Während des Massakers auf Ghorman liest Cassian Andor (Diego Luna) einen beschädigten Kampfroboter, eine KX-Einheit, auf. Was viele vermuten, wird am Ende der darauf folgenden neunten Episode bestätigt: Es ist K-2SO (Alan Tudyk). Sehr spät in der Serie „Star Wars: Andor“ haben wir damit endlich das erste Zusammentreffen der Freunde gesehen.
Dass diese Begegnung sogar ein Bruch mit dem bisherigen Kanon ist, stört viele Fans dabei gar nicht so sehr, weil es die wenigsten bemerkt haben dürften. Viel mehr wird bemängelt, dass es das Aufeinandertreffen erst so spät in der Serie gibt. Schließlich freuten sich viele Fans auf die Interaktionen von Cassian und K-2SO. Doch dafür bleibt ihnen nun nur noch wenig Zeit: maximal die verbleibenden drei Folgen, die es ab dem 14. Mai 2025 auf Disney+ gibt. Doch das späte Treffen hat seinen Grund.
"Wir müssen so lange wie möglich warten!"
Wie Serienmacher Tony Gilroy Entertainment Weekly verriet, habe man sich sehr viele Gedanken über den Auftritt von K-2SO gemacht und wusste schon, was die Entscheidung mit sich bringen wird: „Es war anfangs sehr kontrovers. Ich glaube, Alan [Tudyk] war wahrscheinlich enttäuscht, und ich denke, es gab auch Fans, die enttäuscht waren. Aber ich dachte: ‚Egal, was wir machen, wir müssen wirklich so lange wie möglich warten, bis wir ihn einführen.‘“
Doch warum wollte Gilroy unbedingt das Treffen hinauszögern? Erste Pläne für ein „Rogue One“-Prequel hätten alle einfach nur gemeinsame Abenteuer von Cassian und K-2S0 beinhaltet … und seien alle gescheitert:
Die Figur sei „absolut unterhaltsam, fantastisch, großartig, beim Publikum beliebt und all das, aber für das Storytelling ist er der Tod“, so Gilroy. „Man kann mit ihm nirgendwohin!“, führt er aus. Was er damit meint: Wenn der mächtige Kampfroboter dabei ist, sinkt die Gefahr für den Helden und damit die Spannung. Auch die möglichen Missionen verändern sich.
Die Probleme habe man schon bei „Rogue One“ gesehen. Wer sich den „Star Wars“-Kinofilm laut Gilroy noch einmal ganz genau anschaue, werde feststellen, wie oft K-S2O „versteckt“ werde. „Er ist unglaublich reizvoll, und gleichzeitig wirklich schwierig fürs Storytelling“, so das Fazit des „Andor“-Machers gegenüber Entertainment Weekly.
Am Ende ist er mit seiner Lösung glücklich, auch wenn die finale Einschätzung in den Händen der Fans liegt: „Die Messlatte war wirklich hoch für das, was wir machen wollten. Das Publikum wird entscheiden, ob es groß genug und befriedigend genug ist, aber wir haben versucht, es so cool wie möglich zu machen.“
K-S2O – eine Ablösung zur richtigen Zeit
Dabei hatte die späte Einführung der Figur auch noch einen „zusätzlichen Vorteil“, an welchen Gilroy selbst erst gar nicht dachte: „Mir war selbst erst nicht bewusst, wie nah das zeitlich mit Bix’ Abschied zusammenfallen würde. Das hatte ich nicht auf dem Schirm.“
Dabei teasert der Serien-Macher schon eine Veränderung für die finalen drei Episoden durch „diesen Staffelstab-Übergang“: Wenn Bix gehe, werde Andors Zuhause „irgendwie zu einer Art Studentenbude“ und da komme K-2SO genau im richtigen Moment dazu. Dass die Ereignisse sich so gut zusammenfügen, fühlte sich für Gilroy „wie eine göttliche Bestätigung dessen an, was wir die ganze Zeit gemacht hatten.“
Und was ist mit dem Kanon-Bruch?
Auf eine Sache wollten die „Andor“-Macher aber keine Rücksicht nehmen. Eigentlich wurde bereits in dem Comic „Rogue One: Cassian & K-2SO Special #1“ aus dem Jahr 2017 eine komplett andere Version des Treffens von Cassian und K-2SO erzählt. Dort trifft Cassian bei einer ganz anderen Mission, der Infiltration einer Imperiums-Einrichtung, auf K-2SO und kann diesen nach und nach umprogrammieren.
Der Umgang mit dem bereits existierenden Kanon war mehrfach eine Herausforderung für die „Andor“-Verantwortlichen – so zum Beispiel auch bei der Rede von Mon Mothma vor dem Senat. „Muss ich mich an diese verdammte Rede halten?“, habe ihn so sein für die Episode zuständiger Bruder Dan Gilroy mit dem Hinweis gefragt, dass wir in der Serie „Star Wars Rebels“ bereits eine Reaktion von Mon Mothma auf das Ghorman-Massaker gehört haben. Dort hält sie ihre Rede nicht im Senat, sondern auf einem Schiff. Und es wird zudem erzählt, dass sie von der Gold-Staffel gerettet wurde – einer legendären Sternenjägereinheit der Rebellen-Allianz.
„Wir kapern den Kanon“, erzählt Gilroy gegenüber Entertainment Weekly seinen Ansatz für das Problem – und der geht hier genial auf. Denn bei der Rettung durch Andor wird bereits kurz erwähnt, dass sein Einsatz später verschwiegen werden wird, man für die Geschichtsbücher eine andere Erzählung braucht. Und es wird kurz angedeutet, dass Cassian sie deswegen an eine andere Einheit übergibt – was dann die Gold-Staffel sein dürfte. Da das Imperium alles unternimmt, um die Weiterverbreitung ihrer Rede im Senat zu unterdrücken, ist auch die zweite vermeintliche Abweichung nur logisch. Dass sie sich in Sicherheit noch einmal mit einer zweiten Rede, deren Ausstrahlung und Verbreitung die Rebellion besser fördern kann, an die gesamte Galaxis wendet, ergibt Sinn.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Bei K-2SO Comic-Einführung gab es aber leider keinen Ansatz, den Kanon so clever zu „kapern“. Doch die obersten Kanon-Wächter von Lucasfilm scheinen Gilroy hier freie Hand gelassen zu haben, ausnahmsweise mal alte Ereignisse für komplett ungültig zu erklären und einen sogenannten Retcon zu machen.
Schließlich passt die Story des Comics nicht in „Andor“. Es wäre dann auch eine komplett eigenständige Folge gewesen, die zudem einfach nur eine vorherige Geschichte nacherzählt. Oder man hätte das Zusammentreffen sogar komplett aussparen müssen. Es hätte aber sicher noch mehr für Diskussionen gesorgt, wenn K-2SO plötzlich einfach als neuer Freund dagewesen wäre – und das Kennenlernen hätte in einem Comic stattgefunden, den kaum ein Schwein gelesen hat. Dass Gilroy den Kanon hier brechen durfte, dürfte so auch darin begründet sein, dass der Comic nicht sonderlich weit verbreitet ist. Vor allem zeigt sich am Ende aber: Für Gilroy steht das bestmögliche Storytelling über dem strikten Festhalten am Kanon – und das dürfte den meisten Fans wichtiger sein als jedes Detail aus einem Comic.
Übrigens war es ursprünglich der Plan, K-2SO auf ganz andere Weise einzuführen – und zwar in einer Horror-Episode. Was in der gestrichenen Folge, die wir eigentlich dann diese Woche auf Disney+ gesehen hätten, passieren sollte, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Horror-Episode von "Star Wars: Andor" sollte diese Woche auf Disney+ laufen – darum wurde sie gestrichen