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    Fast Color - Die Macht in Dir
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Fast Color - Die Macht in Dir

    Eine Perle im Schatten von "Black Panther"

    Von Lutz Granert
    Black Panther“ sorgte im Februar 2018 auch mit einem Novum für Aufsehen: Der Marvel-Blockbuster hatte nicht nur einen zu großen Teilen schwarzen Cast, auch hinter der Kamera zeichneten mit u.a. Regisseur Ryan Coogler und seinem Co-Autoren Joe Robert Cole überwiegend schwarze Filmemacher maßgeblich für den Mega-Erfolg der 200-Millionen-Dollar Produktion (die in den USA sogar mehr Geld eingespielte als der im selben Jahr gestartete „Avengers 3“) verantwortlich. Wenige Monate später wurde „Black Panther“ sogar als erster Superheldenfilm als „Bester Film“ für einen Oscar nominiert.

    Bei der absoluten Konzention des medialen Hypes ist es nur wenig verwunderlich, dass eine nur zwei Monate später in den USA gestartete, ungleich geringer budgetierte Produktion um drei schwarze Frauen mit Superkräften an den Kinokassen regelrecht unterging. Dabei wohnt dem subtilen, mit politischen Botschaften angereicherten Science-Fiction-Drama „Fast Color – Die Macht in dir“ eine beeindruckende Unaufgeregtheit inne. Regisseurin Julia Hart („Miss Stevens“) mag damit auch an die Geduld ihres Publikums appellieren, vor allem aber bricht sie so mit jeglichen Erwartungen an einen Film dieses Genres.

    Ruth (Gugu Mbatha-Raw) flüchtet vor ihren Feinden notgedrungen in ihre staubige Heimatstadt.


    Ruth (Gugu Mbatha-Raw) besitzt die übernatürlich Gabe, Erdbeben auszulösen – kann diese jedoch nur schwer kontrollieren. Auf der Flucht vor Regierungsbeamten und dem zwielichtigen Wissenschaftler Bill (Christopher Denham), der ihre Fähigkeiten für seine eigenen Zwecke nutzen will, kehrt Ruth in ihre Heimatstadt zurück. Dort kommt sie bei ihrer Mutter Bo (Lorraine Toussaint) unter, bei der seit einigen Jahren auch schon Ruths Tochter Lila (Saniyya Sidney) lebt. Die drei mit ähnlichen Kräften ausgestatteten Generationen, die plötzlich wieder zusammen unter einem Dach leben, arbeiten dort zunächst einmal die verdrängten Familienprobleme auf – bis Ruth von ihren Verfolgern eingeholt wird...

    Die unwirtliche Wüstenlandschaft New Mexicos scheint als Setting wie geschaffen für buchstäblich geerdete Superheldengeschichten: Schließlich verschlug es auch schon Wolverine vor einigen Jahren hierher, als das sichtbar gealterte X-Men-Mitglied und der inzwischen an Demenz leidenden Professor X am Ende ihres Lebens in „Logan“ nach einem Stück Normalität suchten. In „Fast Color“ sind die staubtrockenen Schauplätze in dem US-Bundesstaat ein erster Hinweis auf die drohende Apokalypse, die sich in der Welt des Films in Form eines umfassenden Wassermangels schleichend andeutet. In den Motels, in denen Ruth auf ihren Roadtrip zurück in ihre Geburtsstadt Station macht, wird das rare Nass nur rationiert in einem Plastikkanister zu horrendem Aufpreis angeboten.

    Black Girl Magic


    Ist die Zukunftsvision zunächst noch deutungsoffen, kristallisiert sich in „Fast Color“ langsam, aber sicher ein deutliches politisches Statement heraus: Der von der Jazz-Pianistinin Nina Simone nach gut 20 Filmminuten gehauchte Song „New World Coming“ bildet da nur den subtilen Auftakt, bevor Julia Hart und ihr Ehemann Jordan Horowitz, die gemeinsam das Drehbuch verfasst haben, dem Publikum spätestens im etwas zu sehr dramatisierten Showdown ihre Botschaft voller Pathos regelrecht ins Gesicht schleudern: Die Herrschaft des „weißen Mannes“ ist vorbei, die Zukunft gehört ebenso tougen wie (übernatürlich) begabten schwarzen Frauen – womit die Filmemacherin die Motive der 2013 in den Sozialen Medien ins Leben gerufene „Black Girl Magic“-Bewegung clever in ihren unkonventionell erzählten Superheldinnen-Plot integriert.

    Anstelle des genretypischen Action-Brimboriums verwendet „Fast Color“ bei gespannter Ruhe sehr viel Zeit aufs buchstäbliche Blättern in der Familienchronik. Insbesondere Gugu Mbatha-Raw („Die Magie der Träume“) gelingt dabei eine starke und einfühlsame Performance als traumatisierte Mutter, die neben ihren zunächst noch unkontrollierbaren Superkraft-Anfällen auch mit schweren Schuldgefühlen hadert. Erst über die gemeinsame Liebe zur Musik findet sie langsam einen Draht zu ihrer Tochter – was so gar nicht in das Charakterschema einer typischen Superheldin passt.

    Regen ist ein seltenes und wertvolles Gut in der Welt von "Fast Color".


    Die – gut gelungenen – Spezialeffekte kommen hingegen nur selten zum Einsatz (und werden dann leider oft mit allzu aufdringlicher Streichermusik unterlegt). Trotzdem entfalten sie gerade durch ihren reduzierten Einsatz eine ganz besondere Wirkung, etwa wenn Lila ihrer Mutter vorführt, wie sie allein durch die Kraft ihrer Gedanken eine Schüssel in winzige Teilchen zerlegen und anschließend auch wieder zusammensetzen kann. Die faszinierenden Effekte, die oft auch vom titelgebenden bunten Farbenspiel begleitet werden und dabei in einer Szene sogar an psychedelischen Raumzeit-Trip in „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnern, sind so nie Selbstzweck, sondern schaffen immer einen Mehrwert für die angenehm komplexen Figuren.

    Man kann deshalb schon gut nachvollziehen, warum Oscar-Gewinnerin Viola Davis („Fences“) und ihr Ehemann Julius Tennon trotz des Misserfolgs an den Kinokassen so viel Potenzial in „Fast Color“ erkannten, dass sie aus dem Sci-Fi-Stoff aktuell sogar eine ganze Serie für Amazon Studios entwickeln.

    Fazit: Das Science-Fiction-Drama „Fast Color – Die Macht in dir“ bringt mit seinen vielschichtigen Figuren und einer kraftvoll vorgetragenen politische Botschaft trotz einiger Schönheitsfehler reichlich frischen Wind ins Superheld*innen-Genre.

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