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    Prinzessinnentausch
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Prinzessinnentausch

    Weihnachtskitsch von Netflix

    Von Asokan Nirmalarajah
    Netflix hat sich in den vergangenen Jahren auf einige Genres spezialisiert, mit denen man dann auch große Erfolge feiern und sich an die Streaming-Spitze setzen konnte – etwa Stand-up-Specials wie „Adam Sandler 100% Fresh“, True-Crime-Dokumentationen wie „Making A Murderer“, düstere Thriller-Serien aus Europa („Dark“) oder hochemotionale Highschool-Romanzen wie „The Kissing Booth“ und „To All the Boys I’ve Loved Before”, die längst die Pausenhofgespräche rund um den Globus dominieren. Aber es gibt auch ein Genre, in dem sich Netflix in den vergangenen Jahren zum unangefochtenen Marktführer entwickelt hat und das man wahrscheinlich nicht sofort auf dem Schirm hat, wenn man an den Streaming-Anbieter denkt: anspruchslose Kitschfilme mit Weihnachtsthema. So sollen nicht wenige Abonnenten im vergangenen Jahr die Komödie „A Christmas Prince“ quasi in Dauerschleife konsumiert haben.

    In eine ähnliche Kerbe schlägt nun auch das neueste Netflix-Original: „Prinzessinnentausch“ ist eine weihnachtliche Verwechslungskomödie mit royalem Touch – nicht nur die Hauptdarstellerin auch das Kitschpotential wird hier also verdoppelt! Der Film von Regisseur Mike Rohl verbindet dabei eine vorhersehbare Handlung frei nach Mark Twains „Der Prinz und der Bettelknabe“ mit einer Fülle an Klischees, schablonenhaften Figuren, flachem Humor und abgegriffenen Situationen. Aber das wird Fans des Genres wohl (leider) nur wenig stören angesichts der Attraktivität der perfekt geschminkten Darsteller, den hübschen Kostümen und der himmlischen Weihnachtsdekoration.

    Die Geschichte beginnt im verschneiten Chicago. Stacy De Novo (Vanessa Hudgens) ist eine erfolgreiche Bäckerin. Ihr Privatleben ist hingegen seit ihrer letzten Beziehung praktisch tot. Aus Angst, Weihnachten allein verbringen zu müssen, geht Stacy auf das Angebot ihres Assistenten Kevin (Nick Sagar) ein, an einem Backwettbewerb teilzunehmen. Dieser soll im fernen osteuropäischen Königreich Belgravia stattfinden, wo bereits Stacys frühere Klassenkameradin als Vorjahressiegerin und wohl härteste Konkurrentin auf sie wartet. Doch dann läuft die junge Amerikanerin der schönen Herzogin Margaret (ebenfalls Vanessa Hudgens) über den Weg und stellt fest: Beide gleichen sich bis aufs Haar. Da kommt der Herzogin die Idee, mit der Bürgerlichen für ein paar Tage die Plätze zu tauschen. So will sie unbeschwert das Volk ihres zukünftigen Gemahlen Prinzen Edward (Sam Palladio) kennenlernen. Aber die Doppelgängerinnen haben bei ihrem Plan nicht bedacht, wo die Liebe so überall hinfallen kann…


    Wer sich hier in wen verlieben und wie der Film überhaupt enden wird, daran gibt es von Anfang an keinen Zweifel. Soll es auch nicht. Das Genre des Fernseh-Weihnachtsfilms folgt in seiner Erzählung, seinem Figurenarsenal und seiner Ideologie einer ganz klaren Linie – schließlich wird ein beachtlicher Anteil nebenbei eh Kekse backen, da muss man auch folgen können, wenn man mal ein paar Minuten lang nicht so genau hinschaut. Entweder gibt man sich dem hin und findet seinen Spaß daran oder man ist schlicht im falschen Film. So verfügt auch „Prinzessinnentausch“ unter der souverän-unaufgeregten Regie von Mike Rohl, der bereits zahlreiche ähnliche Fernsehfilme wie „Miss Christmas“ oder „Love At First Bark“ inszeniert hat, über garantiert keine Überraschungen.

    Hier geht es allein darum, Erwartungen zu erfüllen und dabei die royalen und weihnachtlich-besinnlichen Fantasien des Zielpublikums zu bedienen. Entsprechend hält die Kamera länger auf das atemberaubende rot-schwarze Festkleid von Vanessa Hudgens oder auf die perfekt weihnachtlich dekorierten Fassaden und Innenräume des Palastes, als sich mit den zentralen Wendungen der Handlung aufzuhalten. Kennenlernen, Vertrautwerden und der Rollentausch geschehen innerhalb von nur fünf Minuten – das ist TV-Effizienz!

    Ungereimtheiten wie der Umstand, dass in dem fiktiven Königreich Belgravia alle Bürger auch perfekt und fast akzentfrei Englisch sprechen, interessieren da ebenso wenig wie der Umstand, dass diese Genrewelt zwar keine Rassenunterschiede kennt, dafür aber in Klischees rund um Geschlechter- und Klassenunterschiede badet. Gerade der Unterschied zwischen den ordinären Amerikanern und den versnobten Aristokraten dient als Quelle für einen bemühten, oft kindisch-albernen Humor.

    Bei einer solch starken Formelhaftigkeit liegt der Erfolg am Ende – wenn überhaupt – am Charme der Darsteller. Und da zieht „Prinzessinnentausch“ leider klar den kürzeren gegen den letztjährigen Dauerbrenner „A Christmas Prince“, dessen Fortsetzung „A Christmas Prince 2: The Royal Wedding“ ebenfalls noch in diesem Jahr auf Netflix erscheinen wird. Ex-Disney-Channel-Veteran und „High School Musical“-Star Vanessa Hudgens ist bestenfalls solide, wirkt zudem unterfordert. Da ist die Frage erlaubt: Warum hat man sich ihr Gesangs- und Tanztalent nicht zunutze gemacht, um etwas Abwechslung reinzubringen? Das hätte doch perfekt zum Weihnachtsthema gepasst. Der übrige Cast bleibt in seinen stereotypen Rollen gar nicht in Erinnerung.

    Fazit: „Prinzessinnentausch“ liefert, was das Marketing verspricht – eine kitschig-romantische Komödie vor weihnachtlich-festlicher Kulisse ohne große Ambitionen. Fans des Genres werden womöglich nicht enttäuscht sein, aber es wird eher keine Newsstorys darüber geben, dass sich etliche Netflix-User „Prinzessinnentausch“ den ganzen Dezember hindurch in Dauerschleife angesehen haben.
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