Wie bei "Superman": Bekommen wir bald nur noch extralange Trailer mit 5 oder mehr Minuten?
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

In Las Vegas findet aktuell die wichtigste Kinomesse CinemaCon statt. Auf dem Event werden auch neue Entwicklungen der Branche diskutiert. Ein großes Thema sind dabei: Trailer. Wird sich die Zukunft der Kinovorschauen verändern?

Warner Bros.

Wer sich am Wochenende „Ein Minecraft Film“ im Kino anschaut, wird womöglich einen ausführlichen Einblick in James Gunns „Superman“ bekommen. Schon seit einigen Tagen macht die Runde, dass exklusiv vor der Videospielverfilmung ein fünf Minuten langer Trailer laufen soll. Regisseur Gunn hat nun auch ganz offiziell enthüllt, dass es eine „Extended Preview“ für seinen Film vor „Minecraft“ geben wird – ohne allerdings die Länge zu bestätigen und auch zu verraten, ob diese Vorschau weltweit oder nur in bestimmten Ländern ausgerollt wird.

Eine solche Extended Preview exklusiv vor einem Kinofilm ist keine absolute Neuerung. Sie gab es immer mal wieder. Bei Titeln wie „Avatar“ (sogar 15 Minuten) oder „The Dark Knight Rises“ (6 Minuten) gab es ausführliche Vorschauen exklusiv im Kino. Legendär ist natürlich der Fall „Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung“. Hier lief der erste Teaser-Trailer erst einmal nur in speziellen Kinos vor bestimmten Filmen. Zahlreiche Fans lösten ein Kinoticket, nur um die Vorschau zu sehen (und hauten teilweise vor Filmbeginn sogar wieder ab).

Es könnte in Zukunft mehr solcher besonderen Previews geben. Denn auf der CinemaCon in Las Vegas wird gerade von Kinobetreibenden und Hollywood-Studios gemeinsam ausführlich über die Zukunft des Kinos diskutiert. Während das heißeste (Streit-)Thema dabei ist, wie man der Streamingkonkurrenz mit (nach Meinung der Kinos: möglichst langen und verlässlichen) Leinwand-Exklusiv-Auswertungen der Filme begegnen kann, steht nämlich auch ein anderes Thema laut unserer Schwesterseite BoxOffice Pro ganz oben auf der Agenda: Trailer. Dabei schweben vor allem drei Ideen im Raum, die wir euch kurz vorstellen wollen.

Idee 1: Richtig lange Trailer

Die bereits angesprochenen langen Trailer sind dabei die erste Idee. Es müsse nicht einmal bei fünf Minuten bleiben, auch sechs bis sieben Minuten lange Vorschauen seien in Zukunft regelmäßig denkbar. Es gehe darum, diese Vorschauen exklusiv nur im Kino zu zeigen, mit ihnen vielleicht einen extra Anreiz für den Kinobesuch zu schaffen.

Ein wenig Uneinigkeit herrscht darüber, ob es nur ein Mittel ist, große Blockbuster zu bewerben. Ein langer Trailer mit einer fast kompletten und nicht zerschnittenen Actionszene aus „Mission: Impossible 8 - The Final Reckoning“ mit Tom Cruise wird als Zugpferd-Beispiel im Boxoffice-Podcast zu dem Thema genannt. Andere sind aber der Meinung, dass lange Trailer Studios auch helfen könnten, noch unbekanntere Titel zu vermarkten. Eine spektakuläre Actionszene aus einem unbekannten Actionfilm vor „Mission: Impossible 8“ abzuspielen, könnte Leute auf einen Film erst aufmerksam machen, die von einem konventionellen Trailer, der nur Actionschnipsel zeigen kann, nicht gepackt werden.

Einigkeit scheint nur zu herrschen, dass lange Vorschauen vor Kinderfilmen keine so gute Idee sind, weil hier schnell die Aufmerksamkeitsgrenze erreicht ist. Weitestgehend einig sind sich die Boxoffice-Experten in ihrer Diskussion aber darin, dass die Hollywood-Studios es testen und mehr lange Trailer herausbringen sollten.

Idee 2: Warum nicht kürzere Trailer?

Allerdings existiert genau die gegenteilige Idee ebenfalls. Gerade eine jüngere Zielgruppe soll schon bei der bisherigen typischen Trailerlänge von zwei bis zweieinhalb Minuten oft das Interesse verlieren. Alexander DelVecchio betreibt ein Kino, welches auf einem Uni-Campus liegt. Sein Publikum ist so hauptsächlich Anfang 20. Im Podcast Boxoffice erklärt er, dass kurze Trailer, bis maximal 90 Sekunden Länge, dort viel besser ankommen. Er plädiert daher dafür, dass die Studios auch dies öfter versuchen und nennt Disneys bei ihm voll einschlagenden Teaser zu „Lilo & Stich“ als gutes Beispiel.

In Zukunft kürzere Trailer zu zeigen hätte natürlich den Vorteil, dass man deutlich mehr Filme bei jeder einzelnen Vorführung bewerben kann.

Idee 3: Kinovorführungen nur mit Trailern?

Einen weiteren Vorschlag präsentierte Michael O'Leary, der Präsident und CEO der Vereinigung der US-Kinos. Dieser sei ihm vom Boss der europäischen Kinokette Kinopolis gemacht worden: Es könne künftig komplette Kinovorführungen geben, in welchen man nur (!) Trailer sieht.

Angelehnt ist die Idee an Messen wie die CinemaCon. Dort werden Kinobetreibenden exklusiv unzählige Trailer und Ausschnitte vorgeführt, die teilweise überhaupt nicht oder erst viele Monate später der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden. Solche Events könnte man auch für das gewöhnliche Kinopublikum veranstalten. Die Idee: Aus Trailern ein Programm von rund 75 Minuten Länge zu bauen und statt eines festen Eintrittspreises eine freiwillige Geldabgabe zu verlangen.

Neugierig würde man das Publikum machen, in dem man vorher schon ein paar Titel verrät und deutlich macht, dass es nur hier zum Beispiel die ersten Vorschauen auf „Avatar 3“ und „Wicked 2“ sowie fünf Minuten aus dem Horror-Hit-Sequel „Five Nights At Freddy's 2“ gibt. Wichtig sei also die Kommunikation, dass alles das anschließend nicht online erscheinen wird. Die restliche Laufzeit füllt man dann mit Überraschungen auf, gibt den Studios so auch die Möglichkeit zwischen den großen Titeln, die das Publikum zu solchen Vorführungen anlocken, ihre noch unbekannten Neuheiten zu bewerben.

Die Kino-Experten Daniel Loria und Chad Kennerk sind im Boxoffice-Podcast beide sicher, dass ein solches Konzept funktionieren und Kinosäle füllen würde.

Aus unserer Sicht gibt es aber eine Sache, die eine Umsetzung dieser Idee arg kompliziert. Die miteinander konkurrierenden Filmstudios müssten sich einigen und koordinieren – nicht nur hinsichtlich der Frage, zu wann welche Trailer fertig sein müssen. Auch Kosten müssen aufgeteilt werden, denn wenn die Kinos keinen Eintritt verlangen, müssen die hier ja Werbung veranstaltenden Studios die Vorführungen zahlen. Dazu kommt die Frage, wie bereit die Firmen sind, das Rampenlicht zu teilen. Im angesprochenen Beispiel werden sowohl Disney als auch Universal eigentlich den Fokus darauf legen, dass ihre Ende 2025 auch an den Kinokassen konkurrierenden potenziellen Mega-Hits „Avatar 3“ und „Wicked 2“ maximale Aufmerksamkeit für erste Vorschauen bekommen und nicht gemeinsam in einer 75-Minuten-Rolle laufen.

Ob und welche der Ideen umgesetzt werden, ist also noch offen. Es zeigt aber, dass sich die Kinobranche weiter Gedanken macht, was man ändern und ausprobieren kann.

Ein besonderes Kino-Experiment, welches nun ebenfalls auf der CinemaCon enthüllt wurde, erklären wir euch im folgenden Artikel:

Das größte Kino-Experiment aller Zeiten: Starttermin-Überraschung für "Beatles"-Filme mit "Gladiator 2"- & "Stranger Things"-Stars

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