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    Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows
    Von Christian Horn
    Ihre Blütezeit erlebten die kultigen Teenage Mutant Ninja Turtles ab 1984, als aus den Protagonisten eines recht düsteren Underground-Comics die Helden der Zeichentrickserie „Teenage Mutant Hero Turtles“ wurden. Damit eroberten sie den Mainstream und entwickelten sich bald zum Popkultur-Phänomen. Die Schildkröten-Krieger mit der Vorliebe für Pizza waren dann auch in drei Realspielfilmen zu sehen, kämpften sich durch diverse Videospiele und zierten jede Menge Merchandising-Produkte. In den 90er Jahren wurde es dann ruhiger um sie, erst 2007 feierten die Ninja-Reptilien mit dem actionlastigen Animationsfilm „TMNT“ ein Kino-Comeback, auf das 2013 die Großproduktion „Teenage Mutant Ninja Turtles“ folgte. Zwar erhielt das weitgehend charme- und witzlose Reboot mit seinen durch Performance-Capture-Technik zum Leben erweckten Titelhelden gleich fünf Nominierungen für die Goldene Himbeere, doch das hielt Produzent Michael Bay nicht davon ab, einen zweiten Teil auf den Weg zu bringen. Mit „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows“ liefert Regisseur Dave Green („Earth to Echo“) nun eine flotte Action-Komödie mit selbstironischer Note und knüpft damit anders als der erste Film gezielt an die Turtles-Tradition an.

    Die Teenage Mutant Ninja Turtles Leonardo (Pete Ploszek), Michelangelo (Noel Fisher), Raphael (Alan Ritchson) und Donatello (Jeremy Howard) haben New York vor den Machenschaften ihres Erzfeinds Shredder (Brian Tee) bewahrt, doch die offiziellen Lorbeeren dafür fährt Vernon Fenwick (Will Arnett) ein, der Kameramann von April O'Neil (Megan Fox). Die humanoiden Schildkröten selbst verstecken sich hingegen weiterhin gemeinsam mit ihrem Meister Splinter (Danny Woodburn; Stimme: Tony Shalhoub) in der Kanalisation, da die Menschen kaum für ihren Anblick bereit wären. Als Shredder aus der Sicherheitsverwahrung entkommt und mit dem interstellaren Warlord Krang (Brad Garrett) die Unterjochung der Erde plant, greifen die Turtles erneut ein. Dieses Mal können sie nicht nur auf die Hilfe ihrer Verbündeten April O'Neil setzen, sondern auch auf Unterstützung des Polizisten Casey Jones (Stephen Amell), der sich mit seiner Eishockey-Montur ins Abenteuer stürzt. Shredder hingegen erschafft sich zwei kampfstarke Handlanger, indem er die idiotischen Kleingangster Rocksteady (Stephen Farrelly) und Bebop (Gary Anthony Williams) zu einem Nashorn und einem Warzenschwein mutieren lässt.


    Der Look des Films mit seinen bunten Farben und den flackernden Neonreklamen bewegt sich irgendwo zwischen Comic und Videospiel, was gut zum Teenager-Geist der Turtles passt. In den rasant geschnittenen Actionsequenzen sprühen nur so die Funken, die dank der auffälligen 3D-Effekte mitten im Zuschauerraum verglimmen. Wie schon im ersten Teil ist die immer wieder vom pathetischen Titelthema begleitete Action ziemlich over the top, etwa wenn die Turtles einen waghalsigen Fallschirmsprung unternehmen und anschließend in einem reißenden Fluss landen, von dessen Fluten auch der in einem Panzer sitzende und mitten im Chaos auf die Schildkröten feuernde Rocksteady mitgerissen wird. Hier werden die Naturgesetze mühelos und gutgelaunt aus den Angeln gehoben, sodass „Out Of The Shadows“ als überdrehter Sommerblockbuster mit vielen Knalleffekten und CGI-Animationen auf der Höhe der Zeit solide Unterhaltung liefert.

    Während Jonathan Liebesman („World Invasion: Battle Los Angeles“), der wie man hört weder etwas über das Franchise wusste noch etwas damit anfangen konnte, im ersten Teil noch weitgehend auf das für die Turtles typische Augenzwinkern verzichtete, setzen sein Regie-Nachfolger Dave Green und das Autoren-Duo Josh Appelbaum und André Nemec („Mission: Impossible – Phantom Protokoll“) im Sequel verstärkt auf Humor. Vieles erinnert dabei an den parodistischen Grundton der Ursprungscomics von Kevin Eastman und Peter Laird: Ob Leonardo und Co. heimlich ein Basketballspiel beobachten und dabei versehentlich ein Stück Pizza auf das Spielfeld fallen lassen, auf dem einer der Spieler prompt ausrutscht, oder ob die Turtles im südamerikanischen Regenwald auf eine echte Riesenschildkröte treffen, die sie tiefenentspannt beäugt - Witz wird in „Out Of The Shadows“ groß geschrieben. Neben cleverer Ironie ist dabei auch Platz für fröhliche Albernheiten: So provozieren die neuen Sidekicks Bebop und Rocksteady mit ihrer grenzenlosen Einfältigkeit etliche Lacher verursachen nebenbei einiges an Sachschaden.

    Die menschlichen Figuren spielen in dem bunten Treiben mit der relativen Ausnahme des von Stephen Amell („Arrow“) gespielten Neuzugangs Casey Jones eine eher untergeordnete Rolle, dafür rückt ähnlich wie einst in „Turtles II – Das Geheimnis des Ooze“ aus dem Jahr 1991 das rosafarbene Mutagen Ooze in den Mittelpunkt. Shredder benutzt die vom Oberschurken-Gehirn Krang erschaffene Flüssigkeit, um Bebop und Rocksteady mutieren zu lassen. Den Turtles hingegen, die ebenfalls durch ein Mutagen entstanden sind, könnte Ooze eine Verwandlung in menschliche Wesen ermöglichen – und ihnen damit den Wunsch erfüllen, endlich offiziell als Helden ins Rampenlicht zu treten. Der Bruderkonflikt, der durch diese neue Möglichkeit in den Reihen der Turtles entsteht, bleibt allerdings eher Beiwerk. Von der Identitätskrise der Schildkröten-Mutanten, die laut der Sensei-Ratte Splinter an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen, hätte man gern mehr gesehen. Doch statt erzählerisch in die Tiefe zu gehen setzen die Macher auf Action und Spaß und damit treffen sie den Geist der Comic- und Zeichentrickvorlagen recht gut.
     
    Fazit: Mit neuen überdrehten Figuren und viel Selbstironie bringt dieses Sequel frischen Wind in das „Turtles“-Reboot aus dem Hause Michael Bay.
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