Das kurzlebige und chaotische Zeitalter des Ultron...
Der erste „Avengers“-Film war ein weltweites Phänomen, das bis heute seinen Platz in der Popkultur hat. Und auch die beiden anderen „Avengers“-Teile („Infinity War“ und „Endgame“) genießen immer noch viel Anerkennung. Doch „Age of Ultron“? Am Ende der zweiten MCU-Phase, im Jahre 2015, waren die Filme der Helden eher durchwachsen. „Guardians of the Galaxy“ und der zweite „Captain America“ konnten die Fans begeistern, der Rest… nicht so sehr. Doch Joss Whedon sollte wieder für ein filmisches Comic-Spektakel sorgen. Doch mit „Age of Ultron“ gelang ihm das nur bedingt. Ich für meinen Teil mochte den Film damals sehr gern, auch wenn er seine Schwächen hatte. Heute, mehr als zehn Jahre später, betrachte ich generell alle Marvel-Filme in einem anderen Licht. So ist die bunte Truppe rund um Iron Man & Co überraschend konservativ, was politische Einstellungen anbelangt. Die Bewahrer des Status Quo, zu dem Thema gibt es ein tolles Video auf Youtube von Pop Culture Detective. Aber auch auf filmischer Ebene sind einige MCU-Filme eher schwächer gealtert. Und mit „Age of Ultron“ ist sehr klar, das sich Marvel damals (wieder) verrannt hatte in seinen Ambitionen. Kevin Feige (Chef von Marvel) wollte offenbar zu viel mit diesem Film und genau so fühlt er sich auch an. Und dennoch gibt es tolle Momente…
Stark und Banner wollen mithilfe einiger Pläne von Hydra eine künstliche Intelligenz erschaffen, um die Erde zu schützen. Doch das Experiment läuft (natürlich) schief und Ultron wird geboren…
Und das ist die extrem verkürzte Fassung. „Age of Ultron“ bombardiert seine Zuschauer mit so vielen Figuren und Handlungssträngen, dass es manchmal schwer ist dem Plot zu folgen. So gibt es neben Ultron noch eine etwas aufgesetzte Love Story zwischen Black Widow und Hulk, mehr Screentime für Hawkeye, die Backstory zu den Maximoff-Zwillingen, welche eigentlich Mutanten aus der „X-Men“-Reihe sind, aber Marvel hatte damals noch nicht die Rechte dafür… Und inmitten dieser ganzen Ideen soll die Grundlage für „Civil War“ gelegt werden, aber auch ein stringenter und packender Superheldenfilm. Infolge dessen sind viele der Handlungen jedoch überaus platt, was besonders gut klar in der Figur von Ultron wird: Der große Bösewicht des Films, dessen Name sogar im Titel auftaucht, ist quasi eine unterdrückte, dunkle Seite von Tony Starks Iron Man. Doch statt dieser bösen KI etwas Tiefe zu geben, ist sein Plan einfach: Um die Menschheit zu retten, muss man sie vernichten bzw. weiterentwickeln lassen, wie es im Film heißt. Doch diese Idee ist alles andere als neu und vor allem sehr unspektakulär inszeniert. Das hat Marvel später mit Thanos glücklicherweise hinbekommen, der ja einen ähnlichen Plan verfolgt. Ultron hingegen ist eher enttäuschend und nur ein Übergangs-Baddy, der bedeutungsschwangere Phrasen raushaut („Ich hing an Fäden, doch jetzt bin ich frei“).
Des Weiteren werden Dinge, wie Thors Vision, einfach in den Film gequetscht, ohne irgendwas wirklich zu erklären. Einige der Figuren müssen dann krampfhaft die Handlung erklären, damit die Zuschauer*innen nicht komplett verloren sind, besonders die, die die Comics nicht kennen. Was mich obendrein auch immer gestört hat: Der Film kann sich nie wirklich entscheiden, was er sein will. Es gibt hochdramatische Szenen, dann wieder überaus alberne Momente und irgendwie harmonieren die Stimmungen hier nicht so richtig. So fällt es mir eben schwer die Romanze zwischen Widow und Hulk abzukaufen oder auch die Tatsache, dass Iron Man aka Tony Stark mal kurz zum Antagonisten wird, damit wir zu Ultron kommen. Tatsächlich ist für mich „Civil War“ der wahre nächste Avengers-Film, denn dort werden tatsächlich echte Konflikte verhandelt. In „Ultron“ hingegen werden Städte zerstört und unschuldige Menschen sterben, aber hey… ist ja alles doch irgendwie auch lustig, wenn die Held*innen sich gegenseitig aufziehen, oder?
Doch es gibt auch die Lichtblicke: Es ist schön mehr über einige Avengers zu erfahren, wie Widow oder Hawkeye. Gerade die beiden sind das Herz der Gruppe in diesem Film. Auch die Interaktionen der Avengers untereinander sind nach wie vor toll und unterhaltsam. Allein die Partyszene ist einer der besten Momente im Film. Man merkt auch, dass das Team immer noch nicht perfekt zusammen arbeiten kann, aber genau das gefällt mir. Immerhin braucht es ja die Reibung für spätere Filme.
Die Action ist kreativ und macht Spaß, außer die Szene mit dem Hulk-Buster, wo der Film kurz zu einem „Transformers“-Abklatsch wird...
Optisch ist „Age of Ultron“ zudem auch schicker und besser als sein Vorgänger. Man verzichtete glücklicherweise auf den überbelichteten Serien-Look und schuf einige starke Bilder, besonders im Finale. Die Effekte haben sich bis heute auch zum größten Teil sehr gut gehalten und auch der Score von Brian Tyler und Danny Elfman mag ich. Ihre neue Einbindung des Avengers-Themas ist sehr pompös. Trotzdem schade, dass Silvestri nicht wieder an die Musik ran durfte, aber imerhin gab es ein wenig musikalische Kontinuität mit Tyler, der zuvor schon „Iron Man 3“ und „Thor 2“ vertont hatte.
Und der Cast macht seine Sache ordentlich mit Spaß und trotzdem genug Ernsthaftigkeit. Der heimliche Star bleibt Jeremy Renner als Hawkeye, der in diesem Film ein bisschen mehr zum emotionalen und witzigen Sidekick wird.
Fazit: „Age of Ultron“ ist ein chaotischer, aber in Teilen doch unterhaltsamer Film. Es fehlt der Fokus und ein wirklich spannender Bösewicht, aber die Action ist toll und am Ende sind es die Avengers und ihre Streitereien, die das Herz dieses Films ausmachen. Die wirklich echte Avengers-Fortsetzung sollte jedoch ein Jahr später kommen...