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    13 Fanboy
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    13 Fanboy

    Kein 2. "Scream" für "Freitag, der 13."-Fans

    Von Lutz Granert
    Als lüsternes College-Girl Tina räkelte sich Deborah Voorhees in „Freitag, der 13. - Ein neuer Anfang“ komplett nackt und kichernd zu Vogelgezwitscher auf einer Waldlichtung. Sie wartet auf die Rückkehr ihres Liebhabers – hat aber stattdessen eine tödliche Begegnung mit der Gartenschere von Jason Voorhees, der ihr damit die Augen aussticht. Es ist eigentlich einer von vielen austauschbaren Auftritten junger weiblicher Opfer in der langlebigen Slasher-Kult-Reihe sein – doch allein durch die überraschende Namensgleichheit der Schauspielern mit dem Leinwand-Killer ist er für viele eingefleischte Fans doch ein wenig erinnerungswürdig.

    Für Deborah Voorhees prägte der kleine Part sogar ihr Leben. Auch weil ihre Filmkarriere zwischen 1986 und 2014 faktisch ruhte, war sie finanziell auf regelmäßige Teilnahmen an Horror-Conventions angewiesen, wo sich unter den zahlreichen Fans – wenig überraschend – auch einige Spinner tummelten. So verriet sie in einem Interview mit dem deadline-Magazin, dass sie schon einmal bei Facebook angeschrieben wurde, ob sie es denn nicht cool finden würde, in Wirklichkeit so zu sterben wie in ihrer Quasi-Paraderolle. Einige Wochen später, so berichtete sie, erhielt sie eine gruselige Nachricht auf ihrem privaten Handy, dass sie gerade beobachtet werde...

    Nicht alle Fans sind freundlich und wollen nur ein Foto...


    Da ihr auch andere 80er-Jahre-Slasherfilm-Starlets wie Adrienne King (Protagonistin des ersten Teils des „Freitag, der 13.“-Franchise) von ähnlich gruseligen Erfahrungen mit misogynen Fans und Stalkern erzählten, arbeitet Deborah Voorhees diese nun filmisch auf. In ihrer – nach der Shakespeare-Komödie „Billy Shakespeare“ - erst zweiten abendfüllenden Regiearbeit „13 Fanboy“ versammelt sie sehr viel Prominenz aus der inzwischen zehn Teile und ein Remake umfassenden Slasher-Reihe. Leider bleibt jedoch viel Potenzial des Meta-Slashers ungenutzt, gerade weil der sichtlich preisgünstig produzierte Streifen handwerklich zu viele Defizite aufweist.

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    Als Kind muss Kelsie beobachten, wie ihre Mutter (Deborah Voorhees als sie selbst), auf brutale Weise von einem Killer mit Totenkopf-Maske ermordet wurde. 13 Jahre später hat Kelsie (Hayley Greenbauer) selbst durch mehrere Auftritte in einer Martial Arts-Reihe den Einstieg in die Filmbranche geschafft, als ein Handyvideo der vermissten „Freitag, der 13.“-Schauspielerin Lar Park-Lincoln auftaucht, die darin ängstlich über einen Stalker berichtet. Während Online-Nachrichtenseiten einen perfiden PR-Gag für ein neues Filmprojekt dahinter vermuten, schrillen bei Kelsie die Alarmglocken. Immer mehr ehemalige Darsteller der „Freitag, der 13.“-Reihe verschwinden bald spurlos... Zusammen mit der ebenfalls bedrohten Horrorfilm-Ikone Dee Wallace (als sie selbst), einer Freundin ihrer Mutter, will Kelsie endlich die Identität des Killers lüften.

    Der Horror schwächelt


    „13 Fanboy“ vermischt immer wieder Realität und Fiktion – und zieht daraus einen besonderen Reiz. Gerade wenn der inzwischen ergraute Kane Hodder (der vom siebten bis zum zehnten Teil Jason verkörperte) wegen seines Legendenstatus über wenig attraktive Rollenangebote und geplatzte Projekte klagt, scheint das wie aus dem (Berufs-) Leben gegriffen. Leider sind solche kritischen Seitenhiebe aufs Filmbusiness rar gesät:

    Deborah Voorhees und ihr Co-Autor und Regieassistent Joel Paul Reisig setzen letztlich auf klassische Slasher-Elemente – und lassen in der Umsetzung meist jegliches Gespür für Atmosphäre und Timing vermissen. Sind vor allem einige deftige Gore-Szenen durchaus gelungen, so funktionieren die jump scares in der Regel überhaupt nicht: Anschwellende Streicher allein (die als wiederkehrend-plumpes Stilmittel auch bei nahezu jedem Szenenwechsel mit hartem Schnitt zum Einsatz kommen) sorgen noch nicht für wohliges Gruseln. Da kann 80er-Jahre-Horror-Ikone Dee Wallace („Cujo“, „Critters – Sie sind da!“) ohne unmittelbare oder sorgsam aufgebaute Bedrohungslage noch so sehr bibbernd und verängstigt neben der Dusche kauern, als sie entdeckt, dass ihr wohl jemand im Schlaf eine Haarsträhne abgeschnitten hat – angsteinflößend ist das nicht.

    ... manche trachten dir auch nach dem Leben.


    Auch eine Kameraarbeit, die zu sehr nahen und entsprechend unübersichtlichen Einstellungen neigt, ist nicht gerade förderlich für den Spannungsaufbau. Schließlich sollte schon irgendwie erkennbar sein, ob der Killer gerade in der Nähe herumschleicht. Bei „13 Fanboy“ ist das oft unklar. In Sachen Inszenierung (und insbesondere Schauspielführung) versagt Deborah Voorhees schon bei einfachen Dialogszenen, wenn das Kuscheln von Dee Wallace mit ihrer Film-Enkelin in einem fahrigen Schnittgewitter aufgelöst wird, das zudem etliche Anschlussfehlern aufweist.

    Ungleich gelungener ist das Skript von „13 Fanboy“: Auch eingefleischte Genrefans werden durch überraschende Wendungen bis zum Ende bei der Stange gehalten. Ein Nebenplot um die Dreharbeiten eines Martial-Arts-Heulers namens „Bloodlust III“ sorgt für kurzweilige Abwechslung. Daran hat auch Ex-Teenie-Star Corey Feldman (der im vierten und fünften „Freitag, der 13.“-Teil mitspielte) entscheidenden Anteil, der als schmieriger Filmproduzent mit dem herrlich bekloppten Rollennamen Mike Merryman und überkandideltem Prollgehabe regelrecht freidreht. Er ist das schauspielerische Highlight von „13 Fanboy“, dem man sein geringes Budget, welches zum Großteil über Crowdfunding eingesammelt wurde, immer wieder deutlich ansieht. Auch wenn bei einem nerdigen „Freitag, der 13.“-Quiz deutlich darauf angespielt wird: Wes Cravens Meta-Slasher „Scream“ bleibt unerreicht und spielt insbesondere qualitativ in einer vollkommen anderen Liga.

    Fazit: „13 Fanboy“ ist maximal ein guilty pleasure für Hardcore-Fans der Slasher-Reihe. Diese dürften bei allem Abfeiern des Darsteller*innen-Klassentreffens noch am ehesten darüber hinwegsehen, dass der Meta-Slasher weniger gruselig als einfach nur gruselig schlecht inszeniert ist.



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