Ein Großstadtabenteuer für die kleinen Kinofans!
Von Björn BecherMit „Schläfer“ und „Der Räuber“ hat Benjamin Heisenberg zwei der faszinierendsten deutschsprachigen Thriller-Dramen der vergangenen rund 20 Jahre inszeniert. Die Kamera ist in diesen Filmen oft distanziert, ein kühler Beobachter. Die Erzählung ist minimalistisch, viel wird nonverbal über Gesten und vor allem Blicke kommuniziert. Schon mit seinem dritten Spielfilm „Über-Ich und Du“ zeigte der Regisseur aber auch eine andere Seite. Die absurd-komische Satire mit grotesken Einschüben kommt viel verspielter daher – was nicht nur die Bildgestaltung, sondern auch der Musikeinsatz unterstreichen. Nach einem Jahrzehnt Kinopause, in dem Heisenberg unter anderem einen Roman geschrieben hat, treibt er diese expressivere Inszenierung noch eine Spur weiter – und das nicht ohne Grund.
Denn „Der Prank - April, April!“ hat ein ganz anderes Zielpublikum als die vorherigen Werke von Benjamin Heisenberg. Es ist ein Kinderfilm. Wer nun aber befürchtet, dass ein solcher Genre-Wechsel bei einem Regisseur, der lange der sogenannten Berliner Schule zugerechnet wurde, eher spröde ausfallen könnte, darf beruhigt aufatmen. Das absolute Gegenteil ist der Fall. „Der Prank“ ist ein wunderbar dynamisches Großstadtabenteuer, in dem es fast immer nur vorwärts geht. Das Spiel mit filmischen Vorbildern und Kino-Klischees sorgt für Humor und rasante Action – sowohl für die Kids als auch für die erwachsene Begleitung.
Port au Prince Pictures
Der zwölf Jahre alte Lucas (Noèl Gabriel Kipp) ist genervt. Schließlich hat er aktuell nicht nur den chinesischen Gastschüler Xi Zhou (Max Zheng) an der Backe, sondern am Nachmittag auch noch ein wichtiges Klaviervorspielen. Er soll seinem heimlichen Schwarm Charly (Maïmouna Rudolph–Mbacké) zu einem Stipendium verhelfen und hat mächtig Schiss, es zu verbocken und damit bei ihr unten durch zu sein. Doch dieser 1. April verläuft ohnehin schnell in ganz anderen Bahnen als gedacht. Denn als Xi das Konzept des Aprilscherzes für sich entdeckt, spielt er kurzerhand selbst einen Streich.
Doch ein von ihm ausgetauschter Pizzakarton, den der Nachwuchsrapper Schaaf (Cedric Eich) eigentlich zu einer bestimmten Uhrzeit an eine bestimmte Adresse bringen soll, löst eine Kette unvorhergesehener Ereignisse aus. Bald schon sitzen die beiden Jungs nicht wie geplant in der Schule, sondern befinden sich auf einer atemlosen Hetzjagd durch Berlin, an der sich auch eine Bande Gangster-Rapper, ein trotteliges Polizei-Duo sowie schließlich sogar die lokale Mafia beteiligt...
„Der Prank“ beginnt mit einer an „Wallace & Gromit“ erinnernden Konstruktion, mit der Lucas' Vater (Mehdi Nebbou) seine Frau Maria (Laura Tonke) überrascht: Mithilfe einer mechanischen Kettenreaktion soll das Frühstück automatisch bei ihr landen – und natürlich geht alles ein klein wenig schief, sodass der Kaffee auf Teller und Tisch statt in der Tasse landet. Diese witzige Spielerei nimmt einer Ouvertüre gleich auf gewisse Art schon den folgenden Film vorweg: Denn auch Xis Pizzakartontausch-Prank löst eine Kette von Ereignissen aus, bei der immer alles ein bisschen danebengeht – und so türmt sich der Schlamassel Volte um Volte immer weiter auf.
Ein bisschen bemüht wirkt es schon, wie die Ereignisse in ständiger Bewegung gehalten werden. Aber das stört eigentlich kaum. Denn es macht durchgängig Spaß – auch dank der gut miteinander harmonierenden zwei Jungs im Mittelpunkt. Dazu verleiht die sich ebenfalls fast immer in Bewegung befindende Kamera von Timon Schäppi („4 Blocks“) dem Geschehen eine durchgehende Dynamik. Zeit zum Stillstehen und Durchschnaufen gibt es in „Der Prank“ kaum. Bei ihrem sich quer durch Berlin erstreckenden Abenteuer kommen Lucas und Xi immer wieder an neue Orte, nur um kurz darauf festzustellen, dass sie sofort weiter zum nächsten müssen.
Port au Prince Pictures
Benjamin Heisenberg und sein Co-Autor Peer Klehmet („Fünf Freunde“) arbeiten dabei ganz bewusst mit Klischees. Während die Donuts mampfende Polizei in ihrer Tollpatschigkeit doch eher mit der Humorkeule im Film platziert wirkt, ist der Kniff hinter den Gangsterrappern, die Schaaf erst auf seine Liefermission geschickt haben, deutlich cleverer. Hier wird nämlich nicht nur mit Vorurteilen gespielt, sie werden auch geschickt gebrochen.
Zudem machen die selbst aus der Musikszene kommenden Yasin El Harrouk (aka Yonii), Patricia Pembele (aka Die P) sowie Matthias Schulze (aka SILLA) als vermeintlich richtig böses Trio eine Menge Spaß – gerade im Zusammenspiel mit Szenendieb Cedric Eich („Irgendwann werden wir uns alles erzählen“) als auf den großen Durchbruch hoffender Nachwuchsrapper. Schaafs erster Ohrwurm dient zudem immer wieder als gelungene musikalische Untermalung des Großstadtabenteuers.
Obwohl die Technik – vom selbstfahrenden Tesla bis zum Handy als wichtigem Werkzeug weit über Kommunikation hinaus – eine große Rolle in „Der Prank“ spielt, bringen am Ende doch die gute alte Cleverness und ein Sack Mehl den Sieg. Gemeinsam mit dem Streifzug der Jungs durch ein an einem warmen Apriltag vom Sommer geküsstes Berlin kann man dies auch als klaren Appell an die Kinder verstehen, sich vom Smartphone-Bildschirm zu lösen. Schließlich ist da eine reale Welt zu entdecken und zu erobern.
Die größte Stärke von „Der Prank“ ist dabei, dass diese Botschaft nicht mit dem gerne im Kinderkino erhobenen Zeigefinger eingebläut wird. Nein, Heisenbergs Kinderfilm macht – Jung wie Alt! – einfach so viel Spaß, dass man danach Lust hat, selbst sein eigenes Abenteuer zu erleben. Oder auch einfach mal die vielen bekannten, aber auch die teilweise unbekannten Ecken der eigenen Stadt wieder zu erkunden.
Fazit: „Der Prank - April, April!“ ist ein temporeiches Großstadtabenteuer, das mit Klischees spielt (und viele davon auch geschickt bricht). Benjamin Heisenberg liefert eine wilde, dynamische Jagd durch Berlin mit einer durchgehend so hohen Energie, dass es kaum ins Gewicht fällt, wenn manche Wendung etwas forciert wirkt. Das Ergebnis ist ein kreativer und unterhaltsamer Film mit viel Herz.