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    The Day - Fight. Or Die.
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    The Day - Fight. Or Die.
    Von Tim Slagman

    Es ist mal wieder Weltuntergang. Die Frage nach dem Wie und Warum der Apokalypse haben auch Filmemacher bereits auf vielfältige, sehr unterschiedliche Weisen beantwortet; in der Regel bedeuten Endzeit-Szenarios im US-Kino aber vor allem: Anarchie, Gewalt, Spektakel – ganz gleich, ob am Schluss dann die utopische Aussicht auf Erlösung oder die endgültige Vernichtung der Menschheit steht. Douglas Aarniokoski, der als Assistent von Robert Rodriguez etwa bei „From Dusk till Dawn" viel über die Zuspitzung von Filmgewalt bis ins spektakulär Bizarre gelernt hat, geht bei der Inszenierung seines postapokalyptischen Dramas „The Day" allerdings wesentlich ruhiger und mit reduzierteren Mitteln vor als die meisten seiner Regie-Kollegen. So schafft er einen Entfaltungsraum für seine Figuren und damit auch einen Reiz, der über den Nervenkitzel des Makabren deutlich hinausreicht – zumindest solange er den Kurs des behutsamen Erzählens hält.

    Nach dem Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation ist eine Gruppe Überlebender bereits von zwölf auf fünf Mitstreiter geschrumpft. Warum es zur Endzeit kam, das weiß niemand so genau, aber die Bedrohung ist allgegenwärtig. Einer aus der kleinen Gruppevon ihnen, Henson (Cory Hardrict) ist krank, keine Seuche, die ihn oder die anderen auslöschen würde, aber dennoch: Er sollte ruhen. Und es sind nur wenige Meilen bis ins Territorium „der anderen". Also zieht man sich in ein altes Farmhaus zurück. Es scheint lange niemand mehr hier gewesen zu sein. Im Keller finden sich ganze Kisten voller Konservendosen, der erste Lebensmittelfund seit langem, denn die Tiere scheinen mit der Gesellschaft ausgestorben. Ist das nicht zu schön, um wahr zu sein? Ja, das ist es...

    Douglas Aarniokoski („Highlander: Endgame") inszeniert seine Weltuntergangsgeschichte mit höchster Effizienz. Mit punktgenau geschriebenen Dialogen und einer sehr transparenten Bildsprache ist „The Day" angenehm straff und zugänglich ausgefallen. Diese Schnörkellosigkeit hat jedoch auch ihre Kehrseite. Hier ist alles bis zur Farbregie so genau gesetzt, dass man gelegentlich den Eindruck hat, Aarniokoski würde seinen Stoff für das Publikum vorkauen: Zum Auftakt zeigt er eine farbige Welt, in der einer der Protagonisten namens Adam (Shawn Ashmore) zwar schon kein Heim mehr hat, aber wenigstens noch Frau und Kind – die werden jedoch in den ersten Filmminuten verschleppt. Mit Adams Liebsten weicht dann auch die Farbe aus dem Film; das folgende Unheil ist derart entsättigt, dass „The Day" praktisch aussieht wie ein Schwarz-Weiß-Film.

    Während manche Regie-Entscheidungen also auffällig manipulativ wirken, bietet Aarniokoski seinem Publikum an anderer Stelle wiederum angenehm viel Raum, einen eigenen Bezug zum Geschehen aufzubauen. Und zwar vor allem durch eine geduldige Figurenzeichnung, wie sie im Postapokalypse-Kino sonst rar ist. Die emotional fragile Shannon (Shannyn Sossamon) etwa findet im Obergeschoss eine Lücke im Dach, sie nutzt den tropfenden Regen als Dusche, als Oase, für einen wahrhaft wunderbaren Moment der Ruhe. Ebenfalls stark: ein langes Verhör, ein hochintensives Wechselbad der Gefühle und Verdächtigungen, in dessen Verlauf Adam und der schweigsame Neuankömmling Mary (Ashley Bell) explosiv rauslassen, was sich in ihnen an psychischer Belastung angestaut hat.

    Nach diesen Einblicken in die Seelen aller Beteiligten geht's schnurstracks auf zur unvermeidlichen Schlacht ums Überleben. Die Isolation der Gruppe im Farmhaus weckt dabei Erinnerungen an „Die Nacht der lebenden Toten" oder John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht". In der Ruhe vor dem Sturm bekommen hier aber selbst die Belagerer noch Augenblicke der Menschlichkeit zugestanden; etwa wenn Mary betont, dass gerade Rachegelüste – Reaktionen auf enorme Verluste und Versehrungen – besonders menschlich seien. Lediglich bei den Actionszenen im letzten Akt wirkt „The Day" unübersichtlich und viel zu bequem aufgelöst: Wie Angriffsroboter stürmen die hier nun doch wieder zur anonymen Barbarenhorde degradierten Jäger auf den Unterschlupf zu, mit traumwandlerischer Sicherheit streckt der eben noch todkranke Henson wiederum einen Angreifer nach dem anderen nieder wie ein olympiareifer Meisterschütze.

    Auf den ersten Blick wirkt es, als hätte Aarniokoski thematisch wenig mehr zu erzählen, als dass der Mensch eben doch des Menschen Wolf bleibt – ein hinlänglich geläufiger Genre-Allgemeinplatz. Buchstäblich mit der letzten Blutfontäne setzt der Regisseur aber doch noch einmal einen eigenen Akzent und sorgt für Gerechtigkeit: Am Ende ist der Film dann keineswegs so pessimistisch wie es lange Zeit scheint. Aarniokoski setzt auf Ambivalenz, das zeigt nicht nur die konzentriert-differenzierte Figurenzeichnung, sondern auch die bewusste Beschränkung von Zeit und Ort, die im Weltuntergangsfilm sonst eher selten vorkommt.

    Fazit: Mit „The Day" erzählt Douglas Aarniokoski sparsam, effektiv und zuweilen mit überdeutlicher Absicht von menschlichem Zusammenhalt und mörderischer Gewalt vor postapokalyptischem Hintergrund. Die Konzentration auf die Figuren hebt den Film aus der Masse vergleichbarer Stoffe heraus, die Actionszenen hingegen überzeugen nicht.

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