Erst Flop, dann Kult – und 28 Jahre später kommt die Fortsetzung!
Von Dobrila KonticVor fast drei Jahrzehnten ist mit „Zauberhafte Schwestern“ ein unberechenbarer Mix aus Grusel, Romantik, Komödie und Tragödie in die Kinos gekommen. Dass der Film bis heute noch immer einen Platz in der Popkultur hat und jetzt sogar eine Fortsetzung erhält, könnte man fast für Hexenwerk halten. Schließlich fielen die Kritiken 1998 recht durchwachsen aus: Zu mäandernd und wirr war vielen Rezensent*innen der Plot um Gillian (Nicole Kidman) und Sally Owens (Sandra Bullock), die nach dem Tod ihrer Eltern in einer malerischen Kleinstadt an der US-Ostküste bei ihren hexenden Tanten aufwachsen. Im Verlauf des Films, bei dem sich Tragik und Humor oft ziemlich abrupt abwechseln, kommen die Schwestern zudem mit dem Familienfluch in Berührung, der jeden sie liebenden Mann früh dahinscheiden lässt. „Zauberhafte Schwestern“ galt deshalb lange als nicht weiter zu beachtender Flop. Ähnlich wie bei „Fight Club“ (1999) oder „Donnie Darko“ (2001) war „Zauberhafte Schwestern“ jedoch eine zweite Chance vergönnt:
Ein größtenteils weibliches Publikum entdeckte den Film in den darauffolgenden Jahrzehnten auf VHS, im Fernsehen und auf DVD neu – und fand plötzlich viel Gefallen an dem bei allem Schmerz beschwingten Tonfall des Films, dem Naturnähe und Gemütlichkeit betonenden Produktionsdesign sowie der zentralen Botschaft, die sich weniger um romantische Liebe als das untrennbare Band zwischen zwei ungleichen Schwestern dreht. Trotz oder gerade wegen seiner Seltsamkeiten wie der teils sehr plötzlichen Integration von ernsten Themen wie häuslicher Gewalt avancierte „Zauberhafte Schwestern“ zum heißgeliebten Wohlfühlfilm, der gleich mehrere Generationen von Frauen ansprach. Spätestens ab den 2020er Jahren, als in den sozialen Medien ein Interesse an praktizierter Hexerei und einer „Witchy“-Ästhetik wiedererwachte, wurden die Rufe nach einer Fortsetzung lauter. Mit „Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern“ wurden sie nun erhört. Aber wurden sie auch verstanden?
Warner Bros.
Wie schon bei „Zauberhafte Schwestern“ stammt die Vorlage auch diesmal wieder von der Schriftstellerin Alice Hoffman. „Practical Magic 2“ orientiert sich am vierten Band der Reihe über die Owens-Familie, „The Book of Magic“. Der Film eröffnet mit einem von Sandra Bullock eingesprochenen Voiceover, das gleich mit harten Fakten aufwartet: Anders als am Ende von „Zauberhafte Schwestern“ suggeriert, ist der Familienfluch noch nicht gebannt und ihr damaliger Geliebter Gary (Aidan Quinn) ist einige Jahre nach ihrem Zusammenkommen verstorben. In ihrem Kummer schwört Sally daraufhin jeglicher Hexerei ab. Stattdessen will sie ihre zwei Töchter von der familiären „Gabe“ fernhalten. Ein Zeitsprung in die Gegenwart zeigt Sally als etwas überspannte Witwe, die die Stadtbibliothek in einer Küstenstadt führt und ominöse Begebenheiten in ihrem Umfeld – darunter einen ihr ständig folgenden Raben – einfach stur ignoriert.
Dass es trotz Sallys Trauer von Beginn an schwungvoll zugeht, ist dem Wiedersehen mit der immer noch ungezügelten Gillian und den beiden betagten Tanten Franny (Stockard Channing) und Jet (Dianne Wiest) zu verdanken. Diese pflegen weiterhin ihre magischen Kräfte und übergehen dabei nonchalant Sallys Abwehrhaltung. Gerne würde man hier einfach nur in Nostalgie schwelgen, wenn nicht etwas Irritation wegen der Timeline aufkäme: Als Sallys erwachsene Töchter Kylie (Joey King) und Antonia (Maisie Williams) sich zu Jets Geburtstag einfinden, fragt man sich schon, warum Evan Rachel Wood ihre Rolle als Sallys Tochter aus dem ersten Teil nicht selbst wieder einnehmen konnte und ob das mit den 25 Jahren Plot-Abstand zum ersten Teil wirklich hinkommt. Auch die fehlende Erinnerung der Töchter an jegliche Hexerei, die sie im ersten Teil ja daheim sehr wohl miterlebt haben, verwundert etwas.
Warner Bros.
Doch wer es schafft, diese Kontinuitäts-Verwirrung erfolgreich zu verdrängen, erlebt schon bald eine wohlige Vertrautheit. Bei aller Meinungsverschiedenheit zwischen Gillian und Sally ist die schwesterliche Nähe weiterhin spürbar, die Kidman und Bullock wunderbar wiederaufleben lassen. Den Rest tut der Plot, der erneut ein dichtes Aufeinanderfolgen von tragischen Schicksalsschlägen und belebenden Momenten bietet. So finden sich Sally und Gillian bald auf einer Reise nach England wieder, um zu verhindern, dass der gefürchtete Familienfluch erneut zuschlägt – bei Kylies Freund Gideon (Xolo Maridueña), der nach einem Auffahrunfall im Koma liegt. Dabei soll ihnen der mit Magie vertraute Professor Ian Wright (Lee Pace) behilflich sein, dem Sally bei aller Anziehung mit womöglich begründetem Misstrauen begegnet.
Mit dieser Mischung aus bekannten und nur leicht weiterentwickelten Elementen um die Geschichte der Owens-Familie und das Hadern Sallys mit ihrer Herkunft betritt „Practical Magic 2“ sicherlich kein neues Terrain, sondern zielt auf das ab, was schon „Zauberhafte Schwestern“ ausgemacht hat: einen Komfort, der sich aus der schwungvollen Verknüpfung von Düsternis und Licht, bitteren Lebensrealitäten und magischem Realismus ergibt. Regisseurin Susanne Bier, die mit Kidman bereits „Ein neuer Sommer“ und mit Bullock „Bird Box“ gedreht hat, setzt mit einer ähnlichen Verve in der Inszenierung fort, was Originalregisseur Griffin Dunne beim ersten Teil vorgemacht hat. Das Skript hat hingegen mitunter Schwierigkeiten, die Erzählstränge elegant ineinanderzuflechten. So haben Figuren wie Franny und Antonia leider allzu oft das Nachsehen.
Zudem zeigen der artifiziell warme Schein der Farbgebung und die leicht künstlich wirkende Patina etwas schmerzhaft auf, dass wir uns knapp drei Dekaden nach dem damals noch von natürlichem Licht und Schatten durchfluteten Teil zu einem späten Sequel einfinden. Trotzdem bleibt auch die Fortsetzung kompromisslos den so geschätzten Botschaften des ersten Teils treu und ist von solch einer Lebensfreude durchzogen, dass man sich bei aller Unvollkommenheit ihrem Charme als Fan von „Zauberhafte Schwestern“ kaum verschließen kann.
Fazit: „Practical Magic 2“ setzt den Plot um die Owens-Schwestern mit gewohnt tragikomischem Schwung, aber auch einigen Unebenheiten fort. Dem Charme dieses auf nostalgischen Komfort setzenden Sequels kann man sich aber einigen Kontinuitäts-Lücken zum Trotz einfach nicht entziehen.