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    Hijacked - Entführt
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Hijacked - Entführt
    Von Robert Cherkowski

    Nach dem Erfolg von John McTiernans Actionklassiker „Stirb langsam" versuchten zahlreiche Filmemacher, das Erfolgsrezept zu kopieren. Die Folge waren zahlreiche „Die Hard"-Klone, in denen die Helden in immer neuen räumlich begrenzte Extremsituationen steckten. In den „Alarmstufe: Rot"-Filmen befreite Steven Seagal sowohl ein Schiff als auch einen Zug von Besatzern, Jean Claude Van Damme verteidigte in „Sudden Death" ein Eishockey-Stadion gegen fiese Ganoven und „Speed" lässt sich auch als „Die Hard im Bus" beschreiben. Als besonders beliebt erwiesen sich allerdings Flugzeuge: Von „Passagier 57" über „Einsame Entscheidung" bis „Air Force One" kam es zu zahlreichen luftigen Variationen des Stirb-Langsam-Prinzips - bis der 11. September 2001 das Szenario eines von Terroristen entführten Flugzeugs etwas zu real wirken ließ. Von diesen Entwicklungen ist in „Hijacked" nichts zu spüren, der Thriller ist ein „Stirb-Langsam-im-Flugzeug-Klon", der wirkt, als wäre er direkt aus einer Zeitmaschine gefallen. Doch schon McTiernans Klassiker wurde nicht in erster Linie wegen seiner griffigen Prämisse zum Hit, sondern aufgrund seiner erzählerischen Originalität, seiner einfallsreichen Regie und seines charismatisch-sympathischen Hauptdarstellers Bruce Willis. Und diese wesentlichen Qualitäten des Originals lässt der Abklatsch von Regisseur Brandon Nutt weitgehend vermissen, auch wenn Hauptdarsteller Randy Couture sich wacker schlägt.

    Ross (Randy Couture) ist Spezialagent. Schon ein Blick auf seinen mächtigen Körper macht deutlich, dass er Schwerverbrecher und Terroristen nicht vom Bürostuhl aus bekämpft, sondern den blutigen Nahkampf bevorzugt. So erfolgreich er auf den Schlachtfeldern des internationalen Verbrechens auch ist, so hilflos agiert er im Privaten. Um seine Ex-Freundin Olivia (Tiffany Dupont) zurückzugewinnen überrascht er sie mit einem gemeinsamen Kurzurlaub. Dumm nur, dass ihr Flugzeug von den Schergen eines Verbrecherbosses entführt wird. Die ahnen jedoch nicht, dass sie mit Ross eine Ein-Mann-Armee an Bord haben, der man sich besser nicht in den Weg stellen sollte...

    Originalität steht bei „Hijacked" nicht an erster Stelle, doch mit Randy Couture war zumindest die Wahl des Hauptdarstellers ein Glücksgriff. Der ehemalige Kampfsportler und Gewinner mehrerer Ultimate Fighting-Meistertitel, der schon in Sylvester Stallones „The Expendables" eine eindrucksvolle körperliche Präsenz zeigte, macht sich gut in der Rolle des toughen Typen mit Herz. Spielte er zu Beginn seiner Schauspielkarriere noch Bösewichte und Handlanger, ist er inzwischen auf die Seite der Guten gewechselt. Das gibt ihm die Möglichkeit, seinen nicht unerheblichen Charme spielen zu lassen, was in der Mischung aus einschüchternder Physis und ironischen Sprüchen ein ums andere Mal an die goldenen Zeiten martialer Muskel-Action in den 80ern erinnert. Auch „Hijacked" versprüht immer wieder die sympathische Simplizität von damaligen Star-Vehikeln wie „Das Phantom Kommando" oder „Die City-Cobra". Aber diesen Pluspunkten stehen zwei klare Mängel gegenüber. Zum einen war „Hijacked" nicht nur billig, sondern sieht auch so aus. Das muss zwar gerade für feine kleine Genre-Filme kein unüberwindliches Hindernis sein, aber ein Flugzeug-Entführungsthriller ist doch ein anderes Kaliber: Billige computeranimierte Aufnahmen des Fliegers erinnern allzu häufig an die filmischen Hochstapler von The Asylum („Titanic 2 - Die Rückkehr", „Abraham Lincoln vs. Zombies") - und da hört der Spaß auf.

    Viel entscheidender ist allerdings das zweite Manko: Die Actionszenen sind nicht gelungen, ihnen fehlt es an Wucht, Härte und Übersichtlichkeit. Wann immer Regisseur Brandon Nutt („The Last Resort") in den Kampf-Modus wechselt, wird zudem auf eine billig aussehende Digitaloptik umgeschaltet, die jegliche Lust am Spektakel im Keim erstickt. Muskelbepackten Typen eine Waffe in die Hand zu drücken und sie mit entschlossenem Gesichtsausdruck in der Gegend rumballern zu lassen – das funktioniert eben nur bedingt. Das wird schon in der ersten Actionszene deutlich, in der übrigens Ex-Fußballer Vinnie Jones („Mean Machine", „The Midnight Meat Train") seinen einzigen größeren Auftritt hat. Wer hier gerade auf wen schießt, weiß man nie so genau, die schlechten Computer-Effekte tun ihr Übriges und bald fühlt man sich wie in einem Videospiel, bei dem man nicht mitmachen darf. In diesem Stil geht der ansonsten erstaunlich geschwätzig geratene Film weiter und die Schwächen finden ihren traurigen Höhepunkt in einer wirr geschnittenen Keilerei in luftiger Höhe. So bleibt von der faden Flugzeugsause nicht viel mehr als die Erkenntnis, dass ein charismatischer Kraftprotz wie Couture zwar jeden Gegner durch den Wolf drehen kann, jedoch im Kampf gegen eine unterfinanzierte Produktion letztlich chancenlos ist.

    Fazit: Brandon Nutt versucht sich an einem billigen „Stirb Langsam"-Klon in luftiger Höhe und hat mit Randy Couture einen urigen Star zu Diensten. Doch die Einschränkungen in Look und Ausstattung sowie vor allem die Schwächen bei der Action-Inszenierung schmälern das Vergnügen beträchtlich.

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