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    8 Mile
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    8 Mile
    Von Carsten Baumgardt
    Musikgrößen und Film: Eine lange Geschichte voller Missverständnisse. Manche erlangten immerhin eine gewisse Anerkennung (Sting, David Bowie, Cher, Mark Wahlberg ...), zu Superstars in der fremden Branche wurde kaum einer, aber meistens hätten Mariah Carey und Co. einfach besser die Finger vom Filmfach gelassen. Da ist es doch erfreulich, dass es auch anders geht. Hip-Hop-Provokateur Eminem belehrt bei seinem ersten Auftritt als Schauspieler alle Skeptiker eines Besseren und macht in dem Gossen-Drama „8 Mile“ einen grundsoliden Eindruck. Allerdings schusterte Meisterregisseur Curtis Hanson („L.A. Confidential“) dem Superstar eine maßgeschneiderte Story auf den Leib, sodass Eminem sich im Prinzip nur selbst spielen muss.

    Seine Leidenschaft ist Rap und Hip Hop. Das soll Jimmy Rabbit (Eminem) aus dem Detroiter Elendsviertel direkt an die Spitze führen. Darin setzt er, genau wie eine ganze Generation, die in den Armenviertel wohnt, seine Hoffnung. Trotz aller Vorbehalte, die ihm in dem von Schwarzen dominierten Musikstil entgegengebracht werden, wird Jimmy wenigstens von seinen Freunden respektiert und unterstützt. Denn die erkennen sein außergewöhnliches Talent. Bei seinem ersten großen Auftritt bei einem Battle-Rhyme-Duell, zwei Rapper beschimpfen sich in 45 Sekunden möglichst kreativ, versagt Rabbit. Vor lauter Nervosität muss er sich übergeben und bringt auf der Bühne später keinen Ton heraus. Seine Gang-Freunde um den Anführer Future (Mekhi Phifer) machen ihm Mut. Denn auch sonst hat Jimmy wenig zu lachen. Er haust mit seiner heruntergekommenen Mutter (Kim Basinger) und seiner kleinen Schwester Lily (Cloe Greenfield) in einem Wohnwagenpark jenseits der 8 Mile Road, jener Straße, die in Detroit arm von reich trennt. Zudem ist sein Job in einer Stahlfabrik auch kein Zuckerschlecken. Angetrieben durch seine neue Freundin (Brittany Murphy) schöpft Jimmy wieder neues Selbstvertrauen und will endlich ein Demoband aufnehmen, um den Durchbruch zu schaffen.

    Für sein Schauspieldebüt hat Platten-Multimillionär Eminem (30 Millionen verkaufte Exemplare in den vergangenen drei Jahren) ein gutes Gespür gezeigt. Die altbekannte Aufsteigerstory um den Underdog aus der Gosse ("Rocky" lässt grüßen), der zum großen Star werden will, ist natürlich nicht neu, aber sie trägt doch viele autobiographische Züge, sodass Eminem aus seiner eigenen Erfahrung schöpfen kann. Mit Curtis Hanson („The Wonder Boys“) steht ihm ein erfahrener Könner zur Seite, der die Energien des Marshall Mathers, so sein bürgerlicher Name, in die richtigen Bahnen lenkt. Dazu ist die übrige Besetzung exzellent gewählt. Oscar-Preisträgerin Kim Basinger überzeugt in ihrer ersten Rolle nach längerer Leinwandpause als White-Trash-Mami und schafft das Kunststück, trotz aller Trostlosigkeit noch bezaubernd auszusehen. Eminem selbst kann seine Figur glaubhaft transportieren, man nimmt ihm die Rolle jederzeit ab. Ein weiterer großer, vielleicht der größte Pluspunkt von „8 Mile“, ist die ungeheure Authentizität. Alles wirkt echt: das Milieu, die Sprache, die Locations. Etwas geschönt wirkt dagegen die (verminderte) Darstellung von Gewalt, die zwar vorhanden ist, aber nicht in der exzessiven Form, die der Wirklichkeit entspricht. Den Soundtrack (Kritik: hier) steuerte Eminem selbst bei (unterstützt von Dr. Dre), auch wenn das Chart-erprobte „Lose yourself“ erst im Abspann komplett zu hören ist. Der Großteil der Musik besteht aus den Rhymes, mit denen die Protagonisten gegeneinander antreten.

    Ohne Mängel ist der White-Trash-Drama aber dennoch nicht. Die Geschichte ist stellenweise ein wenig zu langatmig, und wirkliche Überraschungen finden auch nicht statt. Alles verläuft im Rahmen der Genre-Konventionen. So bekommen die Eminem-Fans, die von den Film begeistert sein werden, das, was sie sehen wollen und der Rest kann sich immerhin auf einen ordentlichen Film einstellen. Erfreulicherweise haben die Synchronautoren bei der Übersetzung ein feines Gespür bewiesen und die Battle-Rhyme-Szenen im Original belassen und sie lediglich untertitelt. Das hat allerdings den Nachteil, dass die Aufmerksamkeit weg von den schnell geschnittenen, oft per wackeliger Handkamera eingefangenen Bildern gelenkt wird.

    Kommerziell hat sich das Unternehmen für alle Beteiligten auf jeden Fall gelohnt. In den USA erwies sich „8 Mile“ als echter Überraschungshit und spielte rund 120 Millionen Dollar ein. Davon kann die „Glitter“-geschädigte Mariah Carey (Einspiel: mickrige 4 Millionen Dollar) nur träumen. Ganz zu schweigen von der Presse-Prügel, die sie bezüglich ihrer indiskutablen schauspielerischen Leistung einstecken musste.
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