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    "Speed": Warum der Regisseur des Meisterwerks plötzlich verschwunden ist
    Von Carsten Baumgardt — 25.03.2019 um 15:00
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    Jan de Bont inszenierte nur fünf Filme, doch die Karriere des „Speed“-Regisseurs dauerte ganze neun Jahre. Nach „Lara Croft – Tomb Raider: Die Wiege des Lebens“ war Schluss. Doch wir haben ein Lebenszeichen des Niederländers entdeckt.

    20th Century Fox

    Bevor Jan de Bont Mitte der 90er Jahre überhaupt erst zum gefeierten Blockbuster-Regisseur in Hollywood aufstieg, war der Niederländer einer der gefragtesten Kameramänner der Traumfabrik – Highlights waren unter anderem „Stirb langsam“, „Black Rain“, „Jagd auf Roter Oktober“, „Basic Instinct“ oder „Lethal Weapon“. Doch es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Top-Kameramann auch automatisch ein guter Regisseur ist (bestes Gegenbeispiel zuletzt: Wally Pfister mit dem künstlerischen wie kommerziellen Flop „Transendence“). Ein furioseres Regiedebüt als das von Jan de Bont 1994 mit dem Action-Thriller „Speed“ (mit Keanu Reeves und Sandra Bullock) gab es allerdings selten. Ein Meisterwerk aus dem Stand. Und nicht nur das: Der innovative und unglaublich unterhaltsame Action-Reißer, den wir in unserer FILMSTARTS-Kritik mit wohlverdienten 5 Sternen bedacht haben, spielte weltweit für damalige Verhältnisse sehr starke 350 Millionen Dollar ein und erreichte in Deutschland 3,1 Millionen Besucher – und das bei einem sehr moderaten Budget von 30 Millionen Dollar.

    Damit kommen wir zum großen Problem von Jan de Bonts Regiekarriere: Die aus wirtschaftlichen Hollywood-Befindlichkeiten logische Fortsetzung „Speed 2“ kostete 1997 astronomische 160 Millionen Dollar – und floppte böse an den Kinokassen. Nur 164 Millionen spielte der zweite Teil ein. In Deutschland war „Speed 2“ mit 1,9 Millionen Besuchern immerhin ein Hit, obwohl der Film zurecht schlechte Kritiken bekam (2 Sterne auf FILMSTARTS). Das Vertrauen des Studiosystems (Motto: Du bist nur so gut, wie das Einspielergebnis deines jüngsten Films) in de Bont bekam hier erste ernsthafte Risse – und das, nachdem sich der Filmemacher mit dem Megaerfolg „Twister“ (Einnahmen weltweit: 495 Millionen Dollar) ein Jahr zuvor eine Carte Blanche für „Speed 2“ erspielt hatte.

    Comeback mit "Schwarzen Tulpen"?

    Aber nachdem der Geister-Mummenschanz „Das Geisterschloss“ (1999) kein Hit wurde und „Lara Croft – Tomb Raider: Die Wiege des Lebens“ (2003) zum Verlustgeschäft, war es mit der Hollywoodkarriere des Jan de Bont von heute auf morgen vorbei. Folgeaufträge: keine! De Bont war raus. Mit 60 Jahren war er nicht mehr der Jüngste, aber auch lange noch kein altes Eisen. Bis heute steht nur noch ein Credit als ausführender Produzent bei dem Indie-Thriller „The Paperboy“ (mit Nicole Kidman, Matthew McConaughey und Zac Efron) von 2012 zu Buche. Die Nennung als einer von sieben Kameramännern bei der niederländischen Doku „Nema Aviona Za Zagreb“ datiert zwar offiziell aus dem Jahr 2012, da der Film aber ein Langzeitprojekt seit 1964 (!!!) ist, kann diese nicht als „künstlerisches Lebenszeichen“ von de Bont gewertet werden.

    Ob es tatsächlich noch einmal zu einem Comeback von Jan de Bont kommt, ist fraglich. Ausgebrannt ist der Filmemacher im Vorruhestand aber keinesfalls. Bei einer lebhaften Podiumsveranstaltung als Gast der New York Film Academy im Jahr 2016 berichtete der Regisseur nicht nur ausführlich und unterhaltsam über seine Erfahrungen im Filmgeschäft, sondern bekannte, dass er noch an Ideen zu Projekten arbeite. Zum Beispiel an einem Film über die Industrie schwarzer Tulpen, die im 18. Jahrhundert zu einem Luxusgut heranwuchsen. Für de Bont war dies eine der ersten wirtschaftlichen Blasen, die dann gemeinsam mit der niederländischen Wirtschaft kollabierte. Auch ein Remake des Klassikers „Noch fünf Minuten zu leben“, das de Bont inszenieren sollte, steckt weiterhin in der Entwicklungshölle…

    „Speed“ läuft am Montag, 25. März 2019 um 20.15 Uhr bei Kabel 1 – das Sequel „Speed 2“ direkt im Anschluss.

     

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    Kommentare
    • Howard Philips
      Speed 2 war eine einzige Katastrophe. Das Szenario hatte einen gewaltigen Fehler. Ein Kreuzfahrtschiff war einfach nicht schnell...und der neue Hauptdarsteller...ach vergessen wir das. De Bonts Filme lebten immer mehr von der Optik, als der inhaltlichen Kohärenz. Style over substance. Tomb Raider 2 ist im Nachhinein eine ziemlich korrekte Umsetzung des Games - das war den Zuschauern aber dann wohl zu dünn. Und Das Geisterschloss? Da schoss am Schluss wohl Steven Spielberg quer und es wurde zu einem teuren CGI-Spektakel. Das macht der Herr manchmal gerne. Hätte jemand mal vorher Tobe Hooper fragen sollen. ^^
    • Howard Philips
      Hehe...ja, stimmt. Es wird aktuell viel zu viel Clickbait von FS produziert. Avengers, GoT oder Marvel vs. DC. Hauptsache, der gemeine Leser klickt schnell drauf. Quantität vor Qualität. Statt mal ein paar Externe zu Interviews anzuheuern - kann ja auch mal ein B- oder C-Movie-Darsteller sein. Wie geht es Marc Dacascos? Was treibt Christophe Gans? Was wurde aus Pitof? Wie kommt Casper van Dien in Alita?Ach ja: Avengers Laufzeit wurde möglicherweise bekannt. Wuhu...der Tag ist gerettet.
    • Luphi
      Und trotzdem irgendwie nett, auch mal was anderes zu lesen als den x-ten Captain Marvel- oder Avengers 4-Artikel.
    • Paul S.
      Vor allem seine Arbeit als Kameramann ist ein Argument für ihn. Seine Arbeiten mit Verhoeven (Soldat von Oranien, Flesh+Blood, Basic Instinct) und die anderen Filme an denen er als Kameramann mitgewirkt hat (Jagd auf Roter Oktober, Black Rain, Lethal Weapon) sind auf jeden Fall visuell beeindruckend. Als Regisseur hat er leider nicht so überzeugt. Speed ist natürlich ein Action-Klassiker und auch Twister noch ganz unterhaltsam, aber den Rest kann man echt vergessen.
    • Howard Philips
      Diese Artikel à la Warum kommt von The Divergent keine Fortsetzung oder Warum dreht Jan deBont keine Filme mehr kann man sich eigentlich getrost sparen. Gleicher Grund in jedem Fall: Flop, hat Geld verbrannt und zu wenig eingespielt. Interessant wäre ein Interview mit deBont gewesen oder mit Schwentke, die erklären, was jeweils schief lief und was sie heute machen. Stattdessen gibt es Infos, die jeder Filmfan mehr oder weniger alle kennt. Füllmaterial.
    • human8
      Speed und Meisterwerk ? Ok.Seine gelisteten Filme als Kameramann sind wirklich sehenswert, aber seine Arbeiten als Regisseur gefallen mir bis auf Twister, schon weniger.
    • Micox
      Man sollte Verhoeven wieder 200M in die Hand geben..
    • WhiteNightFalcon
      Speed 2 ist einfach ein unglückseliger Film. Schlechtes Drehbuch, viel zu teuer. Die Sache mit Terroristen auf dem Schiff gabs davor eben bei Alarmstufe: Rot. Und zu der Zeit kursierte in Hollywood noch das Gerücht, dass eine weitere Fortsetzung von Stirb langsam auch auf einem Kreuzfahrtschiff spielen sollte. Von daher ist Speed 2 ein völlig überhastet entstandener Film, ohne je an Genrevorgänger, wie Alarmstufe: Rot oder Achtzehn Stunden bis zur Ewigkeit heran zu reichen.
    • WhiteNightFalcon
      Echt nicht? Also wenn ich an seine Kameraführung bei Stirb langsam und Jagd auf Roter Oktober denke, diesen Stil hätte ich definitiv gern zurück.
    • All About L.
      Ich fand de Bonts Filme sehr unterhaltsam, auch Das Geisterschloss, Speed 2 und Tomb Raider 2. Die Filme liefen an den Kinokassen jetzt auch nicht so extrem schlecht. Es brach ihm eben das Genick, dass diese Filme unverhältnismäßig teuer waren. Hätte Speed 2 beispielsweise nur doppelt so viel gekostet wie Teil 1, dann wäre der Gewinn mehr als üppig gewesen.Ein Rückbesinnen auf kleine Budgets á la Shyamalan und del Toro hätte seine Karriere vermutlich gerettet. Ein Kostümschinken wie Schwarze Tulpen ist dafür wohl weniger geeignet.
    • Jimmy v
      Ich fand ihn ok. Das Geisterschloss finde ich nicht so schlecht, muss ich sagen. Aber ich vermisse ihn jetzt auch nicht.
    • greekfreak
      Er wahr wohl nicht mit den richtigen Leuten,in den Studio Chefetagen auf Bussi-Bussi,lass uns gemeinsam brunchen.Wenn man sieht was für andere Nichtskönner,in Hollyweird,ständig Regie Engagements bekommen.
    • WhiteNightFalcon
      Schade. Er war als Kameramann und Regiesseur klasse. Ne Rückkehr wäre wünschenswert.Seine Kameraführung macht viel vom Flair von Jagd auf Roter Oktober und Stirb langsam aus.Von seinen Regiearbeiten mag ich Lara Croft, Speed und Das Geisterschloss definitiv.
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