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    Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft
    Von Andreas Staben

    Der spleenige Erfinder Pettersson und sein frecher kleiner Kater Findus sind Stammgäste in deutschen Kinderzimmern. Sei es in Buchform oder in Hörspielbearbeitungen, in der Zeichentrickserie oder in einem der fürs Kino entstandenen Animationsfilme: Die jungen Fans können gar nicht genug bekommen von ihren Helden - da kommt es schon einmal vor, dass die Kassette mit der Lieblingsepisode tagelang in Dauerschleife läuft. Auf diese schier endlose Begeisterungsfähigkeit setzen Regisseur Ali Samadi Ahadi („Salami Aleikum“) und seine Mitstreiter nun verstärkt beim fünften Leinwandabenteuer von Kauz und Katze, denn für den ersten Realspielfilm der beiden Kinderlieblinge wählten sie gleich vier von Sven Nordqvists Original-Büchlein zur Vorlage, die allesamt schon mehrmals auf die eine oder andere Art nacherzählt wurden. Dabei kommt die für hiesige Verhältnisse beachtliche 8,5 Millionen Euro teure Produktion wie ein Luxus-Neustart der Reihe daher (in Hollywood heißt das Reboot): Während bisher die Betulichkeit der Erzählung mit der Bescheidenheit der Mittel Hand in Hand ging, wird diesmal nicht nur der pfiffige Findus an der Seite von Ulrich Noethens wunderlichem Tüftler per Computeranimation zu großäugig staunendem Leben erweckt, sondern auch sonst allerlei (technischer) Aufwand getrieben – das Ergebnis ist ein etwas langer Film für alte und neue kleine Fans, der mehr durch seine gestalterischen als durch seine erzählerischen Qualitäten besticht.

    Der schwedische Erfinder Pettersson (Ulrich Noethen) lebt zurückgezogen mit ein paar Hühnern auf dem Land in einem roten Haus, aber etwas Gesellschaft könnte er schon gebrauchen. Das denkt sich auch seine Nachbarin Beda (Marianne Sägebrecht), als ihr beim Pilzesammeln im Wald ein kleiner Kater vor die Füße purzelt, der vor dem grummeligen Gustavsson (Max Herbrechter) und dessen Jagdhund Hasso flüchtet. Sie bringt das Fellknäuel zu Pettersson, der tauft die Katze auf den Namen Findus. Das Tier erweist sich als ungewöhnlich aufgeweckt und eines Tages spricht (Stimme: Regisseurstochter Roxana Samadi) es sogar mit seinem Herrchen! Die beiden werden beste Freunde: Sie beschützen die Hühnerschar vor einem räuberischen Fuchs, sie trotzen einem wilden Stier auf der Weide und feiern zweimal im Jahr Findus' Geburtstag mit einer leckeren Pfannenkuchentorte. Doch dann bittet Beda Pettersson darum, Gustavssons Hahn bei sich aufzunehmen. Der Besitzer ist von dem ständigen Gekrähe des Gockels nämlich so genervt, dass er das Federvieh in den Kochtopf stecken will. Pettersson ist einverstanden und gewährt dem Hahn Asyl in seinem Hühnerstall. Die Hennen freuen sich über die männliche Gesellschaft, aber Findus ist eifersüchtig auf den gefiederten Neuankömmling, denn plötzlich hat er Pettersson nicht mehr für sich allein. Der Kater bringt den Hahn durch eine Lüge dazu, den Hof zu verlassen – doch bald danach plagt ihn das schlechte Gewissen.

    Die jungen Fans der Abenteuer des Tüftlers und seines Katers werden die Geschichten „Wie Findus zu Pettersson kam“, „Eine Geburtstagstorte für die Katze“, „Ein Feuerwerk für den Fuchs“ und „Findus und der Hahn im Korb“ ohnehin auswendig kennen, aber auch für kleine Neulinge ist die etwas episodische Handlung des Films leicht zu verfolgen – und alle zusammen bekommen eine aufwändig gestaltete neue „Pettersson und Findus“-Welt zu bestaunen. Der Bauernhof wurde komplett im Kölner Studio nachgebaut, für den Hintergrund wurde eine der größten jemals in Europa produzierten Fototapeten hergestellt und davor ist jeder Baum und jeder Pilz im Wald ein individuell gestaltetes Kleinod. Dieser liebevoll-künstliche Look erinnert ein wenig an die zauberhaften Kulissen von „Ein Schweinchen namens Babe“, auch die einfühlsamen Darstellungen der Kinderfilm-Profis Ulrich Noethen („Das Sams“, „Das fliegende Klassenzimmer“) und Marianne Sägebrecht („Sesamstraße“) fügen sich gut in dieses Bild ein, sodass es kaum ins Gewicht fällt, wenn die Interaktion zwischen den Schauspielern und den computeranimierten Tieren nicht immer ganz natürlich wirkt: Gerade in den Szenen zwischen Pettersson und Findus wird der Geist der Vorlagen mit ihren sanften und sympathischen Botschaften über Freundschaft und Vertrauen lebendig.

    Doch dabei belassen es die Filmemacher nicht, sie wollen Nordqvists zum Teil immerhin schon fast 30 Jahre alten Geschichten zugleich eine Frischzellenkur verpassen und sie dem heutigen Zeitgeist anpassen: Hier ist alles lauter, schneller und turbulenter als vorher. Das führt zu einer gewissen Hauruck-Dramaturgie, bei der nicht die gleiche Sorgfalt zu erkennen ist wie etwa bei der Ausstattung. Dazu sind auch die flott-fröhlichen Gesangseinlagen („Eine Hose, oben fest und unten lose“) nicht immer im besten Sinne albern, sondern wirken zuweilen genauso anbiedernd wie einige von Ahadis inszenatorischen Mätzchen. Der Regisseur nutzt vom Zeitraffer bis zur „Vervielfachung“ des im Hause werkelnden Pettersson alle Mittel, die ihm zur Verfügung stehen, aber über selbstzweckhafte Spielereien geht das nur selten hinaus. Das zeigt sich insbesondere bei der großen Stierkampf-Sequenz zwischen dem kleinen Kater und einem bösen Bullen, bei der Ahadi vom Bildformatwechsel bis zur Standbild-Reminiszenz an die jüngste Hollywood-Version von „Der gestiefelte Kater“ nichts auslässt. Statt sich an solchen aufgesetzten Bravourstücken (dazu kommen noch mehrere, teils ebenso übertriebene Verfolgungsjagden im Wald) zu versuchen, hätten die Macher lieber mehr auf die Mucklas gesetzt. Diese kleinen bunten Wichte, die in den Wänden von Petterssons Haus hausen, stehlen bei ihren wenigen Auftritten mal wieder allen die Schau.

    Fazit: Der erste Realspielfilm mit den beliebten Kinderbuchfiguren Pettersson und Findus bietet bekannte Geschichten in technisch aufgepepptem Gewand. Das ist zum Teil beeindruckend gelungen, aber oft wird auch über das Ziel hinausgeschossen.   

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