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    Das Schwiegermonster
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Das Schwiegermonster
    Von Manuel Johannes Rosemann
    Eine Hochzeit hat viele Facetten, Geschichten und Traditionen. Eines der ältesten Klischees: Jede Frau, die sich einen Mann zur Heirat anlacht, muss eine Prüfung vor dessen Familie bestehen – und insbesondere der Mutter des Bräutigams gefallen. Da Mütter die geliebten Söhne aber nicht immer in die Hände einer anderen Frau entlassen wollen, sind Spannungen zwischen ihr und der zukünftigen Schwiegertochter vorprogrammiert – sagt zumindest das alte Vorurteil. Ein häufig benutzter Stoff in diversen Filmen aus Hollywood. Auch Robert Luketic’ romantische Komödie „Das Schwiegermonster“ mit Jennifer Lopez in der Hauptrolle bedient sich dieses uralten Rezeptes.

    Charlotte „Charlie“ Cantilini (Jennifer Lopez) lebt in den Tag hinein – immer auf der Suche nach dem richtigen Mann an ihrer Seite. Ihre Aushilfsjobs als Arzthelferin, Hunde-Sitter, Modedesignerin und Bedienung beim Catering-Service ihrer Freundin Morgan (Anni Parisse) lenken sie nur von der bitteren Wahrheit ab: Sie findet einfach nicht den Richtigen! Doch dann joggt eines Tages nichts ahnend ihr Traummann an ihr vorbei – während sie am Strand einem ihrer Jobs nachgeht. Das Beste: Kevin Fields (Michael Vartan) ist ein erfolgreicher, wohlhabender Chirurg und noch dazu ausgesprochen attraktiv. Die beiden kommen sich näher und schaffen es, trotz Sabotagesversuche von Kevins Exfreundin, eine stabile Beziehung aufzubauen.

    Nichts scheint dem Glück im Wege zu stehen. Bis Kevins Mutter Viola (Jane Fonda), eine früher überaus erfolgreiche Fernsehmoderatorin, aus der Psychiatrie entlassen wird. Wegen Übergriffen bei einer Livesendung wurde sie in diese eingeliefert. Von ihrem Sender durch eine jüngere Frau ersetzt und wütend über die neue Partnerin des heiß und innig geliebten Sohnes, setzt Viola mithilfe ihrer langjährigen Assistentin Ruby (Wanda Sykes) alle Hebel in Bewegung, um die unerwünschte Liaison zu zerstören. Beim ersten Treffen der drei lässt Kevin die Bombe platzen und macht Charlie vor den Augen der zornigen Mutter einen Heiratsantrag. Die durch diese Unverschämtheit gegrämte Viola bekommt einen psychischen Rückfall und die Situation gerät außer Kontrolle.

    Déjà-vus? Jennifer Lopez, das nette, süße, immer geschminkte Mädchen von nebenan in einer kitschigen Romanze mit smartem Kerl an ihrer Seite und etwas Humor? Wenn da keine Erinnerungen an „The Wedding Planner“ oder „Manhattan Love Story“ wach werden… Egal ob Kino, Musik, Print, Kosmetik oder Mode – keine Branche ist vor Jennifer Lopez sicher! Um kaum eine andere Person hat sich eine derartige Marketing-Maschinerie entwickelt, wie um die gebürtige New Yorkerin. Doch der große Name ist leider auch mit einer eher biederen Qualität verbunden. Auch die diversen Hauptrollen von Frau Lopez sind in der Fast-Food-Abteilung Hollywoods anzusiedeln: Alles schon mindestens einmal gesehen. Unerträglicher Schmalz, Kitsch, Vorhersehbarkeit und Pseudowitz ziehen sich durch „Das Schwiegermonster“ wie Schimmelpilz durch altes Brot. Hin und wieder kommt tatsächlich eine romantische Grundstimmung auf, aber grundsätzlich kann keine Szene wirklich überraschen oder gar überzeugen. Die Märchenhochzeit und das unerträglich dämliche Happy End setzen dem Ganzen dann noch die Krone auf!

    „Das Schwiegermonster“ ist der erste Film mit Jane Fonda seit über 15 Jahren. Und aus welchem Winkel die ehemalige Sex-Ikone (legendär: „Barbarella“) wieder den Weg ins Filmgeschäft gefunden hat – sie hätte lieber dableiben sollen, wo sie war. So viel Exzentrik, Hysterie und nicht vorhandene Komik auf einem Fleck ist fürchterlich und fast nicht ertragbar. Ein Rohrkrepierer jagt den nächsten. In diversen Blödeleinlagen macht sich Fonda selbst lächerlich. Positiv ist einzig ihr nach wie vor attraktives Äußeres. Nicht nur im modischen Bereich weiß die mittlerweile 67-Jährige zu gefallen. Da darf sich die Lopez ruhig ein Stückchen abschneiden.

    Der Versuch von Regisseur Robert Luketic („Natürlich blond“), die schwache Story durch ein gutes Zusammenspiel der Hauptdarsteller zu vertuschen, misslingt völlig. Das wird spätestens beim Einzug der Mutter in die Wohnung des Pärchens deutlich. Ab diesem Zeitpunkt wird keine noch so vorhersehbare Gehässigkeit mehr ausgelassen. Durch das nicht enden wollende, nächtliche triezen Violas, werden nicht nur die ohnehin dünnen Witze überstrapaziert, sondern auch Charlie, die zur personifizierten Müdigkeit wird und Viola mit ihren eigenen Waffen angreift. Ein Potential, das nicht ausgeschöpft wird, aber im letzten Drittel noch die erhoffte Wende (weg vom totalen Super-Gau) bringt.

    Jennifer Lopez mit Ben Afflek, Michael Vartan mit Jennifer Garner und Jane Fonda mit Ted Turner. Alle drei Hauptdarsteller müssten eigentlich aus ihrem Privatleben bestens wissen, dass sich Super-Hochzeiten und Familienknatsch nicht so aufgeplustert und unrealistisch darstellen lassen und nur in einem Feuerwerk diverser Peinlichkeiten enden können. Jeder Versuch, den sinkenden Tanker „Schwiegermonster“ zu retten, wirkt vergebens. Hier fehlt es eindeutig an Witz, Klasse und Charme.
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