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    Zwei Stars schocken mit echtem Blowjob – Zuschauer flüchten empört aus dem Kinosaal!
    Michael Bendix
    Michael Bendix
    -Redakteur
    Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: vom obskuren 70er-Jahre-Horrorfilm über Kunstfilme von Chantal Akerman bis hin zum neuesten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

    Roger Ebert nannte ihn den „schlechtesten Film in der Geschichte von Cannes“: „The Brown Bunny“ trieb die Zuschauer*innen scharenweise aus den Kinos – erst vor Langeweile, dann wegen einer äußerst expliziten Szene …

    Mars Distribution

    Ob Cannes, Venedig oder Berlinale: Einen handfesten Festival-Skandal hat lange kein Film mehr ausgelöst – wahrscheinlich, weil es immer weniger gibt, womit sich so ein Festivalpublikum wirklich schockieren lässt. Früher sah das noch anders aus. Fast jährlich gab es bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den einen Film, der das Publikum in Scharen aus dem Kino trieb – und von den Sitzenbleibern mit Buhrufen und anderen Wutreaktionen überzogen wurde.

    Vor 20 Jahren traf dieses Schicksal „The Brown Bunny“, nach seinem gefeierten Debüt „Buffalo '66“ die zweite Regiearbeit des New Yorker Künstlers und Schauspielers Vincent Gallo („GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“) – und sicher nicht ganz ohne Grund auch die bis dato letzte.

    „The Brown Bunny“ lief 2003 im Offiziellen Wettbewerb von Cannes, neben Filmen wie Lars von TriersDogville“, Clint EastwoodsMystic River“ und dem letztendlichen Gewinner „Elephant“ von Gus Van Sant. Während andere Filme schnell in Vergessenheit geraten, kann man über „The Brown Bunny“ immerhin sagen, dass er Eindruck hinterlassen hat – auf entzürnte Zuschauerreaktionen folgten nicht nur Verrisse, sondern auch eine private Schlammschlacht zwischen Gallo und einem Starkritiker. Aber der Reihe nach…

    „The Brown Bunny“ ist – auch das muss man ihm lassen – ein Autorenfilm durch und durch. Gallo hat den Film nicht nur geschrieben, inszeniert und produziert, er hat auch die Kamera, den Schnitt, das Casting, das Szenenbild und die Kostüme übernommen – und natürlich ist er auch in der Hauptrolle zu sehen.

    Das brachte ihm schnell den Vorwurf ein, „The Brown Bunny“ sei eine reine Egoshow. Und tatsächlich dreht sich in dem Road-Movie alles um Vincent Gallo – bzw. den Rennfahrer Bud Clay, der auf seinem Motorrad durch die USA driftet und den Zuschauer*innen sein Seelenleben offenbart. Neben flüchtigen Bekanntschaften mit verschiedenen Frauen spielt dabei vor allem die gescheiterte Beziehung zu seiner Exfreundin Daisy (Chloë Sevigny) eine große Rolle, an die sich Bud immer wieder zurückerinnert …

    … und die schließlich zu der Sequenz führt, für die „The Brown Bunny“ nach wie vor berüchtigt ist: Den nicht wenigen Zuschauer*innen, die den Film für ereignislos und langweilig hielten, setzte Gallo eine mehrminütige, explizite Blow-Job-Szene im Close-up vor – die nicht simuliert ist! Gallo und Sevigny waren zum Zeitpunkt des Drehs tatsächlich ein Paar, und so wirkt es, als hätten sie ihr Intimleben einfach mit der Kamera begleitet – um das Fachpublikum des wichtigsten Filmfestivals der Welt so richtig auf die Palme zu bringen.

    "Fettes Schwein": So unsouverän reagierte Gallo auf Kritik an seinem Film

    Das ist ihnen in jedem Fall gelungen: Kaum ein*e Kritiker*in ließ ein gutes Haar an Gallos Zweitling. Als prominentester Hater meldete sich der 2013 verstorbene Filmkritiker-Papst Roger Ebert zu Wort, der „The Brown Bunny“ den schlechtesten Film in der Geschichte von Cannes nannte. Gallo reagierte darauf wenig souverän und beschimpfte Ebert als „fettes Schwein“. Der erwies sich als deutlich schlagfertiger: Gallos Wutausbruch sei immerhin unterhaltsamer, als sich den Film anzusehen, so Ebert – und wenn er eines Tages geschafft hätte, abzunehmen, dann sei Gallo leider immer noch der Regisseur von „The Brown Bunny“.

    „Das schlimmste Gefühl, das ich je in meinem Leben hatte“, so erinnerte sich Gallo später an die Premiere des „Buffalo '66“-Nachfolgers – und zog Konsequenzen daraus, indem er eine neue, im Vergleich zur Premierenversion mehr als 25 Minuten kürzere Schnittfassung anfertigte. Die Oralsexszene war zwar noch immer in voller Länge enthalten, trotzdem konnte er auf diese Weise sogar Ebert überzeugen, der augenscheinlich nicht nachtragend war: Er bezeichnete Gallos nachträgliche Eingriffe als „Rettung des Films“ – und vergab eine Daumen-Hoch-Bewertung.

    Chloë Sevigny bereut den Film übrigens nicht, wie sie in einem Interview erzählte. Und das, obwohl sich in der Folge ihre Agentur von ihr trennte – mit der Begründung, durch die pornografische Szene habe sich die Schauspielerin ihre Karriere endgültig versaut. Offenbar teilt sie aber die Meinung unserer 3,5-Sterne-Kritik, die mit dem Satz abschließt: „Im Kontext des Endes hat auch der viel gescholtene Blow-Job seinen Sinn und dient nicht nur der sexuellen Befriedigung von Vincent Gallo, wie mancher Kritiker verächtlich schrieb.“

    Kaum auszuhalten: Das sind die 22 unerträglichsten Filmszenen aller Zeiten!

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