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    Mein Freund, der Delfin
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Mein Freund, der Delfin
    Von Andreas Staben
    Als bester Freund des Menschen gilt dabei bekanntlich der Hund. Dieser Überzeugung wurde auch im Kino bereits unzählige Male Ausdruck verliehen und einige Leinwand-Vierbeiner haben es zu unsterblichem Ruhm gebracht. Nicht ganz so bekannt wie Lassie ist der Titelheld aus „Mein Hund Skip", aber dieses Drama mit Frankie Muniz und Diane Lane aus dem Jahr 1999 ist dennoch einer der schönsten Filme über die besondere Verbindung von Hund und Mensch. Produziert wurde er seinerzeit von Andrew A. Kosove und Broderick Johnson, nun widmet sich das oscarnominierte Duo („The Blind Side") erneut der Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Tier und zeigt, dass es nicht immer Hunde sein müssen. In „Mein Freund, der Delfin" geht es, wie der Titel schon sagt, um einen der sprichwörtlich intelligenten und menschenfreundlichen Meeressäuger. Und in der Tat hat Regisseur Charles Martin Smith, der mit „Air Bud" ebenfalls bereits Hundeerfahrung sammelte, einen besonders aufgeweckten und dazu noch echten tierischen Helden zu bieten. Winter, der Delfin ist ein würdiger Nachfolger für Flipper und der einfühlsam inszenierte Familienfilm ist eine sehenswerte Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und Menschlichkeit.

    Der elfjährige Sawyer (Nathan Gamble) ist ein schüchterner und einzelgängerischer Junge. Als sein Cousin Kyle (Austin Stowell) zum Militär geht, verliert Sawyer auch noch seinen Ersatzbruder. Eines Morgens entdeckt der Junge am Strand einen Delfin, der sich in einem Krabbennetz verfangen hat. Sawyer befreit das Tier mit seinem Taschenmesser und ruft Hilfe. Dr. Clay Haskett (Harry Connick Jr.) aus dem nahegelegenen Clearwater Marine Hospital kann dem Delfin vorerst das Leben retten und bald freundet sich Sawyer nicht nur mit dem auf den Namen Winter getauften Meeressäuger an, sondern auch mit Clays Tochter Hazel (Cozi Zuehlsdorff). Doch Winter ist weiter in Gefahr, denn ohne Schwanzflosse kann sie auf Dauer nicht überleben. Die schlechten Nachrichten häufen sich, als ein Sturm die Meeresstation verwüstet und Kyle verwundet heimkehrt. Bei einem Besuch im Militärkrankenhaus lernt Sawyer den exzentrischen Forscher Dr. Cameron McCarthy (Morgan Freeman) kennen, einen Spezialisten für die Herstellung von Prothesen. Der Junge bitte McCarthy, eine künstliche Flosse für Winter zu entwerfen. Erste Versuche scheitern und als das Geld schließlich so knapp wird, dass sich Clay gezwungen sieht, die Station an einen Investor zu verkaufen, der sie in eine Hotelanlage verwandeln will, müssen sich Sawyer und Hazel schnell etwas einfallen lassen...

    Die Geschichte von dem gestrandeten Delfin, der seine Schwanzflosse verliert und dem durch eine speziell für ihn angefertigte, neuartige Prothese das Leben gerettet wird, klingt geradezu märchenhaft, aber sie beruht auf wahren Begebenheiten. Mehr noch: Das in Florida zur lokalen Berühmtheit gewordene Tier übernimmt im Film die eigene Rolle. Der beeindruckende Auftritt Winters in ihrer gewohnten Umgebung der Clearwater Pflegestation verankert die optimistische und hoffnungsvolle Geschichte wirksam in der Realität, was ihren ungewöhnlichen Charakter noch unterstreicht. Die Filmemacher fügen diesem ohnehin wundersamen Kern unter anderem noch ein Familiendrama, eine Naturkatastrophe, existenzielle Geldsorgen und Kriegsverletzungen hinzu. In der Häufung der bedrohlichen Wendungen, auf die natürlich ein ausgiebig zelebriertes Happy-End am „Save Winter Day" folgt, werden die Konventionen des Familienfilms gelegentlich allzu deutlich – es fehlt nur noch, dass Sawyers alleinerziehende Mutter Lorraine (Ashley Judd) mit Hazels verwitwetem Vater Clay verbandelt wird. Aber alle Einwände gegen die genretypische Vorhersehbarkeit verblassen angesichts der überaus einfühlsamen und liebevollen Darbietungen aller Beteiligten.

    Charles Martin Smith ist bisher eher als Schauspieler bekannt geworden. Er war unter anderem in den Klassikern „American Graffiti" und „Die Unbestechlichen" zu sehen, eine seiner größten Rollen hatte er außerdem in dem Naturdrama „Wenn die Wölfe heulen". Diese Erfahrungen machen sich bezahlt, denn Smith zeigt ein feines Gespür im Umgang mit seinen menschlichen und tierischen Darstellern. So wird die besondere Beziehung zwischen dem Jungen und dem Delfin auf glaubwürdige und anrührende Weise etabliert, ohne dass das Tier dabei vermenschlicht würde. Winter ist natürlich der Star, auch wenn sie von dem vorlauten Pinguin Rufus, der immer wieder für Aufregung sorgt, Konkurrenz erhält. Und letztlich geht es wie in allen guten Tierfilmen vor allem auch um die Menschen: Nathan Gamble („Marley & ich") sorgt als einsamer Junge, der durch eine ungewöhnliche Freundschaft ins Leben findet, für die emotionalen Momente und wird dabei von charismatischen Stars wie Ashley Judd („Heat") und Kris Kristofferson („Heaven's Gate") als Hazels Großvater Reed unterstützt. Dazu kommen Harry Connick Jr.'s („Copykill") sympathische Bodenständigkeit und Morgan Freemans („Sieben") mit sichtlicher Freude dargebotener exzentrischer Forscher.

    Durch die engagierten Schauspieler, die einfühlsame Regie und die gefühlvolle Musik von Mark Isham („Aus der Mitte entspringt ein Fluss") bekommt „Mein Freund, der Delfin" eine große emotionale Wahrhaftigkeit, die auch durch eine aus dem Rahmen fallende Sequenz mit einem außer Kontrolle geratenen ferngesteuerten Hubschrauber, die einzig zur Rechtfertigung der 3D-Fassung dient, nicht nachhaltig getrübt werden kann. Die 3D-Version ist abgesehen von einigen schönen Unterwasseraufnahmen zu Beginn ohne Mehrwert, das gilt für den ganzen Film keineswegs. Wenn ein kleines Mädchen im Rollstuhl in einer rührenden kleinen Szene Winter mit ihrer Prothese entdeckt und ausruft „Sie ist ja wie ich", dann zeigt das das große Herz und den Optimismus dieses Films.

    Fazit: „Mein Freund, der Delfin" ist ein warmherziger und wendungsreicher Familienfilm über einen gestrandeten Meeressäuger und seine turbulente Rettung, der durch eine hochkarätige Besetzung veredelt wird.
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