Zum Jubiläum gibt es viel zum Lachen – und wenig zum Miträtseln
Von Julius VietzenZehn Teile umfasst das Eberhofer-Kinofranchise von Regisseur Ed Herzog mittlerweile – und das, obwohl „Dampfnudelblues“ damals eigentlich fürs Fernsehen gedreht und nur auf Betreiben einer bayerischen Kinobesitzerin auch auf der großen Leinwand ausgewertet wurde. Bei einer derart langlebigen Filmreihe lassen sich zwei Dinge wohl kaum vermeiden: Zum einen sammeln sich im Laufe der Jahre eine Menge Nebenfiguren an – und zum anderen wird es zunehmend schwieriger, das Rad jedes Mal grundlegend neu zu erfinden. Der Jubiläums-Fall „Steckerlfischfiasko“ ist nun ein gutes Beispiel dafür, denn diesmal bleiben wirkliche Überraschungen aus, während sich das inzwischen wahnsinnig umfangreiche Figurenarsenal durchaus als Ballast erweist – so skurril und liebenswürdig die einzelnen Bewohner*innen Niederkaltenkirchens auch sein mögen.
Trotzdem kommt die weiterhin wachsende Fanschar (mit 1,5 Millionen Besucher*innen gelang Teil 9 erneut ein Rekord) auch diesmal wieder auf ihre Kosten – und wird über den Großteil der 99 Minuten kurzweilig unterhalten. Oder mit den Worten aus unserer Kritik zu „Rehragout-Rendezvous“ aus dem Jahr 2023: „Ein neuer Eberhofer-Krimi ist wie ein Essen bei der Oma. Man weiß genau, was man kriegt!“
Constantin Film
Langsam reicht es Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel): Schon mehrfach wurde er zum Rummelplatz von Niederkaltenkirchen gerufen, um dort Streitigkeiten zwischen dem örtlichen Steckerlfischkönig Paulus (die spektakuläre Besetzung verraten wir auf Wunsch des Verleihs an dieser Stelle nicht) und der Großfamilie Dottinger zu schlichten. Dazu kommt der Ärger daheim, wo Franz aufgrund der Renovierung der heimischen Doppelhaushälfte seine Hündin Hinkelotta nicht mit ins Haus nehmen darf – und Susi (Lisa Maria Potthoff) denkt auch nur noch an ihre Kandidatur als Bürgermeisterin.
Da kommt Eberhofer ein neuer Mordfall gerade recht: Der besagte Steckerlfischkönig wurde tot im neu errichteten Golfclub von Niederkaltenkirchen aufgefunden. Bei den folgenden Ermittlungen dauert es nicht lange, bis er und sein alter Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) in eine ausgewachsene Familienfehde zweier Volksfestclans verwickelt werden. Doch ist der Fall tatsächlich so simpel, wie er zunächst scheint?
Der im vorherigen Absatz angerissene Fall kommt Eberhofer in „Steckerlfischfiasko“ zwar gerade recht, doch sonderlich viel Zeit nimmt der Krimiplot trotzdem nicht in Anspruch – und das, obwohl mit dem Jahrmarkt-Setting und der Familienfehde eigentlich ein vielversprechender Grundstein gelegt wird. „Romeo und Julia auf einem niederbayrischen Rummelplatz“ sollte hier also niemand erwarten, obwohl das im Film sogar genau so ausgesprochen wird. Vielmehr stehen im Mittelpunkt des Films gleich zwei (andere) Beziehungen: die mal wieder kriselnde Romanze zwischen Franz und Susi sowie die Bromance zwischen Franz und Rudi. Beide Gespanne kabbeln sich auch in „Steckerlfischfiasko“ wieder auf äußerst amüsante Weise.
Daneben rücken aber nicht nur die hier eher pflichtschuldig abgearbeiteten Ermittlungen deutlich in den Hintergrund, auch einige der obligatorischen Gastauftritte zünden nicht so richtig. Enzi Fuchs bleibt als Oma Eberhofer zwar trotz weniger kurzer Szenen das Herz der Filmreihe, doch andere Auftritte fühlen sich fast schon ein wenig erzwungen an – vor allem die der Eberhofer-Kumpels Flötzinger (Daniel Christensen), Simmerl (Stephan Zinner) und Wolfi (Max Schmidt).
Constantin Film
Die Einbindung des kompletten Niederkaltenkirchen-Ensembles geht dieses Mal also nicht so gut auf wie zuletzt noch in „Rehragout-Rendezvous“. Aber wahnsinnig unterhaltsam ist es trotzdem. Denn auch der zehnte Eberhofer-Film ballert in Sachen Humor aus allen Rohren. Es werden nicht nur wieder ständig äußerst witzige Oneliner fallen gelassen („Wer Hochdeutsch redet, hat nicht automatisch recht!“), auch bei der Charakterzeichnung und bei der Situationskomik trifft „Steckerlfischfiasko“ immer wieder ins Schwarze. So befindet sich Rudi diesmal in einer Selbstfindungsphase und lebt in seinem Auto, weshalb sich nicht nur – ein sehr gelungener Running Gag – ständig Figuren über seinen Körpergeruch beschweren, sondern ihn auch in jeder Szene eine Fliege umschwirrt.
Und wenn Franz im Bürgermeisterwahlkampf zwischen seiner Susi und dem aktuellen Amtsinhaber (Thomas Kügel) irgendwann der Geduldsfaden reißt und er einen Streit um falsch geklebte Wahlplakate beendet, indem er die betroffene Litfaßsäule mit seinem Polizeiauto abschleppt und von einer Brücke kippt, hat man das in den bisherigen neun Filmen so auch noch nicht gesehen.
Constantin Film
Selbst der Handlungsstrang um Franz’ und Susis Sohn Paul (Pelle Küffner), der neuerdings Ballett tanzt, wird für Humor genutzt. Allerdings nicht, um sich über diese Tatsache lustig zu machen (die ja heute auch niemand mehr lustig finden sollte), sondern weil sich zahlreiche Figuren mit ihrer Reaktion darauf selbst entlarven – darunter durchaus auch Eberhofer selbst.
Hier beweisen der für alle zehn Filme verantwortliche Regisseur Ed Herzog und sein eingespieltes Team ein ziemlich gutes Händchen, selbst wenn sich die ganze Sache am Ende der 99-minütigen Laufzeit etwas zu einfach in Wohlgefallen auflöst. Das trifft so ähnlich auch auf die anderen zentralen Konflikte des Films zu – und selbst die Auflösung des (zwischenzeitig ganz schön in den Hintergrund gerückten) Kriminalfalls fühlt sich mehr wie eine Pflichtübung an, weswegen „Steckerlfischfiasko“ gerade in den letzten Minuten spürbar an Unterhaltungsfaktor einbüßt.
Fazit: Der zehnte Eberhofer-Fall ist endgültig mehr Komödie als Krimi – weil der Humor größtenteils hervorragend funktioniert, wird das Fans aber vermutlich mal so absolut gar nichts ausmachen!