Die spaßige Antwort auf "The Last Of Us"
Von Markus Trutt„Jurassic Park“, „Mission: Impossible“ und „Spider-Man“ mögen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, doch etwas eint die legendären Blockbuster dann doch: Ihre Drehbücher stammen allesamt aus der Feder von David Koepp! Der 62-Jährige ist auch heute noch gut im Geschäft, zuletzt schrieb er etwa die Skripts zu „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ und Steven Soderberghs „Black Bag“. Vor einigen Jahren stellte er die Arbeit für die Traumfabrik jedoch vorübergehend hinten an und widmete sich stattdessen seinem ersten Roman. Das Ergebnis: die Sci-Fi-Horror-Komödie „Cold Storage - Es tötet“*.
Wenig überraschend wurde drei Jahre nach Erscheinen des Buches auch eine Verfilmung angekündigt, zu der Koepp – natürlich – selbst das Drehbuch beisteuern würde. Noch einmal vier Jahre später kommt „Cold Storage“ unter der Regie von Jonny Campbell („Alien Autopsy“) nun tatsächlich ins Kino – wo er als Hommage an das Sci-Fi-Splatter-Kino der Achtzigerjahre für knapp 100 Minuten konstant unterhält, aber nicht mal ansatzweise so einen bleibenden Eindruck wie die bekanntesten Werke des Autors hinterlässt.
Studiocanal / Reiner Bajo
NASA-Bioterrorismus-Experte Robert Quinn (Liam Neeson) reist Ende der 1970er Jahre zusammen mit seiner Partnerin (Lesley Manville) und einer Mikrobiologin (Sosie Bacon) ins australische Outback, wo ein mutierter Pilz-Organismus kurzen Prozess mit den Bewohner*innen einer kleinen Siedlung gemacht hat. Retten können sie hier zwar niemanden mehr, aber zumindest stellen sie die merkwürdige Substanz sicher und bringen sie zur Verwahrung in eine Militärbasis in die USA.
Jahrzehnte später wurde die Anlage jedoch stillgelegt und zu einer Self-Storage-Einrichtung umgemodelt, in welcher der junge Travis (Joe Keery) und seine neue Kollegin Naomi (Georgina Campbell) gerade Nachtschicht schieben. Aber aus dem vergessenen Labor tief unter den Lagerräumen dringt der vermeintlich gutgesicherte Organismus wieder an die Oberfläche – und verwandelt alle Lebewesen, mit denen er in Kontakt kommt, in zombieartige Infektionsherde. So ist es zunächst einmal an Travis und Naomi, der sich rasant ausbreitenden Bedrohung Einhalt zu gebieten ...
Als 2013 das Videospiel-Meisterwerk „The Last Of Us“ erschien, sorgte unter anderem auch der originelle Dreh innerhalb des Zombie-Subgenres für Begeisterung. Statt mit wiedererweckten Toten bekamen wir es hier mit Menschen zu tun, die durch einen mutierten Pilz zu willenlosen Killermaschinen werden. „Cold Storage“ scheint sich trotz beigemischter Sci-Fi-Zutaten nun ganz offensichtlich bei dieser Prämisse zu bedienen – was ziemlich sinnbildlich für den gesamten Film ist.
Dieser ist ansonsten zwar keine „The Last Of Us“-Kopie (auch wenn es später mit einem schauderhaften Rattenkönig eine weitere Anleihe gibt). Stattdessen steht hier der Spaß und nicht ein niederschmetternder Blick in eine postapokalyptische Zukunft an erster Stelle. Trotzdem fühlt sich die vom sonst vorwiegend im Seriengeschäft tätigen Jonny Campbell („Westworld“) inszenierte Zombie-Comedy wie ein Sammelsurium altbekannter Genreversatzstücke an. Vom ungewöhnlichen Schauplatz einmal abgesehen, bekommen wir es mit einem recht generischen Checklisten-Abarbeiten zu tun, wie man es sonst eher von Algorithmus-getriebenen Streaming-Produktionen kennt.
StudioCanal / Reiner Bajo
Das liest sich jetzt allerdings schlimmer, als es im Film dann tatsächlich ist. Zwar mangelt es „Cold Storage“ an wirklichen Highlights, Originalität und einer eigenen Identität, vergnüglich ist das Ganze aber dennoch, zumal das Wechselspiel von trockenem Witz und blutigem Zombie-Grauen meist gut funktioniert. Schon der Einstieg in Australien deutet an, dass Jonny Campbell trotz des humoristischen Einschlags in Sachen Ekel und Fun-Splatter keine halben Sachen macht. Dieser Eindruck bestätigt sich im weiteren Verlauf immer wieder, wenn Köpfe und Körper am laufenden Band zerplatzen.
Getrübt wird der dabei aufblitzende B-Movie-Charme allerdings durch den übermäßigen CGI-Gebrauch, nicht nur bei den menschlichen, sondern insbesondere auch bei den tierischen Opfern des Pilz-Befalls. Gerade die prominent auftretenden Hirsche wirken wie ein dringender Warnhinweis gegen den Einsatz einer digitalen Fauna. Weniger störend ist der künstliche Look aus dem Computer hingegen bei den häufiger eingestreuten und verspielt-auflockernden Ausflügen in mikroskopische Detailaufnahmen, die etwa illustrieren, was der Zombie-Pilz gerade auf molekularer Ebene so alles anrichtet.
Das Herz von „Cold Storage“ bildet unterdessen das Schauspiel-Duo im Zentrum des Geschehens: „Barbarian“-Star Georgina Campbell und „Stranger Things“-Fanliebling Joe Keery haben eine so wunderbar natürliche Chemie miteinander, dass man ihren Normalo-Figuren gerne beim Improvisieren gegen eine übergroße Bedrohung die Daumen drückt, selbst wenn diese Bedrohung so angestaubt daherkommt wie hier. Etwas enttäuschend fällt dann allerdings das unweigerliche Team-Up mit Liam Neeson aus. Der „Nackte Kanone“-Star darf zwar auch diesmal wieder seinen knorrig-grummeligen Charme ausspielen, wird für den eigentlichen Showdown dann aber weitestgehend aus dem Spiel genommen.
Das mag auf gewisse Weise ein augenzwinkernder Meta-Kommentar auf die späte Action-Karriere des einstigen Charakterdarstellers – und auf sein mehrfach beteuertes Vorhaben, diese dann doch mal an den Nagel zu hängen – sein. Trotzdem sorgt es bei allen für Ernüchterung, die sich (angesichts des Aufbaus nicht zu Unrecht) darauf gefreut haben, dass der 73-Jährige im Finale noch mal so richtig austeilt. Und auch die für Gastauftritte vorbeischauenden Vanessa Redgrave („Blow Up“) und Lesley Manville („Der seidene Faden“) sorgen weniger durch ihre Rollen für Eindruck als vielmehr durch die schiere Tatsache, dass solche Leinwandlegenden überhaupt für diesen Film gewonnen werden konnten.
Fazit: Vieles in „Cold Storage“ hat man so – und auch besser – schon in anderen Filmen gesehen. Dennoch sorgen nicht zuletzt die gut aufgelegten Stars und die stimmige Balance aus Zombie-Horror und Splatter-Spaß für einen kurzweiligen Film-Fast-Food-Snack – selbst wenn der nach dem Rollen des Abspanns schnell wieder vergessen sein dürfte.
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