbedürftig.

  • Gravur 51

    Filmstarts macht meiner Meinung nach sehr ehrliche Kritiken. Ich bin froh darüber, dass die Redakteure dieser Seite mutig ihre Sicht der Dinge geben und sich nicht auf sogenannt "grosse" Magazine berufen um zu schauen, ob sie mit ihrer Meinung im Durchschnitt liegen. Ein Stirb Langsam 5 zum Beispiel wird als das angeschaut, was er ist; ein geradliniger Actionfilm, ganz so, wie er in der Kritik beschrieben wird. Ich habe diesen Film nicht gesehen, aber in Anbetracht dessen, was ich in der filmstarts Kritik dazu lese, macht es für mich Sinn, ihm eine 4/5 zu geben. Ein anderer 4 Sterne Film wie Avatar ist mit einem Stirb langsam einfach nicht zu vergleichen. Dasselbe gilt für diese viel diskutierten Adam Sandler Klamotten. Ich verstehe die Filmstarts-Kritiker eher, die sich auf die Materie selbst beziehen, als die Gegner dieser Kritiken, die betreffende Filme mit zu viel Materie darum vergleichen.

    Um ganz einfach zu dem Punkt zu kommen, welcher das voran geschriebene eigentlich nutzlos macht ;) : Mit den allermeisten Kritiken auf dieser Seite, war ich nach Anschauen betreffender Filme sehr einverstanden.

    Macht also weiter so, Filmstarts!

  • on-tilt-dude

    @max h ich kritisiere die seite damit sich mal etwas ändert. seit einiger zeit ist nicht nur mir sondern auch anderen aufgefallen, dass die wertungen immer sinnloser werden.

    @ gravur 51 nach deiner logik, kann man das bewertungsystem gleich in die tonne treten, ein bewertungssystem ziehlt nun mal drauf ab filme zu vergleichen. wenn ich nun jeden film im eigentlich kontext betrachten sollte, so würde niemand mehr richtig durchschauen. beispielsweise bei stirb langsam, stellt man sich die frage warum der film so eine hohe punktzahl bekommen hat, ist es a) weil es einfach stirb langsam ist b) weil es ein action film ist c) weil der film wirklich so gut ist. :D

  • Peter H.

    @Gravur

    Ich konnte auch nie verstehn, warum manche hier die Redaktion so zerissen haben, aber nach Stirb Langsam konnte ich es dann doch. Der funktioniert nicht mal als banaler Actionfilm, du kannst dein Hirn in Tiefschlaf versetzen und dennoch wehrt es sich gegen soviel Schei..e die dir in rauen Mengen aufgetischt wird.

  • DrGreenSkunk

    Jo, Stirb Langsam 5 ist wirklich der letzte Müll.
    Und auch mir ist es aufgefallen, dass auf Filmstarts (warum auch immer) die Kritiken zunehmend banaler werden.

  • Anna K.

    Hmmm .... da bin ich mal sehr gespannt auf den Film. Den schau ich mir garantiert an! Aber ich hoffe ich werde diesmal nicht so enttäuscht wie bei Life of Pi für den Filmstarts ja auch beinah alle Sterne vergeben hat.

  • niman7

    Also ich hab nie etwas gegen die Seite gesagt. Nicht mal bei Jack&Jill aber das mit Stirb Langsam 5 ist wirklich ein Witz. The Dark Knight hat man auch auf 5 "verbessert" daher bin ich der Meinung, dass sich das Team den Film noch mal sehr gründlich anschauen soll. Anschließend sollte man bei einer Tasse Tee, ebenfalls gründlich darüber nachdenken, was man nur gesehen hat.

  • Luphi

    Um die Bewertungen zu verstehen, sollte man vielleicht auch die Kritiken lesen. Dann ist ein Vergleich mit anderen Filmen sowieso hinfällig und überflüssig. Alles andere ist danach nur noch Geschmackssache. Filme sollte man sowieso nicht anhand von Wertungen irgendwelcher Magazine miteinander vergleichen.
    Diese Kritik hier finde ich beispielsweise sehr gut geschrieben, weil sie ausführlich und fundiert ist. Deswegen stimme ich trotzdem nicht zu 100% mit ihr überein. Aber sie ist nachvollziehbar. Und darum geht's.

    Ich kann es natürlich aber auch verstehen, wenn jemand aufgrund der Bewertung sich einen Film anguckt und dann verärgert darüber ist, wenn man gegebenenfalls 10€ in den Sand gesetzt hat. Aus dem Grund sollte man am Besten auch einfach den Pressespiegel und/oder Userwertungen mit einbeziehen. Vielleicht auch IMDb, Rotten Tomatoes, Metacritic oder andere Magazine, wenn es einem so wichtig ist.

  • Kriddik

    Liebes Filmstarts Team,
    mir ist auch aufgefallen das ihr irgendwie fast alle aktuellen Filme bzw. Blockbuster durchweg gut bewertet. Die andere sichtweise auf Jack and Jill fand ich sogar mal nicht schlecht. Früher habe allerdings eure Seite genutzt um zu gucken ob sich ein Kinogang lohnt was allerdings unmöglich geworden ist. Mir ist klar das jeder Kritiker nicht den gleichen Geschmack haben kann. Aber ihr solltet hier wirklich mal sowas wie ein 4 Augen Prinzip einführen...4,5 ist eigentlich schon so gut wie ein Klassiker. Und wenn Stirb Langsam auf Augenhöhe mit Django sein soll oder dieser Film hier mit TDK...dann sollten mal die Alarmglocken leuchten.

  • MoThLo

    Mir wäre es auch lieber, wenn bei die Punkteskala anders genutzt würde. Wenn man sich die Wertungen bei Imdb ansieht, dann liegt das Gros der Filme irgendwo zwischen 5.0 (nicht besonders gut, aber schon ok) und 7,5 (alles ab 7.0 ist meines Erachtens nach auf jeden Fall ne Berücksichtigung wert).
    Ich will gar nicht, dass hier jetzt fast ausschließlich 2,5-3,5 Sternekritiken erscheinen, aber ne 4 oder gar 4,5 Sterne-Bewertung sollte man sich etwas härter verdienen müssen.
    Genauso finde ich übrigens, dass die Vergabe von 1-1,5 Sternebewertungen hier des Öfteren zu hart war.

    Die meisten Filme sind nun mal Durchschnitt, das darf auch gerne in den Bewertungen zum Ausdruck kommen. Im Regelfall in der Mitte zwischen Slant und Totalfilm, das würde ich mir wünschen.

  • joekk

    also ich war beeindruckt! Das ist meiner Meinung nach der erste Film dessen 3D Effekte sich mit Avatar ohne Furcht messen lassen können. Die Story ist nicht sonderlich anspruchsvoll, das stimmt. Aber es basiert immernoch auf einem Kindermärchen von daher ist das absolut in Ordnung. und die Animationen und 3D-Effekte... wow! ich bin immer noch begeistert! Ich finde die Sterne absolut gerechtfertigt

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