Clayface
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Clayface

Der bisher beste DCU-Film ist ausgerechnet ein Horrorfilm!

Von Julius Vietzen

Eines steht fest: Obwohl sie trotz der Übernahme von Warner Bros. durch Paramount ihre Jobs (erst einmal) behalten dürfen, benötigen die DC-Chefs James Gunn und Peter Safran nach dem Flop von „Supergirl“ dringend einen Sieg! Der zweite Film des mit „Superman“ neugestarteten DC Universe (DCU) spielte bei einem Budget von mindestens 170 Millionen Dollar weltweit gerade einmal rund 125 Millionen Dollar ein. Nicht nur von der Fachpresse (2,5 Sterne bei FILMSTARTS), auch von den Fans gab es kaum mehr als ein Schulterzucken. Immerhin ist zuletzt mit „Lanterns“ zumindest im Streaming schon mal ein echt starkes Comeback gelungen …

… und auch im Kino findet das Comic-Franchise jetzt erst einmal zurück in die Spur, wenn auch mit einem besonders ungewöhnlichen Vertreter des Genres: „Clayface“ ist der bisher beste DCU-Film – und das, obwohl er in düsteren Gruselgefilden fischt und auch bezüglich des Budgets nicht mal ansatzweise mit „Superman“ oder „Supergirl“ mithalten kann. Aber „Clayface“ zeigt nachdrücklich, dass eine gewisse Sparsamkeit kein Nachteil sein muss, ganz im Gegenteil: Auf Basis eines Entwurfs von Horror-Guru Mike Flanagan („Spuk in Hill House“) und eines Skripts von Hossein Amini („Drive“) ist „Speak No Evil“-Regisseur James Watkins ein kleiner, aber feiner und vor allem richtig schön fieser Body-Horror-Trip über den titelgebenden Batman-Bösewicht gelungen.

Der spätere Clayface Matt Hagen (Tom Rhys Harries) steht kurz vor dem großen Durchbruch als Schauspieler. Warner Bros.
Der spätere Clayface Matt Hagen (Tom Rhys Harries) steht kurz vor dem großen Durchbruch als Schauspieler.

Der aus Gotham City stammende Schauspieler Matt Hagen (Tom Rhys Harries) wähnt sich bereits am Ziel seiner Träume: Soeben hat er seine erste Oscar-Nominierung erhalten – und ohnehin scheint ihm eine steile Karriere im DC-Hollywood-Äquivalent Coast City bevorzustehen. Doch dann lässt er sich beim Feiern in einem Nachtklub auf Mia (Joana Ribeiro), die Geliebte des Gangsterbosses Markos Szabo (David Dencik), ein – und schon am nächsten Morgen folgt das böse Erwachen: Szabo zerschneidet Matts Gesicht und lässt ihn entstellt zurück.

Weil Szabo zudem die Medien und die Justiz in Gotham in der Tasche hat, verliert Matt bei dem Versuch, Gerechtigkeit einzufordern, auch noch seinen Ruf und sein Vermögen. Doch dann lernt Matt die Wissenschaftlerin Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) kennen, die ein revolutionäres regeneratives Heilverfahren entwickelt hat. Matt stellt sich als Versuchsperson zur Verfügung, doch die zunächst erfolgreiche Behandlung hat schon bald unerwartete Nebenwirkungen: Der immer unmenschlicher agierende Matt kann sein Aussehen und seine Gestalt ändern, als sei sein Körper aus Lehm – was ihm auf seinem Rachefeldzug wie gerufen kommt …

Der beste DCU-Film – und der brutalste!

„Clayface“ ist der erste DCU-Film, der in den USA ein R-Rating und damit eine Altersfreigabe für Erwachsene erhalten hat. Die damit einhergehenden Freiheiten schöpft Regisseur James Watkins auch genüsslich aus – nicht bloß Comic-Fans, sondern vor allem auch Horror-Aficionados kommen hier also voll auf ihre Kosten. In „Clayface“ wird geflucht, es gibt Sex und nackte Haut, doch vor allem geht Watkins beim Body-Horror sowie der Gewaltdarstellung kein bisschen zimperlich zur Sache. Da werden Gesichter und andere Körperteile in Nahaufnahme zerschnitten, Hautstreifen abgehobelt und Köpfe zermatscht. Und wenn sich Matt nach einer Verwandlung die zugewachsenen Augenlider aufschneidet, mit einer Nagelschere (!) im Flugzeugklo (!!) bei Turbulenzen (!!!), kann man sich im Kinosessel so richtig schön hin- und herwinden.

Während der Racheplot in schöner Regelmäßigkeit für solche Splatter- und Ekelszenen sorgt, vergisst „Clayface“ aber auch den psychologischen Horror nicht: Eine der Highlight-Szenen womöglich sogar des kompletten Kinojahres 2026 ist ein Moment, in dem Caitlyn ihren Patienten Matt beim Schlafen beobachtet. Matt verwandelt sich halb in Caitlyn, liebkost mit seinem Arm sein verwandeltes (also ihr) Gesicht und wälzt sich in einer Art Aus-Zwei-mach-Eins-Sexszene im Bett herum. Ein faszinierend-verstörender Moment – erst recht, weil er in das blassgrüne Licht einer Nachtsichtkamera getaucht ist und dann sogar noch durch einen finalen Jumpscare abgerundet wird.

Die Nagelscheren-Szene gehört definitiv zu den Body-Horror-Highlights von „Clayface“. Warner Bros.
Die Nagelscheren-Szene gehört definitiv zu den Body-Horror-Highlights von „Clayface“.

Neben solchen inszenatorischen Glanzpunkten fällt ein anderer Aspekt von „Clayface“ jedoch spürbar ab: Der Film beginnt zwar mit einem peppigen Auftakt, bei dem die DC-Metropole Coast City stellvertretend für die Traumfabrik steht und sogar ein Gegenstück zum (ehemaligen) DC-Mutterkonzern Warner Bros. existiert. Allerdings haben Watkins und Co. nicht mehr dazu zu sagen, als dass sich im Haifischbecken Hollywood jeder selbst der Nächste ist – so weit, so bekannt. Da gab es in den vergangenen Jahren definitiv bissigere und scharfsinnigere Abrechnungen, etwa die preisgekrönte Apple-TV-Serie „The Studio“.

Im Gegensatz zu dieser etwas müden Hollywood-Satire ist die Live-Action-Premiere des neuen Gotham City in „Clayface“ jedoch vollends gelungen (nachdem es in der DCU-Serie „Creature Commandos“ schon einen ersten animierten Eindruck davon gab): James Watkins und sein Kameramann Rob Hardy („Ex Machina“) fangen die Heimatstadt von Batman in dreckigen und stimmungsvollen, weil gerade nicht (!) düster-farbentsättigten Bildern ein – und heben sich so gleichzeitig deutlich von früheren Gotham-Versionen ab.

Überall Müll, Graffiti und stimmungsvolle Beleuchtung: Das neue Gotham ist ein echter Hingucker! Warner Bros.
Überall Müll, Graffiti und stimmungsvolle Beleuchtung: Das neue Gotham ist ein echter Hingucker!

Gotham ist in „Clayface“ keine comichaft überspitzte Kulisse wie bei Tim Burton oder Joel Schumacher und keine Hochglanz-Metropole wie bei Christopher Nolan, sondern ein albtraumhaftes Abbild von New York City, in dem sich der Müll auf den Straßen türmt und überall feuerspuckende Fabrikschlote emporragen. Am ehesten erinnert der Look noch an Matt Reeves’ „The Batman“ – kein Wunder, schließlich wurden beide Filme in Liverpool gedreht. Nach „Clayface“ können wir es jedenfalls kaum erwarten, bis Batman im bereits angekündigten DCU-Film „The Brave And The Bold“ durch diese Version von Gotham streift.

Fazit: „Clayface“ ist der bisher beste DCU-Film, weil Regisseur James Watkins mit ebenso brutalen wie verstörenden Szenen die Möglichkeiten eines Superschurken-Body-Horrorfilms gekonnt ausschöpft. Daneben überzeugt auch das DCU-Debüt von Gotham City, während die mit eingebaute Hollywood-Satire enttäuschend handzahm daherkommt.

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