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Die neue "offizielle Zeitlinie des MCU" und all ihre Probleme
Von Björn Becher — 19.11.2018 um 18:15
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Eine angeblich offizielle Zeitlinie für das MCU ist endlich da. Alle Filme sind mit Jahreszahlen einsortiert. Doch es gibt sehr viele Probleme damit. Wir nehmen sie unter die Lupe.

Walt Disney / Marvel

Im großen Jubiläumsbuch „Marvel Studios: The First Ten Years“ gibt es laut ScreenRant eine Übersicht, wann welcher Film aus dem MCU spielt. Daraus ist nun eine quasi-offizielle Marvel-Zeitline entstanden, die aber natürlich sofort von Fans kritisiert wird. Auch wir schrieben in unserer Nachricht dazu direkt, dass es nun diverse „Widersprüche“ zu den Filmen gibt. Diese müsse man nun ignorieren.

Doch was für Widersprüche gibt es überhaupt durch die neue Einordnung mit Jahreszahlen? Das wollen wir jetzt mal unter die Lupe nehmen. Wie konzentrieren uns dabei ausschließlich auf die Filme.

Die Stark Expo 2010

In „Iron Man 2“ spielt die Stark Expo eine große Rolle. Die Ausstellung heißt „Stark Expo 2010“. Der Name bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Ausstellung auch wirklich im Jahr 2010 stattfinden muss, schließlich nutzt man für Zukunftsmessen gerne auch mal ein Datum in der Zukunft. Aber: Durch den ersten „Captain America“-Film wissen wir, dass die „Stark Expo 1943“ auch im Jahr 1943 stattfand und vor allem: Die neue Zeitlinie terminiert „Iron Man 2“ ins Jahr 2011? Würde da wirklich jemand einer solchen Veranstaltung einen Titel vom Vorjahr geben?

Visions Aussage in „Civil War“ über Iron Man

Es sei acht Jahre her, dass sich Mr. Stark der Welt als Iron Man offenbart hat, erklärt Vision in „The First Avenger: Civil War“ gegenüber Sam Wilson, Steve Rogers und James Rhodes. Das Problem ist: Laut der Zeitlinie liegen nur fünf Jahre zwischen beiden Filmen. Das kann man auch nicht mit einem großzügigen Runden von Vision erklären.

Der „Homecoming“-Zeitsprung

Am offensichtlichsten ist natürlich der Zeitsprung am Anfang von „Spider-Man: Homecoming“. „8 Jahre“ spielt die Haupthandlung des Films laut einer Texteinblendung nach dem Prolog. Dieses Datum ergab nie Sinn und früh war klar, dass der Zeitraum viel kürzer sein musste. Auch von Marvel wurde dieser Fehler eingestanden. Die neue Zeitline verringert den Abstand nun auf vier Jahre. Auch wenn uns immer sechs Jahre Abstand wahrscheinlicher erschienen, fällt es einfach, dies als Korrektur eines offensichtlichen Fehlers zu akzeptieren.

Ringträger Happy Hogan

Am Ende von „Spider-Man: Homecoming“ erfahren wir, dass Happy Hogan einen Verlobungsring seit 2008 für Tony in der Tasche trägt. Dieser Wink an die Zuschauer spielt darauf an, dass der Film „Iron Man“ im Jahr 2008 in die Kinos kam und machte auch Sinn, weil wir bislang glaubten, dass es auch das Handlungsjahr ist. Nun wird dieser Film aber ins Jahr 2010 platziert. Das kann man natürlich auf die ohnehin falschen Zahlen bei „Homecoming“ schieben. Oder Happy wusste halt einfach schon immer, dass Tony und Pepper irgendwann ein Paar werden.

„Black Panther“ und der „Civil War“

Dass „Black Panther“ kurz nach dem „Civil War“ spielt, ist logisch. Schließlich muss aufgrund des Todes des Herrschers über Wakanda in „Civil War“ im Solofilm des afrikanischen Superhelden ein Nachfolger gefunden werden. Zu Beginn fällt kurz der Hinweis, dass die Ereignisse in „Civil War“ eine Woche her sind. Die neue Zeitlinie terminiert den „Civil War“ nun auf 2016, „Black Panther“ auf 2017, was dem leicht widerspricht (wenn man die Geschehnisse nicht rund um einen Jahreswechsel spielen lässt, wofür es null Anhaltspunkte gibt). Hierüber lässt sich aber relativ einfach hinwegsehen, da in „Black Panther“ eine gewisse Zeit vergeht, kann man sagen, dass der Film noch 2016 beginnt, das Gros aber im Jahr 2017 spielt.

6 Jahre Thanos im Kopf

Seit sechs Jahren hat Iron Man laut eigener Aussage in „Infinity War“ das Schreckgespenst Thanos im Kopf – ohne den Titan konkret benennen zu können. Er verweist damit auf den Angriff auf New York in „The Avengers“. Die Zeitlinie platziert den ersten und den dritten „Avengers“-Film nun in den Jahren 2012 und 2017. Hier kann man aber mit einer Rundung einen Fehler vermeiden. Schließlich wissen wir nicht, in welchen Monaten die Ereignisse jeweils stattfinden und so kann man einfach ein Szenario konstruieren, bei dem fünfeinhalb Jahre zwischen der Schlacht von New York und dem ersten Angriff der Black Order liegen. Und da hat Iron Man dann einfach ein wenig gerundet.

Kurze 2 Jahre Hausarrest

Die Ereignisse in „Civil War“ sorgten dafür, dass Hawkeye und Ant-Man unter Hausarrest gestellt wurden. In „Avengers: Infinity War“ erfahren wir, dass sie für zwei Jahre nun eingeschränkt sind, in „Ant-Man And The Wasp“ sehen wir, wie diese zwei Jahre für Scott Lang zu Ende gehen. Das passt nicht zur Terminierung des „Civil War“ ins Jahr 2016 und des „Infinity War“ (und damit auch „Ant-Man And The Wasp“) ins Jahr 2017. Hier kann man auch nicht die Ausrede nutzen, dass die zwei Jahre eben ein wenig gerundet wurden. Behörden sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie einen Hausarrest von zwei Jahren „gerundet“ verhängen, sondern das sind dann auch exakt zwei Jahre.

Fehler über Fehler

Neben diesen Widersprüchen nur aus den Filmen gibt es auch durch die Serie „Agents Of S.H.I.E.L.D.“, in der auch noch etwas öfter konkrete Daten genannt werden, viele Widersprüche. Die hier alle aufzuführen würde aber den Rahmen sprengen. Da die Serien zudem nicht vom Team von Kevin Feige gemacht werden und von den Filmen weitestgehend ignoriert werden, kann man das wohl getrost auch tun – genau wie das Promomaterial. So wurden zum Start von „The Avengers“ die S.H.I.E.L.D.-Akten der Helden veröffentlicht. Darin ist zu sehen, dass Tony Stark seinen CEO-Posten bei seiner eigenen Firma 2010 abgegeben hat. Zu sehen war dies in „Iron Man 2“, der aber laut der neuen Zeitlinie trotz der „Stark Expo 2010“ nicht 2010, sondern 2011 spielt.

Kommt bald noch mal eine neue Marvel-Zeitline?

Es gibt daher schon Widerspruch gegen diese neue Marvel-Zeitlinie und nicht viele glauben, dass sie bald schon wieder korrigiert werden könnte. Wie bereits in unserem Artikel zur Zeitlinie erklärt, stammt diese aus dem ab dem 20. November 2018 erhältlichen Jubiläumsbuch „Marvel Studios: The First Ten Years“* (und wurde via ScreenRant verbreitet). Das Buch ist von Marvel offiziell lizenziert, stammt aber von dem Verlag Titan. Die Frage ist nun: Haben die Redakteure des Buches vielleicht Fehler gemacht? Denn es ist unsicher, welchen Zugriff Marvel am Ende auf das Buch hatte. So gibt es zwar Interviews mit Kevin Feige und vielen Stars, doch es ist sehr gut denkbar, dass Marvel keine Endkontrolle hatte.

Im September 2020 soll ein weiteres Jubiläumsbuch bzw. sogar ein Jubiläumsbuchdoppel erscheinen: „Marvel Studios: The First Ten Years: The Definitive Story Behind the Blockbuster Studio“* wird von Marvel gemeinsam mit dem Buchverlag Abrams herausgegeben. Es ist das große, aus insgesamt zwei Teilen bestehende endgültige Buch zu allen MCU-Filmen von 2008 bis 2018. Vielleicht werden wir dann schon mit einer neuen, korrigierten Zeitlinie beglückt.

Eine fehlerfreie Zeitlinie ist eine Illusion

Selbst wenn uns in rund zwei Jahren oder an anderer Stelle eine alternative Version der Zeitlinie angeboten wird, wird dies Widersprüche zu den Filmen beinhalten. In allen Filmen wurden mittlerweile so viele Zahlen genannt, dass es dabei Fehler gibt. Und das lässt sich nicht mehr endgültig reparieren. Aber vielleicht werden in „Avengers 4“ durch Zeitreisen uns ja irgendwelche Lösungen offenbart...

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