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    StreetDance 3D
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    StreetDance 3D
    Von Robin Eichelsheimer

    Was haben Flashdance, Footloose, und Step Up To The Streets gemeinsam? Natürlich lässt sich jeder von ihnen dem Tanzfilm-Genre zuordnen, aber wer genauer hinschaut, der entdeckt eine noch viel entscheidendere Parallele: Obwohl es den Filmen nicht schwer fällt, im ästhetischen Sektor zu punkten, kann die inhaltliche Ebene nur selten Schritt halten. „StreetDance 3D“ hat offensichtlich nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, sondern beschränkt Innovationen allein auf die optische, beziehungsweise technische Ebene. So ist der Film nicht nur der erste 3D-Tanz-Film, sondern auch der erste europäische Real-3D-Film überhaupt. Außer der Verlagerung der Geschichte in die britische Street-Dance-Szene bietet das Werk jedoch inhaltlich nichts, was man bei Genre-Nachbarn wie „Save The Last Dance“ oder Step Up nicht bereits zu sehen bekommen hätte. Doch eines muss man „StreetDance 3D“ von Max Giwa und Dania Pasquini lassen: Was hier tanzästhetisch über die Leinwand flimmert ist – um im Jargon der Street-Dancer zu bleiben – crazy shit!

    Gerade noch war alles wunderbar in der Welt der quirligen Carly (Nichola Burley), doch dann macht ihr charismatischer Freund Jay (Ukweli Roach) aus heiterem Himmel mit ihr Schluss und verlässt zu allem Überfluss auch noch die gemeinsame Crew, die es gerade ins Finale der britischen Street-Dance-Meisterschaften geschafft hat. Carly wird ins kalte Wasser geschmissen und muss nun nicht nur der Crew, sondern auch sich selbst beweisen, dass sie das Zeug dazu hat, das Team zum Sieg zu führen. Doch dafür braucht es erst einmal einen Übungsraum. Rettung kommt in Form von Ballettlehrerin Helena (Charlotte Rampling), die - beeindruckt von den Fähigkeiten der Crew - eine ungewöhnliche Bedingung stellt: Carly bekommt nur einen Proberaum, wenn sie gemeinsam mit den Spitzentänzern der Ballettschule trainiert, um diesen den nötigen Biss zu verpassen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen sich nicht nur die beiden Tanz-Kulturen, sondern auch Carly und Balletttänzer Tomas (Richard Winsor) näher…

    In den ersten drei Jahren von „Britain’s Got Talent“ – dem englischen Pendant zu „Das Supertalent“ von RTL – standen immer Street-Dancer oder gleich ganze Street-Dance-Crews im Finale der Show. Zwei Mal konnten die Tänzer am Ende sogar den ersten Treppenplatz für sich behaupten. Es ist also durchaus legitim, von einem plötzlich ausgebrochenen Tanzfieber bei den Inselbewohnern zu sprechen. So war es auch nur eine Frage der Zeit, bis dieser Mode mit einem Kinofilm Rechnung getragen wird. Das Regie-Duo Max Giwa und Dania Pasquini nimmt den Hype auf und versammelt in „StreetDance 3D“ alles, was im britischen Street-Dance Rang und Namen hat, darunter in Nebenrollen auch die „Talent“-Gewinner und -Finalisten wie Flawless, George Samspon oder Diversity. Gut so, denn was der Zuschauer in den gut 100 Minuten tänzerisch geboten bekommt, ist in höchstem Maße beeindruckend. Egal, ob Popping, Locking, Breaking oder Krumping: Umhüllt von krachenden Hip-Hop-Beats wird jeder Tanzstil perfekt beherrscht. Und auch die überaus akrobatischen Balletteinlagen lassen einen regelmäßig den unsichtbaren Hut ziehen vor der Leistung der größtenteils professionellen Tänzer.

    Doch genau da liegt auch ein großes Problem. Fast der gesamte Cast besteht aus Profitänzern, die zugleich aber auch Laiendarsteller sind und mit ihrem Spiel allzu oft ins Theatralische abrutschen. Aber das kann man ihnen eigentlich gar nicht richtig übel nehmen, denn sämtliche Konflikte wirken eh viel zu auferlegt, als dass man schauspielerisch noch das Ruder rumreißen und so noch einen letzten Funken Glaubwürdigkeit retten könnte. Was vielen Filmen Vielschichtigkeit verleiht, sind die spannenden Geschichten der Nebenfiguren, doch diese lässt die Autorin Jane English konsequent außer Acht. Und von der Vorhersehbarkeit der Geschichte fangen wir am besten gar nicht erst an. Nein, auf erzählerischer Ebene wird „StreetDance 3D“ wohl keinen Innovationspreis gewinnen. Aber das wollte das britische Team auch nicht. Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass die 08/15-Geschichte im Prinzip nur (un-)schmuckes Beiwerk ist, denn wie bereits der Titel „StreetDance 3D“ unverhohlen ausdrückt, geht es im Film nur um eines: nämlich dem Tanzen in der dritten Dimension.

    Und es gibt tatsächlich die ein oder andere Szene, der der 3D-Effekt gut zu Gesicht steht. Gerade wenn es in dem brechend vollen Club auf ein Battle zwischen den Erzrivalen-Crews hinausläuft, dann kommt das schon ziemlich cool rüber, und auch der finale Showdown weiß durch die räumliche Tiefe noch mehr als ohnehin schon durch die Vermischung der Tanzstile zu überzeugen. Doch wenn man die Tanzszenen, in denen dieser Effekt wirklich gut zu Tragen kommt, an einer Hand abzählen kann, dann ist das einfach nicht befriedigend, gerade wenn es um einen Film geht, in dem es quasi keine Szene gibt, in der nicht getanzt wird. Man sagt nichts Verkehrtes, wenn man behauptet, dass es den Filmemachern eher darum ging, die neue Technik überhaupt einzubinden, und nicht darum, sie besonders gut einzubinden.

    Fazit: Auch „StreetDance 3D“ kann sich wie diverse Vorgänger nicht dem fast schon genretypischen Fluch der inhaltlichen Abgedroschenheit entziehen. Trotzdem ist man dank der spektakulären Tanzszenen, die zumindest teilweise die 3D-Technik gut ausnutzen, und der interessanten britischen Street-Dance-Szene vom Totalausfall weit entfernt. Mit dem dritten Teil der „Step Up“-Reihe versucht die amerikanische Konkurrenz kommenden August 3D-technisch nachzuziehen, aber viel mehr gespannt darf man wohl auf den ersten deutschen 3D-Tanzfilm sein. Diesen hat mit „Pina“ nämlich niemand Geringeres als Wim Wenders mit und über die im Juni 2009 verstorbene Wuppertaler Tanzkünstlerin Pina Bausch gedreht, die als Kultfigur der internationalen Tanzszene und bedeutendste Choreografin der Gegenwart gilt.

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