"Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht": "John Wick"-Macher feiert Einführung neuer, lang geforderter Oscar-Kategorie
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob athletische Kampfkunst, die ehrfürchtig-ruhig gefilmt ist, oder explosiv-lärmender Hollywood-Bombast: Im Action-Kino ist er flexibel – eine konsequente Umsetzung ist für ihn aber stets ein Bonus.

Lang hat es gedauert, jetzt ist es offiziell: Die Academy Of Motion Picture Arts And Sciences führt die von Fans und Filmschaffenden lang geforderte Stunt-Kategorie bei den Oscars ein. Wir verraten euch unter anderem, ab wann sie verliehen wird...

Universal Pictures

Sie sorgen immer wieder dafür, dass uns im Kino und am Bildschirm die Spucke wegbleibt: Stunts sind ein wichtiger Teil der Filmkunst – sei es als zentrales, spektakuläres Element in einem wuchtigen Actionfilm, als halsbrecherisch anmutendes Chaos in einer wilden Komödie oder als kleiner, fescher Nervenkitzel in einem bildgewaltigen Abenteuer. Daher wünschen sich Filmfans und Filmschaffende seit vielen Jahren die Einführung einer neuen Oscar-Kategorie speziell für Stuntarbeit.

Lange hat uns die Academy Of Motion Picture Arts And Sciences, die für die Oscars zuständig ist, vertröstet. Nun aber ist es offiziell: Die Academy führt die heiß ersehnte Oscar-Kategorie „Bestes Stuntdesign“ ein! Verliehen wird sie erstmals 2028. Bei der ersten Vergabe des Stunt-Oscars werden somit also Filme aus dem Jahr 2027 gewürdigt.

Tom Cruise und der Rest des Teams hinter dem Agenten-Actionspektakel „Mission: Impossible – The Final Reckoning“, der bereits dieses Jahr startet, haben also keine Chance. Aber: Schon jetzt freut sich „Deadpool 2“- und „The Fall Guy“-Regisseur David Leitch riesig über die neue Kategorie!

Action-Experte und Ex-Stuntman Leitch: "Ich ziehe meinen Hut vor der Academy"

Wie „John Wick“-Co-Regisseur Leitch nun erläuterte, gehört er zu den Filmschaffenden, mit denen die Academy in Vorbereitung auf diese große Neuigkeit in engem Kontakt stand. „Vor einigen Jahren kam die Academy auf uns zu und meinte: ,Hey, wie können wir helfen? Wie bringen wir die Sache ins Rollen?'“, verriet Leitch dem US-Branchemagazin Deadline. Auch viele weitere aktive und ehemalige Stuntleute beteiligten sich am Prozess, der in der Einführung der neuen Oscar-Kategorie mündete.

Laut Leitch war nämlich das gründliche Vorgehen seitens der Academy einer der Gründe, weshalb der Stunt-Oscar nicht bereits vor Jahren etabliert wurde: „Ich ziehe meinen Hut vor der Academy, weil sie es richtig machen wollten. Sie haben sich Zeit dafür genommen. Sie sprachen mit vielen von uns in der Stunt-Community“, so Leitch. „Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht!“

Leitch erörterte weiter: „Sie sind auf Leute aus allen Bereichen der Stunt-Arbeit zugekommen und haben mit ihnen gesprochen. Sie wollten herausfinden, ob es diesen Preis überhaupt geben sollte (und da hat niemand widersprochen), wie man ihn am besten verleiht, an wen man ihn vergibt und wie der Auswahlprozess aussehen sollte. Und als sie das Gefühl hatten, auf dem richtigen Pfad zu sein, haben sie die Kategorie angekündigt.“

Der Stunt-Oscar ist "ein Gewinn fürs Geschichtenerzählen"

Die konkreten Regularien, wie sich ein Film für die Stunt-Kategorie qualifiziert und welche Academy-Mitglieder unter welchen Voraussetzungen für sie abstimmen, werden zwar erst 2027 verkündet. Doch schon jetzt steht fest, dass es sich um einen kollektiven Award handeln wird – nicht um einen Preis, den Einzelpersonen für die Durchführung eines einzelnen, individuellen Stunts erhalten. Daher wohl der auf den ersten Blick ungewöhnliche Name der Kategorie: Bestes Stuntdesign.

Für Leitch ist dies „das Bestfallszenario“ und vollauf konsequent: „Im Gegensatz zu einigen anderen Departments haben wir viele verschiedene Koordinatoren“, erklärte er Deadline. „Es braucht so viele Menschen, damit das alles funktioniert. Wie also macht man diesen Award zu einer gerechten Sache und würdigt wirklich genau das, worum es all diesen Stunt-Departments geht? Nun, ich finde [die Academy] hat einen richtig guten Job gemacht, all das unter einen Hut zu bringen“, so Leitch.

Gegenüber dem US-Branchendienst Variety gab wiederum Jeff Wolfe, seines Zeichens Präsident der Stuntmen's Association, zu Protokoll: „Ich kann nicht in Worte fassen, wie aufgeregt und stolz ich bin, dass die Academy unsere Kunst und unser Handwerk mit einer eigenen Oscar-Kategorie würdigt. Dies ist ein historischer Augenblick für unsere Community.“

Wolfe freute sich weiter: „Diese Anerkennung bestätigt die Passion, Innovation, Kreativität und schweißtreibende Arbeit, die in jeden einzelnen Sturz, Kampf oder Feuerball fließt. Das ist nicht bloß ein Gewinn für unsere Industrie, es ist ein Gewinn fürs Geschichtenerzählen!“

Und falls ihr nun voll im Stunt-Fieber seid, dürfte der folgende Film jetzt genau das richtige für euch sein:

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