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    Lauras Stern
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Lauras Stern

    Auch als Realfilm einfach toll

    Von Helena Sattler
    Wenn es zwei Dinge gibt, die an Weihnachten immer funktionieren, dann Lichterglanz und Nostalgie – und genau diese Dinge vereint die Realverfilmung des Kinderbuch-Megahits „Lauras Stern”, die nun pünktlich zur Adventszeit in die Kinos kommt. Seit 1996 verzaubert Klaus Baumgarts Geschichte über die fünfjährige Laura und ihren verletzten Stern Kinder nicht nur im Vorschulalter. Schon 2004 wurde die Buchserie erstmalig sehr erfolgreich als Zeichentrickfilm fürs Kino adaptiert ...

    ... und wenn sich Regisseurin Joya Thome („Königin von Niendorf“) nun fast 20 Jahre später an die allererste Realverfilmung des Stoffes wagt, dann wird schon während des Vorspanns sternenklar: Der neue „Lauras Stern” ist eine liebevolle Hommage an das Kinderbuch wie an den Animationsfilm, deren Geschichte nun „mit echten Menschen“ noch einmal in ganz neuem Glanz erstrahlt.

    Laura freut sich, einen Freund gefunden zu haben - selbst wenn es sich dabei um einen vom Himmel gestürzten Stern handelt.


    Laura (Emilia Kowalski) zieht mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder Tommy (Michael Koch) in eine neue Stadt – weit weg von ihren Freunden und dem Garten mit ihrem geliebten Apfelbaum. In der Großstadt bleibt ihr statt des Grüns nur das Grau der Dachterrasse. Für Laura ist nach dem Auspacken deshalb auch direkt sonnenklar: Länger als einen Tag wird sie hier nicht bleiben! Nachts beobachtet sie traurig die Sterne, die im Gegensatz zu ihr noch am selben Platz zu hängen scheinen. Zumindest bis auf einen …

    … denn der stürzt vor ihren Augen hinunter in den Park. Laura verfolgt die Spur des Sternenstaubs und findet einen echten Stern mit abgebrochenem Zacken. Die tapfere Fünfjährige nimmt ihn mit nach Hause und verarztet den Stern mit einem Pflaster. Von nun an begleitet sie der Stern durch ihren neuen, magischen Alltag. Während sich Laura langsam einlebt, bekommt der Himmelsbewohner allerdings immer stärkeres Heimweh. Doch Laura möchte ihren ersten Freund in der Stadt nur ungern wieder verlieren...

    Ganz nah am Original


    Schon auf den ersten Blick fällt bei auf, wie nah sich der Realfilm an Zeichentrickversion orientiert – manche Bilder wurden sogar eins zu eins übernommen, weshalb die Geschichte keinerlei neuen Überraschungen bereithält. Dafür gibt es allerdings eine große Menge an „Das kenne ich!”-Momenten, die vor allem für inzwischen im Erwachsenenalter angekommene Fans von damals ein wahres Nostalgie-Feuerwerk zünden dürften: So gibt es etwa ein Wiedersehen mit den Real-Versionen von bekannten „Lauras Stern“-Objekten wie der selbstgebastelten Rakete, der Roboter-Katze oder dem Beschütz-mich-Hund von Tommy.

    Ebenfalls bemerkenswert an der Realverfilmung sind die unglaublich lebendigen Animationen des Weltalls, durch das Laura zu Beginn und gen Ende des Films fliegt. Dasselbe gilt für den weihnachtlich strahlenden Sternenstaub. Spätestens die fliegenden Planeten und lebendig gewordenen Tiere garantieren große Kinderaugen – und verantwortlich für diese fantasievoll-magischen Einschübe zeichnet mit Rothkirch Cartoon-Film wenig überraschend das Animationsstudio von Thilo Graf Rothkirch, der neben dem „Lauras Stern“ von 2004 auch bei „Der kleine Eisbär“ Regie geführt hat.

    Luise Heyer und Ludwig Trepte begeistern als Eltern von Laura und Tommy.


    Noch mehr als vor 17 Jahren merkt man in der Zeit von Fridays For Future, wie sehr die Geschichte von Laura und ihrem Stern für einen respektvollen Umgang mit der Natur steht. Denn das kleine Mädchen muss lernen zu akzeptieren, dass sie den Stern nicht fern von seinem Zuhause einfach für sich behalten darf, auch wenn es ihr dadurch besser geht. Zudem spielt die Fünfjährige am liebsten im Park und saust am Ende statt im Auto der Eltern auf einem Fahrrad durch die neue Stadt. Diese Achtsamkeit vermittelt der Film ohne erhobenen Zeigefinger und so auch nicht nur in die Weihnachtszeit.

    Damals wie heute aktuell sind Lauras Probleme mit dem Umzug in eine neue Stadt und ihr Wunsch nach neuen Freund*innen. Der Kinderfilm nimmt die Gefühle seiner Protagonistin ernst und versteht es, ein Film für Kinder zu sein, der von wirklichen Kindern handelt. Sowohl Laura als auch Tommy verhalten sich ihrem Alter entsprechend und sprechen nicht so, als würden sie Erwachsene imitieren. So kann „Lauras Stern” eine echte Hilfe für Kinder sein, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

    Leckere Zauberäpfel


    Bezaubernd sind auch die Eltern, gespielt von Luise Heyer („Generation Beziehungsunfähig“) und Ludwig Trepte („Am Ende der Worte“), die einen nicht kitschig-überhöhten, aber gleichwohl wunderschönen Familienalltag zelebrieren. Es werden „Zauberäpfel” gegessen, der Sternenhimmel beobachtet und gemeinsame Ausflüge gemacht. Mit solchen Eltern und dem Vertrauen, dass der nächste Freund oder die nächste Freundin nicht weit ist, braucht man am Ende nicht mal mehr einen eigenen Stern im Kinderzimmer.

    Vorschulkinderfreundlich ist auch das Erzähltempo, durch das der Film jedoch für ältere Kinder nur bedingt geeignet ist. „Lauras Stern“ ist gerade ideal für den ersten Kinobesuch, um gleich zu spüren, was Kino alles kann: Eine wunderschöne Ausstattung, ein großartiger Score u.a. von Oscargewinner Hans Zimmer und ganz viel (vorweihnachtliche) Magie.

    Fazit: „Lauras Stern” ist eine gelungene Realverfilmung, die bei Kindern die freifliegende Fantasie und bei Erwachsenen die nostalgischen Erinnerungen befeuert.

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