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    Beaufort
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Beaufort
    Von Björn Helbig
    Genauso wie Krieg ist auch der Film über ihn eine unendliche Geschichte. Mit „Beaufort“ beleuchtet nun der junge israelische Regisseur Joseph Cedar eine dessen weiterer Facetten. Eine Gruppe von Soldaten, die den Titel gebenden Stützpunkt bewachen, erlebt die klaustrophobische Enge des Bunkers, den wiederholten Verlust von Kameraden, den Schrecken der regelmäßigen Raketenangriffe – und die lange, monotone Zeit des Wartens. Auch der Zuschauer erfährt durch den Film dieses Wechselbad der Gefühle. Leider herrscht zu großen Teilen das Gefühl der Langenweile vor. Der Film gewann auf der Berlinale den Silbernen Bären für die beste Regie.

    Der Schauplatz des Geschehens ist die Festung Beaufort im Jahre 2000, die während des Libanon-Krieges 18 Jahre zuvor von der israelischen Armee erobert wurde. Die Rückgabe der Festung steht bevor, und so erlebt der Zuschauer gemeinsam mit einer Handvoll Soldaten die letzten Tage dieser Anlage. Da ist z.B. der junge Kommandant Liraz (Oshri Cohen), der mit seiner Verantwortung für die anderen hadert und mit ansehen muss, wie seine Kameraden einer nach dem anderen Bombenanschlägen zum Opfer fallen; oder der Sprengstoffexperte Ziv (Ohad Knoller), der eingeflogen wird, um außerhalb der Festung eine Mine zu entschärfen. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die in ihr Gefechtszeug eingezwängten Soldaten allerdings schwer auseinanderzuhalten. Auch wenn Namen fallen – Shpitzer, Meir, Koris – es dauert eine Weile, bis man die Namen mit Gesichtern und Persönlichkeitsmerkmalen in Zusammenhang bringen kann.

    Doch dürfte es dem in New York geborenen Joseph Cedar („Time Of Favor“) auch nicht um das Portrait von Einzelschicksalen gegangen sein, auch wenn immer wieder biographische Informationen eingestreut werden. Angelehnt an einen Roman von Ron Leshem erzählt Cedar mit „Beaufort“ eine Geschichte, in die er die eigenen Erfahrungen seines Wehrdienstes einfließen lässt. Es scheint, als sei es ihm um die filmische Aufarbeitung einer ganz spezifischen (Kriegs-)Atmosphäre gegangen: Das sinnlose Halten einer Stellung, deren Aufgabe sowieso schon beschlossene Sache ist, das tagelange zermürbende Warten, das nur von plötzlichen Gewalteruptionen eines für die Soldaten – und für den Zuschauer anonymen Gegners – durchbrochen wird. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, ob er Cedars Film als Aufarbeitung einer kurzen Passage der Beaufort-Festung sehen, oder ob er die Geschichte beispielhaft für etwas Allgemeines des Israel-Libanon-Konflikts oder Konflikte generell betrachten möchte. Aber hier beginnt schon ein Problem des Films. Die wahren Ereignisse, welche die Grundlage darstellen, dürften den meisten Zuschauern in ihrer Komplexität unbekannt sein – zumal auch „Beaufort“ keine Anstalten macht, dem Zuschauer Hintergrundinformationen zu liefern. Auf die Frage, ob der Film neben seiner atmosphärischen Situationsbeschreibung auch eine tiefere Aussage hat, kann so leicht keine Antwort gegeben werden. Die israelischen Soldaten harren in ihrer Festung auf Befehl von oben, versuchen Bomben zu entschärfen und werden beschossen. Sie selbst schießen nie. Ob der Film so als Allegorie für die echten Konflikte oder sogar Kriege im Allgemeinen taugt, darf jedenfalls bezweifelt werden. Im Krieg schießen ja meistens beide Seiten.

    So bleibt dem Zuschauer nicht viel mehr, als das Kriegs- und Festungsambiente auf sich wirken zu lassen. Zu den Stärken zählt auf jeden Fall die erste halbe Stunde, welche die Ankunft des Minenentschärfers Ziv sowie dessen Entschärfungsversuch zeigt - toll gefilmt und sehr gut gespielt. Danach beginnt das große Warten. Anfangs wirkt die Atmosphäre des Ortes, die klaustrophische Situation, die sinnlosen Opfer und bindet den Zuschauer emotional ein, so dass es der Film mitunter schafft, richtig zu packen. Auch hier zeigt sich Cedar als guter bis sehr guter Regisseur. Doch irgendwann reicht sein Können nicht mehr aus, um die Monotonie der Geschichte zu decken, so dass die Langeweile der Soldaten auf den Zuschauer überzuschwappen droht.

    So fällt auch das Fazit durchwachsen aus. Cedar ist es gelungen, tagelanges Warten zu inszenieren und mit seinem Beitrag ein weiteres Mal die gefühlte Sinnlosigkeit des Krieges zu illustrieren. Konzeptionell ist der Film stimmig, aber sein Unterhaltungswert sowie sein Informationsgehalt den realen Konflikt betreffend sind niedrig. „Beaufort“ zeigt nichts, was man in anderen Filmen nicht eindruckvoller gesehen hätte. Auch der Wechsel von Todesangst zu tödlicher Langeweile ist schon – z.B. in Wolfgang Petersens Das Boot – eindrucksvoller inszeniert worden. Die Wirklichkeit hat das Filmende, das sich einen leisen, hoffnungsvollen Ton erlaubt, indes schon wieder überholt. Auch wenn gezeigt wird, wie die 18-jährige Besatzung der Israelis zu Ende geht, markiert „Beaufort“ doch keinen Wendepunkt des Konflikts. Nach der Aufgabe und Zerstörung der Festung im Jahre 2000 und dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon 2002 gab es immer wieder blutige Auseinandersetzungen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet sowie zahlreiche „Aktionen und Reaktionen“, Angriffe und Vergeltungsschläge.
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