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    Escape Room 2: No Way Out
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Escape Room 2: No Way Out

    Rätseln bis der Arzt kommt

    Von Madeleine Eger
    Im Zuge des wahrscheinlich auch durch Corona nur zwischenzeitig gestoppten Hypes um Escape Rooms, die sich immer mehr als fester Bestandteil des Freizeitangebots von Großstädten etablieren, feierten die mit allerhand Knobelaufgaben gespickten Rätselräume auch auf der großen Leinwand erstaunliche Erfolge: Die Studioproduktion „Escape Room“ spielte 2019 bei einem Budget von nur neun Millionen Dollar herausragende 155 Millionen Dollar an den weltweiten Kinokassen ein – und der Indie-Horror „Follow Me“ erwies sich im vergangenen Herbst als einer der wenigen echten Kinohits, als in Deutschland sonst so ziemlich alle Filme wegen der Pandemie-Einschränkungen weit hinter den Erwartungen blieben.

    Nun folgt mit „Escape Room 2: No Way Out“ das am Ende des ersten Teils bereits angeteaserte Sequel zu „Escape Room“ – und noch wichtiger als die Rückkehr von Regisseur Adam Robitel ist, dass der Produktionsdesigner Ed Thomas wieder mit an Bord ist: Der tobt sich nämlich – mit einem deutlich erhöhten Budget – auch diesmal wieder so richtig aus, wenn es darum geht, möglichst einfallsreiche und visuell beeindruckende Rätselkonstruktionen zu entwerfen. Denn im zweiten Teil ist das „Knobelareal“ nicht länger auf einen alten grauen Plattenbau beschränkt, stattdessen scheint sich für die unfreiwilligen Kandidat*innen plötzlich die ganze Megametropole New York in einen einzigen gewaltigen Escape Room zu verwandeln.

    Zu Beginn von "Escape Room 2" entpuppt sich "nur" ein U-Bahn-Waggon als Rätselfalle ...


    Zoey (Taylor Russel) und Ben (Logan Miller), die Überlebenden des ersten Teils, haben noch immer an den traumatischen Erlebnissen zu knabbern. Da keine Beweise sichergestellt werden konnten, glaubt ihnen nämlich niemand, dass damals tatsächlich vier Menschen bei einem Escape-Room-Spiel ums Leben kamen. Fest entschlossen, die Hintermänner der Geheimorganisation Minos ins Gefängnis zu bringen, reist das Duo nach New York, um dort in einem alten Lagerhaus das blutige Treiben aufzudecken. Aber dann entpuppt sich schon die U-Bahn als neuer hochgefährlicher Escape Room.

    Mit Zoey und Ben sind auch noch Rachel (Holland Roden), Brianna (Indya Moore), Theo (Carlito Olivero) und Nathan (Thomas Cocquerel) mit in dem Waggon gefangen, der unter Starkstrom gesetzt zu einem riesigen Teslatransformator mutiert. Selbst die kleinste Berührung des Metalls kann so tödlich enden. Schnell stellt die Gruppe fest, dass sie wohl nicht zufällig hier gelandet ist: Alle haben bereits einmal einen der Escape-Room-Parcours von Minos überlebt – und werden nun gegen ihren Willen zu einer zweiten Runde Knobeln auf Leben und Tod gezwungen...

    Eh nur ein Mittel zum Zweck


    „Escape Room 2: No Way Out“ knüpft direkt an die Geschehnisse aus Teil eins an – und liefert dabei netterweise auch gleich noch eine knackige Zusammenfassung der kreativsten Todesszenen aus dem Vorgänger mit. Zoey ist diesmal allerdings nicht länger das graue Mäuschen – sondern genau wie Ben offensichtlich mit einem spürbaren Selbstbewusstseinsschub aus der grausamen Erfahrung hervorgegangen. Zwei starke Protagonisten, denen eine Gruppe von neuen Mitstreitern an die Seite gestellt wird, für deren Charaktervorstellung im Sequel allerdings deutlich weniger Zeit bleibt als im Original – und so erfährt man von dem Quartett wirklich nur das Allernötigste.

    Rachel hat eine seltene Krankheit, die Minos zynisch ausnutzt, um sie mit besonders fiesen Überraschungen zu quälen, während sich die Reisebloggerin Brianna natürlich irgendwann in einem Raum wiederfindet, der ganz spezifisch auf ihre Tätigkeit als Influencerin zugeschnitten ist. Priester Nathan kämpft als ehemaliger Sieger hingegen mit seinem Überlebensschuld-Syndrom und über Theo lässt sogar noch weniger sagen, weil er eh so schnell wieder hin ist, dass man ihn auch gar nicht erst vernünftig einführen muss. Da bleibt keine Zeit für sentimentale Gefühle – zumindest die neuen Figuren sind offensichtlich nur Mittel zum Zweck und irgendwie ist das auch okay, schließlich sind hier nicht die Opfer, sondern die Escape Rooms der eigentliche Star.

    ... aber später scheint plötzlich halb New York ein einziger gewaltiger Escape Room zu sein.


    In den knapp 90 Minuten geht es im Wettkampf der Champions Schlag auf Schlag – und das atemlose Tempo lässt einem kaum Zeit zum Luftholen geschweige denn zum tatsächlichen Mitverfolgen der Rätselketten. Hier gilt: Alles was die Figuren entdecken und kombinieren, muss erst mal so hingenommen werden – es geht eben nicht ums Miträtseln, sondern vor allem um das Bewundern der eben auch schon rein visuell kreativ und abwechslungsreich gestalteten Fallenkonstruktionen. Trotzdem lohnt es sich, genau aufzupassen – denn „Escape Room 2“ geizt nicht mit Hinweisen, die darauf hindeuten, dass hinter Minos noch viel mehr steckt, als es bisher den Anschein hatte.

    Selbst wenn man so kaum eine Chance hat, jeden logischen Schritt nachzuvollziehen, ist das schiere Tempo insgesamt doch eine Stärke des Films und der Hauptgrund, warum „Escape Room 2“ gleich von Beginn an so viel Spaß macht. Regisseur Adam Robitel peitscht uns förmlich durch seine diesmal eben noch viel ambitionierteren Sets – vom unter Starkstrom stehende U-Bahn-Waggon über eine neonerleuchtete verregnete New Yorker Straßenecke und eine mit Lasern gespickte Bank bis hin zum mit Abstand beeindruckendste Raum, einem Strandpanorama mit Treibsand. Die Detailverliebtheit und die überwiegend praktischen Effekte toppen noch mal alles, was man im ersten Teil gesehen hat.

    Das (zu) große Finale


    Die Auflösung erweitert den Mythos um Minos noch einmal deutlich – und es wird spannend sein zu sehen, ob sich die Macher*innen damit nicht übernommen haben, oder ob sie die im Hintergrund angedeutete Riesenverschwörung in einem möglichen „Escape Room 3“ nicht doch noch stimmig weitergeführt bekommen. Wobei die eigentliche Herausforderung eines potenziellen dritten Teils natürlich sowieso darin besteht, die Raumkonstruktionen von „Escape Room 2“ noch einmal in den Schatten zu stellen – und das wird alles andere als leicht.

    Fazit: Die Escape Rooms sind diesmal noch ausgefallener, kreativer und tödlicher! Ein solides Sequel, das Fans zufriedenstellen dürfte – selbst wenn es am Ende mehr Fragen offenlässt als beantwortet. Also Daumendrücken, dass das bisher enttäuschende US-Ergebnis von „Escape Room 2“ dennoch ausreicht, um auch noch einen „Escape Room 3“ zu rechtfertigen.

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