How To Make A Killing - Todsicheres Erbe
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
How To Make A Killing - Todsicheres Erbe

So skrupellos haben wir uns das Remake vorgestellt

Von Markus Trutt

Ein gestählter Körper ohne Training? Reichtum ohne Arbeit? Der Mensch sucht gern nach Abkürzungen. Und wer will es ihm verübeln? Die Sehnsucht nach dem schnellen Glück liegt schließlich in unserer Natur – und wenn dazu Regeln gebrochen werden müssen, dann ergibt das oft eine besonders reizvolle Geschichte: So eine hat der Autor Roy Horniman schon vor mehr als 100 Jahren in seinem Roman „Israel Rank - Die Autobiografie eines Verbrechers“ wahnsinnig bissig und unterhaltsam zu Papier gebracht – und damit im Jahr 1949 die Kult-Krimi-Komödie „Adel verpflichtet“ mit ihrem typisch britischen Humor der tiefschwarzen Sorte inspiriert.

Auch fast acht Jahrzehnte später hat der Stoff nichts an Relevanz und Schärfe eingebüßt. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass sich der Autor und Regisseur John Patton Ford nach seinem gefeierten Indie-Thriller-Debüt „Emily The Criminal“ für eine Neuverfilmung des Stoffes entschieden hat. „How To Make A Killing - Tödliches Erbe“ ist eine geschickt modernisierte Version, die trotzdem wieder für jede Menge diebische Freude sorgt – und in welcher der ansonsten mitunter etwas glatte Shooting-Star Glen Powell („A Killer Romance“) endlich mal mehr Ecken und Kanten zeigen darf.

Bei seinem mörderischen Erbschleicher-Feldzug greift Becket (Glen Powell) auf ganz verschiedene Methoden zurück. A24
Bei seinem mörderischen Erbschleicher-Feldzug greift Becket (Glen Powell) auf ganz verschiedene Methoden zurück.

Als die junge Mary Redfellow (Nell Williams) ihrer stinkreichen Familie eröffnet, dass sie schwanger ist, stößt sie damit auf wenig Begeisterung. Gegen den Willen ihres strengen Vaters (Ed Harris) entschließt sich Mary, das Baby zu behalten – und wird daraufhin verstoßen. Als sie einige Zeit später verarmt stirbt, trichtert sie ihrem kleinen Sohn Becket mit ihren letzten Worten einmal mehr ein, dass er nicht aufgeben soll, bis er das hat, was ihm seit seiner Geburt eigentlich zusteht.

Und genau das nimmt sich Becket (jetzt: Glen Powell) Jahre später zu Herzen. In seinem Leben will es einfach nicht so laufen, wie er es gerne hätte, und so schmiedet er schließlich einen perfiden Plan. Nach und nach will er sich jener sieben Verwandten entledigen, die ihm beim Erbe des stolzen Redfellow-Vermögens im Weg stehen – und ist überrascht, wie leicht ihm das mörderische Treiben von der Hand geht. Aber die plötzliche Anhäufung der kuriosen „Unfälle“ bleibt natürlich nicht unbemerkt ...

Glen Powell ist das Rückgrat des Films

Nach seinem überraschenden Welterfolg mit „Wo die Lüge hinfällt“ sowie dem zuletzt hinter den Erwartungen zurückgebliebenen „The Running Man“ darf „Top Gun 2“-Rabauke Glen Powell nun auch in „How To Make A Killing“ seine Leading-Man-Qualitäten unter Beweis stellen. Dank seines verschmitzten Grinsens beim Vortrag der pointierte Dialoge – das Drehbuch stand schon 2014 auf der Liste der besten unverfilmten Skripte – kann man sich dem Charme des Texaners nur schwer entziehen. Dabei kommt seine Rolle diesmal erfreulicherweise nicht so glattgebügelt daher.

Dass der buchstäblich über Leichen gehende Becket trotz Gewissensbissen im Grunde bis zum Schluss konsequent ambivalent bleibt, macht ihn als Protagonisten viel spannender als die meisten von Powells vorherigen Figuren. Obwohl wir Becket bereits in der ersten Szene in der Todeszelle kennenlernen, sorgen seine nonchalante Art sowie der oft zynische, bisweilen an Killer-Kollege Dexter erinnernde Off-Kommentar dafür, dass wir ihm trotzdem die Daumen drücken. Daran ändert selbst sein erster, in seiner Tollpatschigkeit ungemein witziger Mord nichts. Eher ist sogar noch das Gegenteil der Fall, wenn sich ein Großteil seiner Verwandtschaft als verpeilte Blender oder astreine Arschlöcher herausstellt.

Julia (Margaret Qualley) ahnt bald, dass ihre Jugendliebe Becket ein finsteres Geheimnis hütet. StudioCanal / Ilze Kitshoff
Julia (Margaret Qualley) ahnt bald, dass ihre Jugendliebe Becket ein finsteres Geheimnis hütet.

Spätestens aber, wenn der vergessene Redfellow-Spross auf seinen hilfsbereiten Onkel Warren (Bill Camp) trifft, werden die Machenschaften des tödlichen Erbschleichers offen in Frage gestellt, nicht zuletzt von ihm selbst. Zumal er an jenem Punkt bereits einen Aufstieg hingelegt hat, der ihm eigentlich schon ein wesentlich besseres Leben bescheren würde. Aber natürlich endet Beckets Reise dort nicht. Die Aussicht auf den 28 Milliarden Dollar schweren Nachlass und die Einmischung seiner berechnenden Jugendliebe Julia (herrlich fies: „The Substance“-Star Margaret Qualley) lassen ihn den eingeschlagenen Pfad weiter beschreiten, sehr zum Vergnügen des Publikums.

Denn auch wenn außer Frage steht, dass Becket die moralischen Grenzen längst überschritten hat, kann man sich an den wunderbar schwarzhumorigen und zunehmend ausgeklügelten Tötungsszenarien immer wieder ergötzen. Die Mischung aus Suspense und überraschenden Wendungen geht hier meist voll auf, da John Patton Ford uns vorher jeweils nicht offenbart, wie Becket seine Onkel, Tanten und Cousins ins Jenseits befördern will. Das erinnert fast an die unerwartete Absurdität gelungener „Hitman“-Let’s-Play-Videos. Der stets folgende Running Gag, ein harter Schnitt zur nächsten Beerdigung, zündet zudem auch beim x-ten Mal.

Twists ohne Ende

Entscheidenden Anteil am diabolischen Spaß hat auch die prominente Nebendarsteller-Riege im Redfellow-Clan. Zwar wird auf den damals kongenialen Besetzungs-Kniff aus „Adel verpflichtet“ verzichtet, in dem die spätere „Star Wars“-Ikone Alec Guinness alle (!) ins Visier genommenen Verwandten der Hauptfigur verkörperte. Aber herrlich bescheuerte Auftritte wie die von „The Office“-Prügelknabe Zach Woods als trotteliger Möchtegern-Künstler und „Die wilden Siebziger“-Kultstar Topher Grace als betrügerischer Fernseh-Pastor machen das durchaus wett.

Bei der schieren Anzahl an Opfern hinterlässt zwar längst nicht jedes einen bleibenden Eindruck. Aber dafür zieht sich die Schlinge um Becket von verschiedenen Seiten immer enger zu, wobei „How To Make A Killing“ bis zum Finale noch eine Vielzahl unerwarteter Haken schlägt (was sich in Richtung des dramaturgisch etwas überfrachteten Endes allerdings auch ein Stück weit abnutzt). Und ob die mit der letzten Einstellung aufgemachte Knast-Analogie wirklich so treffend ist, muss wohl jeder und jede für sich selbst entscheiden.

Fazit: Dem direkten Vergleich mit dem übergroßen Vorbild „Adel verpflichtet“ kann „How To Make A Killing“ zwar nicht standhalten. Dennoch ist die Thriller-Komödie ein schön bissiges Vergnügen, insbesondere dank Glen Powell, der die Serienkiller-Skrupellosigkeit seiner Rolle mit seinem gewohnten Sonnyboy-Charme kontrastiert.

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