Pumuckl und das große Missverständnis
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Pumuckl und das große Missverständnis

Nostalgisch-schönes Kino-Comeback

Von Jörg Brandes

Gleich mit seinem ersten Kinowerk „Wer früher stirbt ist länger tot“ (2006) hat sich Marcus H. Rosenmüller einen Namen gemacht. Seitdem ist er aus der deutschen Filmszene kaum mehr wegzudenken. Seine Spezialität sind mit Herz erzählte Geschichten, die ihre Wurzeln meist in seiner bayerischen Heimat haben. Neben dem eingangs genannten Arthouse-Hit etwa „Räuber Kneißl“ (2008), „Sommer in Orange“ (2011) und zuletzt „Beckenrand Sheriff“ (2021). Von seiner Heimatverbundenheit zeugt auch das H. hinter seinem Vornamen. Inzwischen steht es weniger für seinen Zweitnamen Heinrich als vielmehr für Hausham, die Gemeinde, in der Rosenmüller aufgewachsen ist.

Der hat sich nun eines noch bekannteren Bayern angenommen. Schließlich kann der fiktive Pumuckl auf eine längere Vita zurückblicken als der 1973 geborene Rosenmüller, und mehrere Generationen von Kindern sind mit ihm groß geworden. Die von der Kinderbuchautorin Ellis Kaut ersonnene Figur startete ihre Karriere 1962 in einer Hörspielfolge des Bayerischen Rundfunks. 20 Jahre später wurde der rothaarige Kobold durch die TV-Serie „Meister Eder und sein Pumuckl“ erst recht populär. Sein „Herrchen“, den Schreinermeister Franz Eder, spielte im gleichnamigen Kinofilm sowie in der Serie, die ab 1982 und 1988 in zwei Staffeln erstausgestrahlt wurde, der nicht minder beliebte Gustl Bayrhammer. Nach dem Tod des Schauspielers 1993 tauchte dessen Zeichentrick-Kompagnon in wechselnder Begleitung immer mal wieder auf der Leinwand und im Fernsehen auf.

In Florian Eder (Florian Brückner), dem Neffen des Schreinermeisters Franz Eder, hat Pumuckl ein neues „Herrchen“ gefunden. Constantin Film
In Florian Eder (Florian Brückner), dem Neffen des Schreinermeisters Franz Eder, hat Pumuckl ein neues „Herrchen“ gefunden.

Seit 2023 treibt der kleine Tunichtgut in einer neuen Serie wieder Schabernack. In „Neue Geschichten vom Pumuckl“ nun an der Seite von Meister Eders Neffen Florian, der von Florian Brückner verkörpert wird. Schon bei den 13 Folgen der ersten Staffel hatte Rosenmüller seine Regiehände mit im Spiel. Dass der Kobold bei seinem Bundeslandsmann aus Hausham sehr gut aufgehoben ist, zeigt nun spätestens der neue Pumuckl-Kinofilm.

Aufregung in der kleinen Münchner Schreinerei von Florian Eder: Operndirigent Hendrik Windmahler (Robert Palfrader) platzt in höchster Not herein. Er kann nicht mehr dirigieren, weil die Schatulle für seinen Dirigierstab klemmt. Und wenn die klemmt, klemmt sein ganzes Dasein. Den Handwerker Eder beschäftigt aber auch noch etwas anderes. Burgi (Gisela Schneeberger), die Witwe seines einstigen Lehrmeisters, bittet ihn, ein altes Maibaumkarussell wiederherzurichten. Begleitet vom Pumuckl (Stimme: Maximilian Schafroth) kommt Florian der Bitte nach und fährt in den kleinen Ort, in dem er seine Ausbildung machte.

Angenehm nostalgisch, aber nicht von gestern

Spannungen zwischen Florian und dem nur für ihn sichtbaren Kobold bleiben dort jedoch nicht aus. Als der Schreiner überlegt, Burgis Werkstatt zu übernehmen und dafür seinen Ein-Mann-Betrieb in München aufzugeben, will sich Pumuckl einen neuen Meister suchen. Käme womöglich der Dirigent in Frage? Aber dazu müsste Pumuckl im richtigen Augenblick an etwas kleben bleiben, um für Hendrik Windmahler sichtbar zu werden und sich ihm dann nach Koboldgesetz anschließen zu können...

Auch Rosenmüller vertraut auf die seit der 1982er-Serie bewährte Mischung aus Trick- und Realfilm. Schon diese Kombination sorgt für einen angenehm nostalgischen Charme des mit Herz inszenierten Films. Dazu trägt sicher auch bei, dass Maximilian Schafroths Stimme mittels KI der Stimme des 2005 verstorbenen Hans Clarin anverwandelt wurde, der fast 40 Jahre als Pumuckls Sprecher diente. Gleichwohl erscheint hier nicht alles gestrig oder gar vorgestrig. Die Regenbogenflagge etwa, die über der Oper weht, wirkt recht gegenwärtig.

Soll Pumuckl bei Operndirigent Hendrik Windmahler (Robert Palfrader) einziehen, wenn Florian Eder – vermeintlich – seine Werkstatt aufgibt? Constantin Film
Soll Pumuckl bei Operndirigent Hendrik Windmahler (Robert Palfrader) einziehen, wenn Florian Eder – vermeintlich – seine Werkstatt aufgibt?

Gelungen ist auch das Drehbuch von Korbinian Dufter und Matthias Pacht. Die Geschichte lehrt, dass man lieber zu viel als zu wenig miteinander reden sollte, um Missverständnissen vorzubeugen. Die Handlung ist kurzweilig und mit Wortwitz gewürzt. Sie hat einen erkennbar roten Faden, lässt aber auch Raum für sketchartige Begebenheiten und andere humorige Einsprengsel – sogar bis hinein in den Abspann. Da wird mal eben schnell noch eine lustige Kurzstory nachgereicht, die davon handelt, mit welchem Aufwand Pumuckl ein geschenktes Ei aus der bayerischen Provinz nach München transportierte.

Die Besetzung passt ebenfalls. Florian Brückner ist ein würdiger Nachfolger des unvergessenen Gustl Bayrhammer. Sein Florian Eder ist hochsympathisch, die Interaktion mit dem getricksten Kobold könnte besser kaum sein. Herzig auch Kabarettistin Gisela Schneeberger als Burgi, die es so gern sähe, wenn Florian ihre Schreinerei übernehmen würde. Oder Matthias Bundschuh als Meister Eders wohlmeinender, aber stoffelig-umständlicher Nachbar Herr Burke. Besonders erfreulich aber ist natürlich das – wenn auch eher kurze – Wiedersehen mit Ilse Neubauer als Frau Stürtzlinger. Die bayerische Volksschauspielerin hatte diese Rolle bereits in der Ur-TV-Serie inne.

Fazit: Hurra, hurra, der Pumuckl ist wieder da! Und das mit einer schönen Geschichte, viel herzigem Humor und jeder Menge bayerischem Retro-Charme. Der Film macht Lust auf die zweite Staffel der neuen Geschichten vom Pumuckl, die ab Ende dieses Jahres bei RTL+ zu sehen sein soll – wieder von Marcus H. Rosenmöller inszeniert.

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