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Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Von Christian Horn
Nach „Die Vampirschwestern“, dessen Fortsetzung „Fledermäuse im Bauch“ sowie dem Kritikerliebling „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ legt Regisseur Wolfgang Groos nun direkt die nächste Kinderbuchadaption nach: Mit „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ über die Freundschaft eines Jungen zu einem Roboter verfilmt er das gleichnamige, 1967 veröffentlichte Kinderbuch von Boy Lornsen, das im Jahr 1972 bereits als aufwändiger vierteiliger TV-Puppenfilm umgesetzt wurde. Gross und sein Drehbuchautor Jan Berger („Der Medicus“) haben den Stoff stark modernisiert und bringen mit einer Rettungsmission sowie zwei Verfolgern zusätzlichen Schwung in den Plot. Das Ergebnis ist durchweg kurzweilige Kinounterhaltung, wobei Groos sein junges Zielpublikum ruhig ein wenig mehr hätte fordern dürfen.

Der rothaarige Drittklässler Tobias Findteisen (Arsseni Bultmann), Rufname Tobbi, wird in der Schule übel gehänselt. Freude empfindet der Außenseiter nur, wenn er praktische Sachen erfindet wie aktuell das „Fliewatüüt“, eine Art aufgemotztes Bobbicar, das fliegen, im Wasser schwimmen und als Auto (tüüt) über Land fahren kann. Beim Zusammenbau ist der handwerklich ungeschickte Junge auf die Hilfe seiner Mechaniker-Mutter (Jördis Triebel) angewiesen, aber die will lieber, dass ihr Sohn endlich Freundschaften schließt. Einen Kameraden findet Tobbi ganz unverhofft, als der außerirdische Roboter ROB 344–66/IIIa, kurz Robbi, vom Himmel fällt. Gemeinsam reisen sie im Fliewatüüt zum Nordpol, wo Robbis gestrandete Eltern auf Hilfe warten. An ihre Fersen heften sich die Attentäter Brad Blutbad (Sam Riley, „Das finstere Tal“) und Sharon Schalldämpfer (Alexandra Maria Lara, „Rubbeldiekatz“), denn der Roboter besitzt ein wertvolles Elektronikherz, das der Konzernchef Sir Joshua (Friedrich Mücke, „SMS für Dich“) unbedingt in seine Technikprodukte einbauen will…



Wolfgang Groos und Jan Berger verpassen dem fast fünfzig Jahre alten Stoff ein modernes Update, auffällig sind zum Beispiel die vertauschten Rollen in Tobbis Familie: Der Vater (gespielt vom „Sendung mit der Maus“-Moderator Ralph Caspers) kocht für sein Leben gern, während die Mutter als Mechanikerin an Autos und Motorrädern herumschraubt. Auch das aufgeweckte Inuit-Mädchen Nunu (Melina Mardini) wirkt betont zeitgemäß, wenn sie über Mädchensachen wie Pferdeposter witzelt. Mit dem Bösewicht und seinen Motiven nimmt Groos ebenfalls Bezug auf die Gegenwart, wenn der Geschäftsmann ganz selbstverständlich Handys ausspioniert und in Anspielung auf Apple und Zalando vom großen Reibach träumt: „Die Menschen werden vor unseren Geschäften schlafen und beim Kauf schreien vor Glück!

Im Zentrum des Kinderabenteuers steht aber natürlich die Freundschaft zwischen Robbi und Tobbi, während die erwachsenen Figuren nebensächlich bleiben. Die emotionale Wucht des reiferen Disney-Roboterabenteuers „Baymax – Riesiges Robowabohu“ erreicht der Film zwar nicht, aber dafür funktioniert Robbi als liebenswerter Sidekick ziemlich gut: Das Modell erinnert ein wenig an den 80er-Jahre-Kultroboter Nummer 5 und genau wie dieser lernt der anfangs nur mit Peep-Geräuschen kommunizierende Robbi das Sprechen, indem er sich den Download „Deutsch als Fremdsprache“ ins System lädt. Ein bisschen „E.T. – Der Außerirdische“ schwingt ebenfalls mit, wenn der seine Eltern vermissende Robbi seinen Finger in Richtung des Notsignals ausstreckt (selbst wenn er dabei nicht zu leuchten beginnt).

„Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ wendet sich an das ganz junge Kinopublikum, was auch die glasklare Deutlichkeit erklärt, mit der das Drehbuch die Themen ausformuliert. So betont Tobbi gleich mehrfach in Wort und Tat, dass er „zwei linke Hände“ hat, und ein vom „Tatortreiniger“ Bjarne Mädel verkörperter Leuchtturmwärter spielt als Ausdruck seiner Einsamkeit „Mensch ärgere dich nicht“ gegen sich selbst. Die klassischen Kinderfilmthemen Freundschaft und Selbstvertrauen dekliniert die Geschichte mustergültig durch, bis Tobbi dank Robbi schließlich neuen Lebensmut findet und beispielsweise auch endlich seine Flugangst überwindet.

Fazit: Harmlos-kurzweiliges, gelungen modernisiertes, manchmal allzu überdeutliches Kinderabenteuer (nur) für die ganz kleinen Kinogänger.

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