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    Spenser Confidential
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Spenser Confidential

    Spaßiger Netflix-Blockbuster mit Mark Wahlberg

    Von Sidney Schering
    Hollywood entdeckt aktuell offenbar das Genre des humorvollen Buddy-Actionfilms wieder: Erst führten Sony Pictures und Jerry Bruckheimer mit Erfolg ihre „Bad Boys“-Reihe weiter – und nun reicht Netflix mit „Spenser Confidential“ ebenfalls einen Genrevertreter der alten Schule nach! Dass die lose Adaption des Ace-Atkins-Romans „Robert B. Parkers Wonderland“ eine klassische Mischung aus Action, Witz und Krimi-Knobelei darstellt, kommt dabei insofern überraschend, als dass der Film zwar bereits die fünfte Kollaboration von Hauptdarsteller/Produzent Mark Wahlberg und Regisseur/Produzent Peter Berg ist, das Duo in seinen bisherigen Kollaborationen wie „Deepwater Horizon“ oder „Lone Survivor“ aber stets auf einen betont ernsten Tonfall setzte. Der Bruch mit der üblichen Berg/Wahlberg-Masche tut dem Netflix-Actioner allerdings gut: Dank einer Prise Witz und eines locker agierenden Wahlbergs ist „Spenser Confidential“ kurzweiliges Filmfutter für einen geselligen Streaming-Abend geworden.

    Als Polizist Spenser (Mark Wahlberg) eines Tages seinen Vorgesetzten aus dessen Haus zerrt und verprügelt, wird er dafür zu einem fünfjährigen Gefängnisaufenthalt verdonnert. Nach seiner Entlassung, inzwischen ist er bei seinem alten Mentor und Boxtrainer Henry (Alan Arkin) eingezogen, will der Ex-Polizist seine alte Heimat Boston eigentlich für immer hinter sich lassen. Doch zwei rätselhafte Mordfälle machen ihm da einen Strich durch die Rechnung: Spensers früherer Vorgesetzter wurde umgebracht, weshalb er selbst nun als Mordverdächtiger gilt. Zudem hat sich ein geschätzter Ex-Kollege vermeintlich selbst das Leben genommen. Doch Spenser ahnt, dass da was im Busch sein muss. Mit Hilfe seines Zimmergenossen, dem aufstrebenden MMA-Kämpfer Hawk (Winston Duke), sowie seiner ebenso launischen wie lüsternen Ex-Freundin Cissy (Iliza Shlesinger), will er Licht in das verworrene Dunkel bringen…

    Spenser und Hawk geraten bei ihren Ermittlungen schon bald unter Beschuss!


    „Spenser Confidential“ beginnt mit entsättigten Bildern und einem grimmigen Voice Over von Mark Wahlberg, während der Titelheld brutal auf seinen Vorgesetzten eindrischt. Aber nach diesem Einstieg, in dem der Regisseur uns kurz glauben lässt, er würde uns einen weiteren Film in der brachial-gradlinigen Manier von „Mile 22“ liefern, hellt Spensers Stimme komödiantisch auf und er betont mit augenzwinkernder Selbstverständlichkeit, dass „der Wichser“ es verdient habe. Im Anschluss an den fünfjährigen Knastsprung in der Handlung wechselt der Film dann zu einer vitaleren, wärmeren Farbgebung – und nur wenige Augenblicke später ist endgültig klar, auf welche Tonalität es „Spenser Confidential“ tatsächlich angelegt: Die Titelfigur wird von ihren Knastgenossen als „Abschiedsgeschenk“ in eine schmissig choreografierte, mit Gute-Laune-Rockmusik unterlegte Knastprügelei verwickelt. Das ist dann so gar nicht mehr der trockene, bierernste Peter Berg der vergangenen Jahre. Stattdessen erinnert das alles viel mehr an seinen Buddy-Actioner „Welcome To The Jungle“ mit Dwayne Johnson aus dem Jahr 2003.

    Nur sehr lose an der Romanvorlage von Ace Atkins und Robert B. Parker orientiert, machen die Drehbuchautoren Sean O'Keefe und Brian Helgeland („Mystic River“) die illustre Gruppe um Spenser, Henry, Hawk und Cissy, die sich zwar mit einem gewissen Widerwillen, aber einem noch größeren Gerechtigkeitssinn in die Ermittlungen stürzen, zur Stütze des Films. Dabei bleiben sie ganz nah an der hinlänglich erprobten Buddy-Action-Comedy-Formel, ohne deshalb direkt nur die reine Standardnummer abzuspulen: Wahlbergs Ex-Cop/Ex-Knacki Spenser ist ein aufbrausender und ungeduldiger Geselle, der aber einen integren Moralkompass hat und (so sehr es ihm seine Situation ermöglicht) konzentriert sowie vorausschauend an den Fall herantritt. Es ist eine Charakterisierung, die Wahlbergs Stärken in die Karten spielt: Der für „Departed“ oscarnominierte Mime darf hier erstmals in einer Peter-Berg-Kollaboration seine Vorliebe für markant-kernige Typen, die einen schnell reißenden Geduldsfaden haben, mit der leichtgängigen Attitüde seiner Komödien-Auftritte in „Daddy's Home“ oder „Plötzlich Familie“ vereinen.

    Ein starkes Team


    An seiner Seite steht Winston Duke („Black Panther“), der als MMA-Kämpfer Hawk eher verspielt an die Sache mit der Hobby-Schnüffelei herantritt und ständig vorschlägt, die Dinge so anzugehen, dass sie filmreifer anmuten. Doch trotz Dukes leicht schnippischer Selbstunterhalter-Art, die er Hawk mitgibt, ist die Figur nicht der typische „Komiker“ des Duos, sondern hinterfragt auch immer wieder streng Spensers Verhalten, wann immer beim Ex-Cop eine Sicherung durchbrennt. So entsteht eine ungewöhnliche Harmonie zwischen ihnen, die „Spenser Confidential“ unbedingt zugutekommt und sich sehr viel stärker vom Genreeinerlei abhebt als der generische und schnell durchschaute Kriminalplot.

    Abseits des zentralen Duos darf Alan Arkin („Little Miss Sunshine“) routiniert-gewitzt granteln und Stand-up-Komikern Iliza Shlesinger eine hysterische, eigenwillige Ex spielen, die noch immer was für Spenser übrighat. Die beiden Co-Stars werden in „Spenser Confidential“ schauspielerisch wahrlich nicht sonderlich gefordert, aber sie bereichern den Film mit ihrem komödiantischen Timing und bringen gerade so genug Eigenheit mit, um ihre Rollen davor zu bewahren, reine Abziehbilder darzustellen.

    Ab durch die Mitte!


    Die Actionpassagen unterdessen sind zwar unterhaltsam, aber auch arm an Highlights. Die Gruppenprügeleien bleiben vornehmlich aufgrund ihrer schmissigen Musikuntermalung in Erinnerung, während bei den Verfolgungsjagden häufiger durch humoristische Einfälle für Abwechslung gesorgt wird – mal kabbelt sich Spenser umständlich mit einem Hund, der ihn von seinem eigentlichen Ziel ablenkt, mal wird ein schwerfälliger Truck frech kommentiert zur Waffe umfunktioniert: Wenn du sie nicht einholen kannst – zerstöre halt wahllos alles, was dir in den Weg kommt! Ein gutes Motto für eine knallige Action-Komödie.

    Gerade im dritten Akt, wenn die Actionszenen in höherer Taktung einschlagen und die bereits fertig etablierten Figuren nebenher einfach nur noch ihre Schrulligkeit ausleben, erinnert „Spenser Confidential“ endgültig an das frühe Michael-Bay-Œuvres – und dass Aerosmiths „Sweet Emotion“ erklingt, das Bay schon mehr als nur einmal in seinen Filmen nutzte, verstärkt diesen Eindruck sogar noch. Was Berg davon hält, dass er sich so nach „Battleship“ schon wieder als eine Art Mini-Michael-Bay positioniert, ist unklar. Aber angesichts der Tatsache, dass Bays „6 Underground“ laut Netflix-Angaben ein riesiger Erfolg geworden ist, dürfte man sich im Hauptquartier des Streaming-Anbieters doch sehr darüber freuen, dass „Spenser Confidential“ nun in eine ähnliche Kerbe schlägt.

    Fazit: Mit „Spenser Confidential“ kehrt Peter Berg zurück zu seinen weniger betont-düsteren Zeiten als Comedy-Action-Regisseur. Mark Wahlberg und Winston Duke geben ein sympathisches Duo in bester Buddy-Movie-Tradition. Die Originalität hält sich dabei zwar in Grenzen, aber als sauber inszenierte, zügig erzählte Action-Komödie bietet der Film absolut adäquate Streaming-Unterhaltung.

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