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    Salami Aleikum
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Salami Aleikum
    Von Martin Thoma
    Ali Samadi Ahadi ist vor allem für seine erbarmungslos-ehrliche Dokumentation Lost Children über Kindersoldaten in Uganda bekannt. Damit, dass sein nächster Film ausgerechnet eine romantische Komödie über einen Iraner aus Köln und eine Frau aus der ostdeutschen Provinz sein würde, hätte wohl keiner gerechnet. „Salami Aleikum“ ist so ziemlich alles, was „Lost Children“ nicht ist: bunt, harmlos und sehr charmant.

    Der deutsch-iranische Endzwanziger Mohsen Taheri (Navid Akhavan) lebt noch bei seinen Eltern und hat keine Freundin. Eigentlich soll er die Fleischerei seines Vaters übernehmen, aber das Tiereabmurksen liegt ihm nicht so – er strickt lieber. Als dem Vater wegen der illegalen Entsorgung von Fleischereiabfällen die Lizenz entzogen wird, erklärt Mohsen sich als guter Sohn bereit, den Betrieb trotz seiner Vorbehalte weiterzuführen. Von einem dubiosen Händler lässt er sich polnische Schafe andrehen, die er aber selbst abholen muss. Auf dem Weg nach Polen bleibt Mohsen mit einer Autopanne in dem ostdeutschen Provinznest Oberniederwalde hängen. Seitdem dort nach der Wende die ansässige Textilfabrik stillgelegt wurde, ist der Ort so gut wie tot, und Fremde mag man dort schon gar nicht. Ausgerechnet hier verliebt sich Mohsen nun in die Kfz-Mechanikerin Ana (Anna Böger), eine ehemalige Kugelstoßerin mit einem entsprechenden Körperbau. Weil Ana Vegetarierin ist, erzählt er ihr, dass er die Schafe für eine Textilfabrik benötige. Bald sieht der gegenüber Iranern nun überhaupt nicht mehr feindselig eingestellte Ort in Mohsen einen potentiellen Investor für die stillgelegte Textilfabrik. Und mehr noch: Anas Vater (Wolfgang Stumph) zeigt sich plötzlich ganz begeistert von einer Verbindung zwischen ihm und seiner Tochter…

    Ähnlich komödiantisch überzeichnet wie die Handlung sind auch die Figuren des Films. Auf abwechslungsreiche, mitunter sehr geschickte Weise sind sie mal mit und mal gegen das jeweilige Klischee gebürstet, zu jeder Zeit aber liebenswert. Die Komödie strahlt dadurch eine gewisse Niedlichkeit aus, die seine – eher allgemeinen – politischen Aussagen in den Hintergrund rückt und die man einfach mögen muss. Ein Vergleich mit Michel Gondry (Vergiss mein nicht, The Science Of Sleep) liegt nahe, auch in der formalen Art der Überzeichnung. Eingeschobene animierte Fantasiesequenzen und kontrastreiche, stilistisch stark an Jean-Pierre Jeunet (Die fabelhafte Welt der Amelie) angelehnte „reale“ Szenen wechseln sich ab - oder besser: gehen ineinander über. Die Figuren wenden sich immer wieder direkt an die Zuschauer, zusätzlich erläutert eine ironische Off-Stimme im Tonfall eines Märchenerzählers die Handlung. Das alles hat viel Witz und Tempo, und ist dabei mitunter auf nette Weise auch mal etwas zu albern. Einzig mit den eingestreuten Bollywoodsequenzen hat sich Samadi Ahadi übernommen: Ihnen geht der Schwung der parodierten Vorbilder gänzlich ab und die Einschübe bremsen den Film eher aus, als dass sie ihn voranbrächten.

    Als wahre Highlights entpuppen sich die von Wolfgang Stumph und Michael Niavarani gespielten Väter der Hauptfiguren. Für sich sind sie schon urkomisch, im Zusammenspiel aber einfach unschlagbar. Auch Ana und Mohsen geben ein wirklich schönes Paar ab, für das mit dem iranischen Popstar Navid Akhavan und Anna Böger zwei absolut passende Darsteller gefunden wurden. Die genderpolitisch gute Absicht wird zwar ein bisschen zu stark in den Vordergrund gerückt, aber in Anbetracht der immergleichen Geschlechterrollenverteilung in den Standard-Rom-Coms kann man sich darüber eigentlich nur freuen – wobei die doch eher unkonventionelle Ankündigung „So und jetzt küss ich dich!“ sogar das Zeug zum Klassiker hat.

    Der Film behandelt seine Figuren aber nicht nur nett, er nimmt sie auch ernst (was nicht dasselbe ist). Alle diese leicht comicartigen Charaktere haben Probleme und Sehnsüchte, die ganz von dieser Welt sind. Das macht Samadi Ahadis bemerkenswertes Spielfilmdebüt endgültig sehenswert.
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