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    Minions 2: Auf der Suche nach dem Mini-Boss
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Minions 2: Auf der Suche nach dem Mini-Boss

    Die lange Pause tut den Minions richtig gut!

    Von Sidney Schering
    Seit dem Kinostart des Milliarden-Dollar-Hits „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ sind inzwischen auch schon wieder stolze fünf Jahre ins Land gezogen. So war das natürlich nicht geplant! Der nächste Franchise-Teil „Minions 2 – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ wurde ursprünglich für Juli 2020 angekündigt, musste dann aber aufgrund von coronabedingten Produktionsverzögerungen zunächst um ein Jahr verschoben werden. 2021 wurde er dann noch einmal vertagt, um auf die Rückkehr des Kinopublikums zu warten. Nun landet das zweite Prequel zur „Ich – Einfach unverbesserlich“-Reihe aber tatsächlich auf der großen Leinwand – und so unbeabsichtigt die lange Ruhephase auch war, hatte sie nach dem Minions-Overkill speziell in den Jahren 2013 bis 2017 auch etwas Gutes an sich.

    Denn so fühlt sich der erneut aufbrandende Trubel um Fiesling Gru und die ihm dienenden gelben Knirpse wieder fast so erfrischend an wie damals, als sich die wahlweise wie Ü-Ei-Spielzeugkapseln, TicTacs, Kroketten oder Zitronenbonbons aussehenden Chaoten erstmals zu Publikumslieblingen aufgeschwungen haben. Regisseur Kyle Balda gelingt es in „Minions 2 – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“, eine Vielzahl urkomischer Episoden auszubreiten, in denen lebensfroh gebrabbelt und geblödelt wird. Allerdings hat der Film zwischendurch auch einige spürbare Durchhänger...

    Der junge Gru schämt sich für seine tollpatschigen gelben Handlanger ...


    Gru (Originalstimme: Steve Carell, Synchronstimme: Oliver Rohrbeck) ist in diesem Prequel zwar noch ein Knirps, hat aber trotzdem schon ungeheuerliche Pläne: Er will Teil der Schurkengruppe „Die Fiesen 6“ werden. Deshalb distanziert er sich zunächst auch von den Minions, da er fürchtet, mit ihnen im Schlepptau zu albern zu wirken. Bei seinem Vorstellungsgespräch wird er dennoch ausgelacht – und schmiedet daher spontan einen Plan, um an schurkischem Ansehen zu gewinnen. Dabei kreuzt sich Grus Weg mit dem seines Idols, dem gealterten Superschurken Wilder Knöchelknacker (Alan Arkin, Thomas Gottschalk). Derweil versuchen die Minions, ihrem geliebten Mini-Boss Gru zu beweisen, dass sie für ihn und seine Pläne von großem Nutzen sein können...

    Vom ersten Teil abgesehen, sind sämtliche Filme der „Ich – Einfach unverbesserlich“-Reihe eher episodenhaft angelegt: Die Franchise-Verantwortlichen von Illimination Entertainment haben eben früh erkannt, dass die Minions mit ihrem Kauderwelsch, ihrer munteren Attitüde und ihrer ungewollt-zerstörerischen Verpeiltheit vor allem dann begeistern, wenn sie völlig freidrehen dürfen. Also werden die Winzlinge nun schon seit Jahren auf all ihr anarchisches Humorpotential abgeklopft, das sich jedoch nur schwer mit einer stringenten, abendfüllenden Handlung vereinen lässt. Daher ist es besonders entscheidend, wie gut es den Filmschaffenden gelingt, die sketchhaften Minions-Eskapaden und den restlichen Schurken-Rummel ohne Leerlauf, wohl aber mit dramaturgischem Sinn aneinanderzureihen. Das funktionierte bei „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ noch überraschend gut und auch wenn „Minions“ im Anschluss erzählerisch erheblich weniger zu stemmen hatte, überzeugte das erste Prequel als ruhelose Sketchparade. Der überfrachtete „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ hingegen geriet zwischen seinen Höhepunkten wiederholt ins Stolpern.

    Die Minons rocken wie eh und je


    Kyle Balda siedelt sich mit „Minions 2“ nun – nicht nur qualitativ – irgendwo zwischen „Minions“ und „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ (die er beide noch gemeinsam mit Minions-Sprecher Pierre Coffin inszenierte) an: Die Handlung ist wieder simpel gestrickt und zügig erzählt, was mehr Raum schafft, um die slapstickartigen Passagen herrlich eskalieren zu lassen. Allerdings ist der erzählerische Kitt, der alles zusammenhalten soll, präsenter als in „Minions“ – und hat dabei doch weniger Persönlichkeit als „Ich – Einfach unverbesserlich 1 + 2“. Beispielsweise liegt der zentrale Fokus diesmal darauf, wie sehr sich Gru für seine gelben, Latzhose tragenden Helferlein schämt. Ein Konflikt, der zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig vermittelt wird und den Gru auch selbst recht früh bereut. Dennoch geht viel Raum für die Herleitung einer ausführlichen Aussöhnung drauf, was den Film enorm ausbremst.

    Die Dynamik zwischen Gru und seinem raubeinigen Idol Wilder Knöchelknacker ist ausgereifter, aber auch hier behaupten die Autoren Brian Lynch und Matthew Fogel in den Dialogen eine große emotionale Bedeutung, die dann in der Story aber nicht eingelöst wird. Schlussendlich benötigt es dann eben doch stets die Minions, damit der Film seine höchsten Höhen erreicht: Wenn sie etwa ein Flugzeug entführen, beginnt ein Schnelltempo-Feuerwerk an dynamisch animierten visuellen Einfällen, punktgenauer Situationskomik und kindlich-alberner Anarchie. Wenn sich das berühmt-berüchtigte Minions-Trio Stuart, Kevin und Bob als drei der schlechtesten Kung-Fu-Schüler der Filmgeschichte durch eine Trainingsmontage schleppt, glänzt die Animationskomödie genauso wie während der wunderbar-absurden Sequenz, in der ein Minion in Fantasiesprache frohgemut nacherzählt, wie er eine wichtige Mission vergeigt hat.

    ... dabei sind es doch vor allem sie, die den unfassbaren Erfolg der "Ich - Einfach unverbesserlich"-Filme ausmachen.


    Zwischen diesen Lachmuskelattacken kommt es allerdings zu abrupten Verschnaufpausen, wenn Lynch und Fogel mühselig vom Ende der einen Passage zum Beginn der nächsten überleiten. Auch das Actionfinale enttäuscht: Zwar gibt es einige knuffig-komische Anblicke, während die belebten Hintergründe sowie komplexen Effekt-Animationen unterstreichen, wie sehr sich Illumination Entertainment auf technischer Ebene in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Jedoch hat es zu wenig pointierte, geschweige denn neue Ideen, um seine ausgedehnte Laufzeit zu rechtfertigen. Die Schlusskämpfe in dieser Filmreihe werden allmählich einfach zu austauschbar.

    Dabei hätte „Minions 2 – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ mit seinen gelegentlichen Anleihen an das Blaxploitation- und Kung-Fu-Kino der 1970er-Jahre gleich mehrere Sprungbretter, um sich in überraschendere Sphären zu katapultieren. So hingegen beschränkt sich die Abwechslung auf ein paar sprachliche und visuelle Referenzen sowie einen Soundtrack, der sich wohltuend abhebt von allem, was wir bisher von „Ich – Einfach unverbesserlich“ musikalisch gewohnt waren.

    Fazit: Mehr pointierte, schrill eskalierende Minions-Eskapaden, aber auch wieder spürbare Verschnaufpausen dazwischen. Der zweite „Minions“-Film ist wieder eine Steigerung gegenüber „Ich – Einfach unverbesserlich 3“. Aber er unterstreicht auch, dass die brabbelnden Knilche geradezu nach einem waschechten Episodenfilm schreien, in dem sich die Comedy-Anarchos nicht mit einem „herkömmlichen“ Plot herumzuschlagen brauchen.

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