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Warum mir "Maze Runner 3" den Glauben an das Teen-Fantasy-Genre zurückgegeben hat (obwohl ich ihn nicht mal gesehen habe)
Von Christoph Petersen — 03.02.2018 um 19:59
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Am Donnerstag (1. Februar 2018) startete „Maze Runner 3 - Die Auserwählten in der Todeszone“ in den deutschen Kinos – und allein die Existenz des Films ist ein dringend nötiges Zeichen für ein ganzes im Sterben liegendes Genre!


Ich bin jemand, der neugierig auf alle Genres ist – vom Zeichentrickfilm für Dreijährige über das zwölfstündige Schwarz-Weiß-Experimentalwerk bis zum härtesten Horror-Krams gucke ich mir wirklich alles gerne an. Aber in den vergangenen Jahren habe ich bei einigen Filmen zunehmend Angst bekommen, ins Kino zu gehen – und habe es dann in den meisten Fällen auch einfach gelassen, wenn ich nicht explizit zum Schreiben einer Filmkritik in die Pressevorführung geschickt wurde.

Dabei geht es nicht darum, dass mir die Filme tatsächlich einen Schrecken eingejagt hätten. Es geht auch nicht darum, dass die Filme besonders schlecht gewesen wären. Ich hatte einfach Angst davor, dass mitten während der Vorstellung ein Verantwortlicher des Filmstudios in den Saal kommt, das Licht anknipst und uns alle mit den Worten nach Hause schickt: „Heute sind leider nicht genug Zuschauer gekommen, um den ganzen Film zu zeigen, das lohnt sich so für uns leider nicht. Wir machen deshalb jetzt hier Schluss und wenn ihr den Rest der Handlung wissen wollt, könnt ihr ja die Bücher lesen. Schönen Abend noch!“

Die ewige Suche nach dem "Panem"-Nachfolger

Klingt absurd, ist aber speziell in einem Genre in den vergangenen 15 Jahren öfter passiert als nicht. Auf der Suche nach dem nächsten „Harry Potter“, dem nächsten „Twilight“ oder dem nächsten „Die Tribute von Panem“ wurden im Young-Adult-Fantasy-Genre in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten so viele Franchises angefangen und nicht zu Ende geführt, dass die kleine Zahl tatsächlich abgeschlossener Filmreihen im Vergleich regelrecht verblasst: „Eragon“, „Tintenherz“, „Der goldene Kompass“, „Mitternachtszirkus“, „Die 5. Welle“, „Vampire Academy“, „Fallen“, „Chroniken der Unterwelt“, „Beautiful Creatures“ – diese Liste der halbfertigen Franchise-Ruinen ließe sich noch ein ganzes Stück fortsetzen…

Und dabei kann man sich noch glücklich schätzen, wenn einen wie bei all den gerade genannten Franchises der Studioverantwortliche schon gleich zu Beginn – also nach dem ersten Film – „aus dem Saal schmeißt“, wenn man emotional noch nicht so viel in die Figuren und ihr Schicksal investiert hat. Denn manchmal macht er das auch erst direkt vor dem großen Finale – wie etwa im Fall der „Bestimmung“-Reihe mit Shailene Woodley, die allen Ernstes noch abgebrochen wurde, nachdem 3 ½ (!) von vier Büchern bereits verfilmt waren.

Universal Pictures International
"Mitternachtszirkus" (2009) - Da war doch was...

Die prozentuale Anzahl an abgebrochenen Reihen ist inzwischen so groß, dass die Hollywoodstudios sich meiner Meinung nach ernsthaft Gedanken machen sollten, ob sie nicht eine Art Hilfsfonds für strauchelnde Franchises einrichten – denn wenn sie weiterhin alles mitten in der Handlung abbrechen, wird das Vertrauen der Zuschauer immer weiter sinken, bis es irgendwann für alle Studios praktisch unmöglich wird, noch eine neue YA-Reihe erfolgreich in die Kinos zu bringen. Bei mir zumindest überwiegt die Skepsis die Neugierde schon längst.

Sich einen Teenie-Fantasyfilm im Kino anzusehen ist inzwischen ebenso zu einer Wette mit miesen Aussichten geworden wie das Schauen einer neuen Serie auf ProSieben: Auch dort wird ja gefühlt kaum noch eine Serie bis zum Ende gezeigt, was wiederrum dazu führt, dass weniger Zuschauer bei der nächsten Serie einschalten, was wiederum dazu führt, dass diese auch wegen schwacher Quoten verfrüht abgebrochen wird… ein Teufelskreis, der sich in einem größeren Ausmaß inzwischen auch bei YA-Hollywoodverfilmungen etabliert hat.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Maze Runner 3"

Die schiere Existenz von „Maze Runner 3“ ist da für mich ein echter Hoffnungsschimmer am Horizont – und das gerade, weil die ersten zwei Teile zwar durchaus erfolgreich waren, aber trotzdem nie den Megahit-Status etwa eines „Die Tribute von Panem“ erreicht haben. Und als sich dann auch noch Hauptdarsteller Dylan O'Brien am Set schwer verletzt hat und der dritte Teil in der Folge um ein Jahr verschoben werden musste, wäre das eigentlich der „perfekte“ Zeitpunkt für die dollarscheinzählenden Produzenten gewesen, um das Franchise doch noch einzustampfen. Immerhin sind viele Fans des ersten Teils inzwischen aus dem Zielgruppen-Alter herausgewachsen - die Zeit, die Filme in die Kinos zu bringen, rennt also nicht nur, sie ist zum Teil längst verronnen.

Dass „Maze Runner 3“ nun am US-Eröffnungswochenende nur zwei Drittel der Einnahmen seiner beiden Vorgänger (20 statt 30 Millionen Dollar) verbuchen konnte (und das, obwohl er mehr gekostet hat), war deshalb auch absolut keine Überraschung. „Maze Runner 3“ wird so erwartungsgemäß für das Studio 21st Century Fox keinen großen Gewinn mehr einfahren – und trotzdem ist der Release des Films ein Gewinn für ganz Hollywood. Ein zweites „Die Bestimmung“-Desaster in so kurzer Zeit hätten die Kinogänger der Traumfabrik nämlich ganz sicher nicht verziehen (dass die Reihen von verschiedenen Studios stammen, interessiert den Durchschnittszuschauer ja nicht).

Und es ist dann auch nicht nur ein „egoistisches“ Anliegen von mir, dass ich einmal begonnene Geschichten gerne auch bis zum Ende erzählt bekommen möchte, es ist tatsächlich auch eine Frage der Nachhaltigkeit für Hollywood insgesamt. Die Traumfabrik ist aktuell vor allem wegen des systematischen sexuellen Fehlverhaltens in der Filmindustrie in den Schlagzeilen. Da sollte man das (Rest-)Vertrauen des Publikums nicht auch noch an anderer Stelle mit vollen Händen aus dem Fenster schmeißen.

 

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