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    A Day To Die
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    A Day To Die

    Bruce Willis‘ vermutlich letzter Kinofilm (zumindest in Deutschland)

    Von Lutz Granert
    Ende März 2022 sorgte ein Instagram-Post von Emma Heming-Willis, in dem sie ankündigte, dass ihr Ehemann Bruce Willis zukünftig keine Filme mehr drehen werde, für gewaltiges Aufsehen nicht nur in den Sozialen Medien. Der Grund für das plötzliche Karriereende: Der „Stirb langsam“-Star leidet schon seit einigen Jahren an Aphasie, einer kognitiv beeinträchtigenden Krankheit, die bei dem 67-jährigen Schauspieler Sprach- und Wortfindungsstörungen hervorruft. Für die meisten Fans war das ein absoluter Schock. Curtis Nichouls, der Produzent des Action-Thrillers „A Day To Die“ wusste hingegen um den Gesundheitszustand seines Stars: Schließlich wurde er beim Dreh von Willis' Entourage dazu angewiesen, auf bestimmte Zeichen wie einen verwirrten Blick zu achten – und dann erst einmal eine Pause einzulegen. So wurde auch der geplante Zwölf-Stunden-Dreh, zu dem sich Willis verpflichtet hatte, kurzfristig auf zwei Tage aufgeteilt.

    Während es in den USA üblich ist, dass die zahlreichen Direct-to-VoD-Filme mit Bruce Willis nebenher parallel auch noch einen Mini-Kinostart erhalten, liegt es wohl in erster Linie am Rummel ums Karriereende, dass „A Day To Die“ nun auch hierzulande auf die große Leinwand kommt, statt direkt auf DVD & Blu-ray zu erscheinen. Denn rein qualitativ bietet der vom genreerfahrenen Regisseur Wes Miller („Tag der Vergeltung“) mit einem Budget von gerade einmal fünf Millionen US-Dollar preisgünstig heruntergekurbelte Action-Thriller nur öde Stangenware. Willis selbst bestreitet dabei nur wenige der nervös gefilmten (Action-)Szenen und lässt hier – nach „Reprisal“ und „Cosmic Sin“ – abermals Frank Grillo („Boss Level“) den Vortritt. Doch auch der ungleich drahtigere MCU-Bösewicht (er verkörpert den „Captain America“-Gegenspieler Crossbones) kann die an einem hirnrissigen Plot krankende Filmgurke nicht retten.

    Auf dem Poster steht Bruce Willis (natürlich) an erster Stelle - dabei war er nur zwei halbe Tage am Set mit dabei...


    Bei einer Geiselnahme in einer Schule steckt Polizeichef Alston (Bruce Willis) nach gescheiterten Verhandlungen mit den Tätern in der Bredouille. Also beauftragt er die Spezialeinheit von Captain Brice Mason (Frank Grillo) damit, das Gebäude zu stürmen. Doch der Einsatz endet in einem Fiasko, zahlreiche Geiseln sterben. 18 Monate später arbeitet Conner Connolly (Kevin Dillon), ein ehemaliges Teammitglied von Mason, als Bewährungshelfer. In Notwehr erschießt er einen Drogendealer, was wiederrum den Gangsterboss Tyrone Pettis (Leon) stinksauer macht.

    Der nimmt daraufhin Conners schwangere Frau Candice (Brooke Butler) als Geisel und fordert zwei Millionen Dollar Lösegeld, die Conner innerhalb von zwölf Stunden beschaffen soll. Conner trommelt seine alte Einheit zusammen und überfällt die Drogenhöhle einer rivalisierenden Bande, wobei zahlreiche Gangster sterben. Die Entführung und der Raubmord bleiben dem korrupten Polizeichef Alston natürlich nicht verborgen. Der hat jedoch Bauchschmerzen, sich hier einzuschalten – schließlich steht er auch auf Pettis' Gehaltsliste...

    Hurra, die Schule brennt


    Bereits der zehnminütige, nur vage mit dem eigentlichen Plot in Verbindung stehende Geiselnahme-in-der-Schule-Prolog zeigt auf, was man bei der Inszenierung von Action alles falsch machen kann: Die durchschnittliche Einstellung dauert hier vermutlich keine zwei Sekunden, dazu immer wieder dieselben Einstellungen, wie Bruce Willis und Frank Grillo sich die Beine in den Bauch stehen und dabei abwechselnd besorgt, genervt oder angespannt dreinblicken. So wird das natürlich nichts mit der Dynamik oder gar Dramatik. Im Gegenteil: Die ganze Szenerie wirkt durch die ständigen Schnitte zwischen (zu) vielen Charakteren und Handlungsorten nervös, hektisch und unübersichtlich – Spannung kommt bei den mit Billig-Stilmitteln aufgepäppelten Szenen (psychedelische Effekte, weiche Überblendungen, massives Colorgrading) kaum auf. Immerhin die Pyrotechniker und die CGI-Abteilung haben ganze Arbeit geleistet, wenn das Vorspiel nach einer unmotivierten Baller-Orgie beim Stürmen des Gebäudes durch eine Sprengung und einen abstürzenden Hubschrauber in einem regelrechten Inferno kulminiert.

    Bei nahezu jeder Schießerei – und davon gibt es in „A Day To Die“ so einige – wirkt Regisseur Wes Miller heillos überfordert. Anstatt die Kombattanten gegeneinander antreten zu lassen und dabei die Inszenierung des Raums oder der Umgebung im Fokus zu behalten, hält Kameramann Michael Brouphy unruhig in viel zu nahen Einstellungen auf den Helden drauf, der irgendwo ins Off ballert. Der getroffene Bösewicht fällt dann nach kurzer Gegenwehr einfach um, wahlweise auch mit CGI-Blutspritzern an der Wand hinter ihm. Besonders eklatant tritt dieser Malus in den letzten 20 Minuten zutage, als sich die Truppen von Pettis und Mason gegen Alston verbünden und in der Innenstadt vor einer Bank einen regelrechten Kleinkrieg anzetteln. Das ergibt zwar im holpernden Plot von Rab Berry und Scott Mallace rein logisch null Sinn, aber dafür Miller reichlich Gelegenheit, sich mit dem Action-Herzstück von Michael Manns meisterhaftem Heist-Thriller „Heat“ zu messen. Ein Vergleich, den er trotz Drehs der Szene on location in Jackson, Mississippi haushoch verliert.

    Bruce Willis schaut bei der Action meist nur zu, statt noch selbst mit einzugreifen.


    Bruce Willis weilte wie gesagt nur zwei halbe Drehtage am Set und so ist es nicht verwunderlich, dass er nur in einer Handvoll Szenen in Erscheinung tritt. Eine abermals dröge Performance, wenn er im dunkelblauen Nadelstreifenanzug sogar am Maschinengewehr einzuschlafen droht, die sich durch seine Erkrankung womöglich teilweise erklären, aber nicht entschuldigen lässt. Ungleich mehr Spaß hatte offensichtlich der in Lederjacke verwegen auftretende Frank Grillo, der sich ebenso wie seine „Spielgefährten“ immer wieder in doppeldeutigen Dialogen an den großen Kalibern seines Waffenarsenals erfreut. Zumindest diese sexuellen Innuendos weisen neben den tricktechnisch veralteten Rückprojektionen bei nahezu allen Autofahrten in dem insgesamt sehr generisch geratenen Actionvehikel einen gewissen Unterhaltungswert auf.

    Fazit: Der Action-Thriller „A Day To Die“ liefert trotz deutschem Kinostart genau jene Dutzendware für den VoD- und DVD-Markt, die man schon seit Jahren von Bruce Willis gewöhnt ist. Leider kein finales Hurra für einen der größten Actionstars der Kinogeschichte.

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