Die Fortsetzung zum Apple-TV-Streaming-Hit
Von Lutz GranertEin geregeltes Familienleben und dann trotzdem noch geheime Missionen – eine herausfordernde Mischung: Das zeigte zuletzt nicht nur Cameron Diaz, die für den launigen Netflix-Actioner „Back In Action“ sogar extra aus dem Schauspiel-Ruhestand zurückkehrte, sondern auch Mark Wahlberg in „The Family Plan“, in dem er sich als Geheimagent mit Baby vorm Bauch im gnadenlosen „John Wick“-Stil gegen böse Buben erwehren musste. Die Kritiken fielen bei nur wenig zündenden Gags und einem eher mauen Plot zwar mau aus (auch von uns gab es „nur“ mäßige 2,5 Sterne), aber auf Apple TV avancierte die pünktlich zur Weihnachtszeit 2023 gestartete Action-Komödie trotzdem zum bis dahin meistgesehenen Film der Streaming-Plattform.
Deshalb ist es alles andere als verwunderlich, dass Apple TV bereits im Oktober 2024 eine Fortsetzung ankündigte, für die alle zentralen Beteiligten des Vorgängers wieder mit ins Boot geholt werden sollten – von Regisseur Simon Cellan Jones („Arthur der Große“) über Drehbuchautor David Coggeshall („Prey“) bis hin zu weiten Teilen der Besetzung. Diese personelle Kontinuität sorgt bei „The Family Plan 2“ zwar für Stringenz im chaotischen Alltag der Familie Morgan – die Schwächen des Erstlings konnten aber trotz einer Verlagerung der Geschehnisse aus den USA nach London und Paris nicht abgestellt werden.
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Am liebsten würde die Familie Morgan Weihnachten einfach zu Hause in Buffalo, New York feiern. Doch weil Tochter Nina (Zoe Colletti) inzwischen in London studiert und Familienvater Dan (Mark Wahlberg) mit seiner Sicherheitsfirma zufällig einen Auftrag in der britischen Metropole erhält, werden die Feiertagspläne kurzfristig über den Haufen geworden. Aber mit Ruhe und Besinnlichkeit wäre es wohl ohnehin nichts geworden: Dans immer zu kurz gekommener Halbbruder Finn Clarke (Kit Harington) hat es auf das Vermögen und die Macht ihres im Finale des Vorgänger-Films verstorbenen Mafia-Erzeugers (Ciarán Hinds) abgesehen – und Dan und seine Familie stehen ihm dabei im Weg...
Gleich zu Beginn klettert Dan die Fassade eines Hotels empor, während er mit seiner elegant gekleideten Frau Jessica (Michelle Monaghan) telefoniert. Ist sie jetzt auch ins Spionage-Business eingestiegen? Weit gefehlt, das konspirative Szenario entpuppt sich stattdessen als ein langgeplanter romantischer Abend zu zweit, der jedoch von einem dringen Anruf jäh unterbrochen wird. Das Drehbuch von David Coggeshall strotzt vor solchen halbgaren Pointen, die ihr Potenzial selten ausschöpfen. Besonders auffällig ist das auch bei Ninas hemdsärmeligem Freund Omar (Reda Elazouar aus der Serie „Sex Education“):
Zunächst für einen Gag als duschender „Eindringling“ in Ninas Wohnung gut, nennt der Hobby-Traceur Dan fortan immerzu „Daddy“ – was einfach nur reichlich merkwürdig anmutet, aber als running gag so gar nicht taugt. Auch der Auftritt von Sidse Babett Knudsen („Borgen – Gefährliche Seilschaften“) als Agentin Svetlana Romanova, die Familie Morgan vorübergehend Unterschlupf gewährt, ist verschenkt: Sie bleibt mit ihrem starken Akzent, einem Hang zum Hochprozentigem und voller Stolz auf ihrem frisch gekochten Borschtsch in ausgelutschten Russland-Klischees stecken.
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Bis zur ersten größeren Actionszene vergeht eine halbe Filmstunde – und diese fällt mit einem eher einfallslos choreografierten Kampf auf dem Deck eines Londoner Doppelstockbusses auch alles andere als spektakulär aus. Ungleich gelungener ist eine chaotische und mit vorwärtstreibenden Beats unterlegte Verfolgungsjagd im Trabi durch das hügelige Künstlerviertel Montmartre vorbei an der Basilika Sacré-Cœur, bevor dann beim Kampf zahlreicher Killer gegen die Morgans genüsslich das antik-vergoldete Interieur einer mondänen Pariser Villa zerlegt wird. Wegen ähnlicher (touristischer) Schauplätze samt familienfreundlicheren Variation des „Ein Mann gegen eine Heerschar aus Killern“-Schemas drängt sich der Vergleich zu den virtuosen Action-Kapriolen in „John Wick: Kapitel 4“ (2023) gerade auf. Aber dem kann „The Family Plan 2“ mit seinen nur halbspektakulären Choreografien sowie einer zähen Inszenierung mit viel Leerlauf nie standhalten.
Immerhin können bei ihrer gemeinsamen, aber recht einfallslosen Mission gegen Finn alle Familienmitglieder ihre teils bereits im Erstling kurz angeteaserten Fähigkeiten einsetzen: Jessica besinnt sich auf ihre Erfahrung als College-Zehnkämpferin, wenn sie sich beim Sprung zwischen weit auseinanderstehenden Dächer überwinden muss – und Kyle (Van Crosby) macht mit seinen Hacker-Fähigkeiten Luther Stickell aus der „Mission: Impossible“-Filmreihe Konkurrenz. Eine hübsche, ja auch passend weihnachtliche Idee, selbst wenn es dem Action-Komödien-Szenario weiterhin an wirklichen Alleinstellungsmerkmalen mangelt.
Fazit: Ein paar hübsche Postkartenansichten von Paris und London, aber sonst wenig Neues bei der Familie Morgan. Als wäre er mit angezogener Handbremse inszeniert, fehlt es „The Family Plan 2“ erneut an mitreißendem Esprit und zündenden Gags.