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    Jarhead 4: Law Of Return
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Jarhead 4: Law Of Return

    Schon die dritte Rückkehr "in den Dreck"

    Von Lutz Granert
    Der Regisseur Don Michael Paul ist so etwas wie die „Geheimwaffe“ der großen Studios, wenn es darum geht, preisgünstige und dabei trotzdem – und das muss man ihm lassen – mit reichlich Pyrotechnik und Effekten angereicherte Fortsetzungen von Kinoerfolgen für den Heimkino-Markt abzuliefern. So führte er für Sony mit „Sniper: Legacy“ und „Sniper: Ghost Shooter“ schon zweimal die bleihaltige Familiensaga rund um den Elite-Scharfschützen Thomas Beckett weiter – wobei die Beteiligung des einstigen „Platoon“-Fieslings Tom Berenger in dieser Rolle altersbedingt immer spärlicher ausfällt. Für Universal grub Paul hingegen in gleich drei „Tremors“-Sequels die Graboiden wieder aus, wobei der zum Hauptdarsteller beförderte Michael Gross neben den gefräßigen Viechern die einzige verbliebene Verbindung zum originalen „Im Land der Raketenwürmer“ aus dem Jahr 1990 darstellt.

    Auch bei „Jarhead 2: Zurück in die Hölle“ saß Don Michael Paul auf dem Regiestuhl. Dabei hatte der einfach gestrickte Kriegs-Actioner um einen Einsatz in Afghanistan mit dem mit absurdem Humor gewürzten, psychologisch ausgefeilten Irakkriegsdrama „Jarhead – Willkommen im Dreck“ mit Jake Gyllenhaal rein gar nichts mehr gemein. Einfach eine clever (oder freche) Vermarktungsstrategie. Kein Wunder also, dass auch „Jarhead 4: Law Of Return“ nun wieder ohne jeglichen Bezug zum Erstling auskommt. Paul zimmert diesmal einen Reißbrett-Plot um eine Rettungsmission zusammen, die zwar in Syrien und Israel spielt, aus Kostengründen aber weitgehend in Bulgarien gedreht wurde. Unterm Strich steht ein handwerklich sauberer, aber auch sehr generischer Action-Thriller mit einem austauschbaren Figurenensemble.

    Die Soldaten bleiben zwar austauschbar - aber zumindest haben sie ordentlich Firepower mitgebracht...


    Im Juni 2018 hat der jüdische US-Amerikaner Ronan Jackson (Devon Sawa) durch das sogenannte Law Of Return die israelische Staatsbürgerschaft erworben und arbeitet nun als Kampfpilot für die israelische Luftwaffe. Bei einem Einsatz über den Golanhöhen wird seine Maschine jedoch von feindlichen Truppen abgeschossen und stürzt auf syrischem Staatsgebiet ab.

    Ronan überlebt zwar leicht verletzt, wird allerdings von einer syrischen Terrormiliz gefangengenommen und verschleppt. Ronans Vater (Robert Patrick), ein US-Senator, setzt alles daran, seinen Sohn zu retten, selbst wenn dessen Überlebenschancen stündlich sinken. Eine Gruppe US-Marines unter Leitung von Sergeant Torres (Amaury Nolasco) und einige Mossad-Agenten erhalten den gemeinsamen Befehl, Ronan aus den Klauen der Terroristen zu befreien...

    Viel nackte Haut und wenig Charakter


    In der ersten halben Stunde drückt „Jarhead 4: Law Of Return“ gleich ordentlich auf die Tube – wobei einige Kuriositäten nicht ausbleiben: So wird Ronan als nachdenklicher, aber auch liebender Ehemann eingeführt – inklusive nächtlichen Nackt-Kuschelns mit seiner Frau Avigail (Shanti Ashanti), bei dem man nicht nur seine Tattoos, sondern auch ihre Reize ausgiebig zu sehen bekommt. Warum der hier blass bleibende „Final Destination“-Star Devon Sawa als Ronan über weite Strecke unbekleidet oder bei seiner späteren Folter nur in Unterhose zu sehen ist, bleibt ebenso ein Geheimnis der Skripts wie der Umstand, dass er seinen Vater ausgerechnet telefonisch von der Schwangerschaft seiner Frau berichtet, während er sich gerade atemlos auf dem Rennrad durch das belebte Eliat abstrampelt.

    Das Drehbuch schert sich aber sowieso nicht wirklich um so etwas wie Charakterzeichnung. Von den Marines gewinnt nur Sergeant Torres etwas Profil, der – ganz Familienmensch – hin und wieder einmal zuhause anruft oder selbst im ruckeligen Panzerfahrzeug noch an seine Teenager-Tochter schreibt. Alle anderen Soldaten sehen mit Bart und dicker Wumme nicht nur gleich aus, sondern bringen auch dieselben albernen Sprüche um die Vergabe von Spitznamen oder „große Waffen“. Kein Wunder, dass ihr Ableben den Zuschauer*innen herzlich egal ist – und ein Drücken auf die Tränendrüse zum Gedenken an die toten Kameraden im Epilog umso aufgesetzter wirkt.

    Wie in so vielen günstigen Heimkino-Fortsetzungen spielt auch hier ein Star mit, der seinen Part wahrscheinlich an nur wenigen Tagen abgedreht hat: diesmal "Terminator 2"-Bösewicht Robert Patrick.


    „Jarhead 4: Law Of Return“ lebt aber ohnehin mehr von seiner stets spürbaren Grundspannung beim Kampf gegen die Zeit (die immer wieder eingeblendet wird) sowie der patent inszenierten Action mit reichlich Pyrotechnik. Nach Ronans Absturz bildet ein dichtes Sonnenblumenfeld eine originelle Kulisse für ein ungleiches Feuergefecht, auch wenn dabei längst kein so erinnerungswürdiges set piece herausspringt wie beim erst unter Gasmaske, dann nahezu nackt vorgetragenen Schau-Footballspiel in „Jarhead – Willkommen im Dreck“ von 2005.

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    Dafür entfaltet sich dann im letzten Filmdrittel eine atemlose Verfolgungsjagd durch die Wüste nebst mit schnellen Schnitten eingefangenem Bleigewitter unter Einsatz etlicher Blood Packs, wenn mit schwerem Geschütz (und voluminösem Sound) aus allen Rohren gefeuert wird. Hier beweist Don Michael Paul wieder seine Qualitäten als Filmhandwerker, der auch mit kleinen Budgets effektiv umzugehen weiß und nur angenehm selten auf Computereffekte setzt.

    Fazit: Das Drehbuch ist so einfühlsam wie eine Panzerabwehrrakete, aber immerhin rumst es ordentlich! „Jarhead 4: Law Of Return“ bietet als nunmehr dritte Fortsetzung ohne Bezug zu Sam Mendes Kriegsdrama zwar keinerlei Überraschungen, aber dafür handwerklich routiniert inszenierte, bleihaltige Action.



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